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Diskriminierung und Anfeindungen gegen Russ:innen: „Wir wollen Putins Krieg nicht“

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Von: Teresa Toth

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Solidaritäts-Demonstration für die Ukraine in Berlin: Viele Russ:innen sind gegen Putins Krieg.
Solidaritäts-Demonstration für die Ukraine in Berlin: Viele Russ:innen sind gegen Putins Krieg. © Paul Zinken/dpa

In Deutschland erfahren zahlreiche Menschen Anfeindungen aufgrund ihrer russischen Wurzeln. So wurde ein Mann entlassen, LKW-Fahrer klagen über Anfeindungen.

Berlin – Der Zorn auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin und seinen Krieg gegen die Ukraine ist groß. Diesen Zorn an russischen Mitmenschen auszulassen, ist jedoch falsch. Seit Beginn der Angriffe auf die Ukraine durch Russland wurden dennoch viele Fälle in Deutschland publik, in denen Menschen aufgrund ihrer russischen Wurzeln angefeindet wurden.

Im Saarland wurde etwa einem Familienvater wegen seiner russischen Herkunft gekündigt – darüber berichtete unter anderem die Bundestagsabgeordnete Esra Limbacher (SPD). „Diesem Mann wurde mit Verweis auf seine Herkunft gekündigt. Man wolle in der jetzigen Situation keine Russen beschäftigen und deswegen müsse er gehen“, schrieb Limbacher auf Facebook. Ebenfalls Anfeindungen ausgesetzt seit Beginn des Ukraine-Kriegs sind russische Lkw-Fahrer:innen. Gegenüber ntv berichtet ein Lkw-Fahrer etwa, dass die Fahrzeuge mit russischen Kennzeichen auf Parkplätzen häufig beschädigt werden. Um sich davor zu schützen, schreiben einige auf ihre Fahrzeuge mit russischem Kennzeichen, woher sie tatsächlich stammen.

Deutschlands Bundesinnenministerin Nancy Faeser warnt eindringlich vor Diskriminierungen gegen Mitbürger:innen.
Deutschlands Bundesinnenministerin Nancy Faeser warnt eindringlich vor Diskriminierungen gegen Mitbürger:innen. © Jörg Carstensen/dpa

Diskriminierung gegen Russ:innen in Deutschland: Schadet dem Zusammenhalt

Für große Aufruhr sorgte eine Mail der Direktorin der Universitätsklinik München, die sie an eine Beraterin schickte. „Aufgrund der schweren Völkerrechtsverletzung durch den offenbar geistig gestörten Autokraten Putin lehnen wir ab sofort grundsätzlich die Behandlung russischer Patienten ab. Ukrainische Patienten sind natürlich herzlich willkommen“, hieß es in der Nachricht. Auf Nachfrage von Zeit Online gab das Krankenhaus an, dass es sich dabei nicht um ein offizielles Statement der Klinik, sondern um eine persönliche Meinung der Absenderin handelt, die sie inzwischen bedauere.

In Frankfurt haben sich bereits mehrere Familien von Spätaussiedlern aus der ehemaligen Sowjetunion und jüdische Auswander:innen ebenso wie Studierende oder Beschäftigte über verbale Attacken bis hin zu gewaltsamen Übergriffen beklagt . „Sie erfahren Diskriminierung und Ausgrenzung aufgrund ihrer Herkunft, Sprache und ethnischen Zugehörigkeit.“, teilte die Interessengemeinschaft der Deutschen aus Russland in Hessen (IDRH) mit. „Das beunruhigt uns sehr.“

Auch der Bund der Vertriebenen (BdV) beklagte vermehrte Anfeindungen gegen Menschen mit russischen Wurzeln. „Wir wollen Putins Krieg nicht in Deutschland“, betonte BdV-Präsident Bernd Fabritius am Freitag (04.03.2022) in Bonn. Eine „pauschaler Diskriminierung und Ausgrenzung von Russlanddeutschen, jüdischen Kontingentflüchtlingen und Russen in Deutschland“ schade dem Zusammenhalt, der gerade in dieser Zeit enorm wichtig wäre. Diejenigen, die jetzt diskriminiert werden, gehörten „zu den Opfern von Putins Attacke auf Freiheit und Frieden in Europa“, so der BdV-Präsident.

Diskriminierung gegen Russ:innen in Deutschland: Polizei ist sensibilisiert

Bundesinnenministerin Nancy Faeser warnte ebenfalls vor Diskriminierungen und Anfeindungen: „Der entsetzliche Angriffskrieg gegen die Ukraine ist Putins Krieg. Es ist nicht der Krieg der Menschen mit russischen Wurzeln, die in Deutschland leben“, sagte die SPD-Politikerin am Freitag der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. „Wir wehren uns ganz entschieden dagegen, dass Menschen aufgrund ihrer russischen Herkunft oder Sprache angefeindet oder diskriminiert werden“, erklärte Faeser. „Dieser Konflikt darf weder auf dem Rücken von Ukrainerinnen und Ukrainern, noch von Russinnen und Russen in Deutschland ausgetragen werden.“

Proteste in Deutschland gegen den Krieg verliefen bisher sehr friedlich. „Das soll so bleiben“, betonte Faeser. Daher seien Sicherheitsbehörden und Polizei für mögliche Anfeindungen sensibilisiert und besonders wachsam. „Sie werden jeden Menschen in Deutschland und jede Einrichtung gleichermaßen schützen.“ (tt)

In Frankfurt haben 2000 Menschen gegen den Krieg in der Ukraine demonstriert. Der ukrainische Präsident Selenskyj sprach per Live-Schalte zu den Demonstrierenden.

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