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Waffenlieferungen im Ukraine-Krieg: „Können wir Deutschland vertrauen?“

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Von: Moritz Serif

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Der eine forsch, der andere ablehnend: Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzler Olaf Scholz.
Der eine forsch, der andere ablehnend: Präsident Emmanuel Macron und Bundeskanzler Olaf Scholz. © Imago/Nicolas Landemard / Le Pic

Liefert Deutschland genug Waffen an die Ukraine? Bei der Diskussion gibt es unterschiedliche Auffassungen. Ein Überblick darüber, was Kiew bereits bekommen hat.

Berlin – Immer wieder heißt es, dass Deutschland doch schwere Waffen wie Panzer an die Ukraine liefern müsse. Laut verschiedenen Medienberichten sei die Bundesrepublik in Europa zunehmend abkapselt. „Können wir Deutschland vertrauen?“, fragte der lettische Verteidigungsminister Artis Pabriks vergangene Woche bei einem offenen Forum in Berlin. Sein Land sei zu allem bereit: „Wir sind bereit für die Freiheit zu sterben. Sind Sie es auch?“, so Pabriks.

Auch in Frankreich regt sich wieder einmal Kritik an der Ampelregierung. Es ist „nicht gut für Europa und für Deutschland, dass es sich isoliert“, rügte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Eine Konferenz zwischen Frankreich und Deutschland musste sogar verschoben werden: Die Meinungsverschiedenheiten über Energie, Waffenkäufe, gemeinsame europäische Schulden waren zu groß.

Schützenpanzer Marder
Ein Schützenpanzer der Bundeswehr vom Typ Marder fährt über einen Übungsplatz. © Philipp Schulze/dpa

Ukraine-Krieg: Deutschland ist der drittgrößte Lieferant

Bundeskanzler Olaf Scholz lässt die Kritik jedoch nicht gelten. Tatsächlich hat Deutschland relativ spät fortschrittliche Waffen an Kiew geliefert – darunter die gepanzerte Gepard-Flugabwehrkanonen und mindestens ein IRIS-T-Flugabwehrraketensystem. Doch die Bundesrepublik ist laut offiziellen Angaben nach den USA und Großbritannien auch der drittgrößte Lieferant im Ukraine-Konflikt.

Schweres Kriegsgerät hat bislang ohnehin kaum ein Land in die Ukraine geliefert. Laut IWF Ukraine Support Tracker (Stand 27. Oktober) haben bislang lediglich Polen und Tschechien die Ukraine mit Panzern unterstützt. Bei Polen waren es 240, bei Tschechien 12. 14 deutsche Leopard-2-Kampfpanzer soll Prag insgesamt im Rahmen eines Ringtausches bekommen. Vor allem mit Polen und den baltischen Staaten bestehen Spannungen.

Weder USA, noch Frankreich oder Großbritannien haben Panzer geliefert

Ansonsten haben weder die USA, noch Frankreich oder Großbritannien Panzer geliefert. Ein Überblick über aktuelle Daten, die zeigen, was welche Staaten bereits an die Ukraine geschickt haben.

LandGepanzerte FahrzeugePanzerHaubitzenRaketenwerfer
USA300010812
Großbritannien120003
Australien88060
Polen40240180
Slowenien35000
Norwegen140223
Deutschland100105
Tschechien512020
Frankreich00180

Thomas Kleine-Brockhoff vom German Marshall Fund sagte, eine gewisse Kritik an Deutschland sei notwendig und berechtigt, aber er befürchte, dass sie bisweilen zu weit gegangen sei. „Deutschland zu kritisieren ist zu einem Hobby geworden, aber es gibt keine Gegenwehr von der Regierung hier“, so der Experte bei der New York Times.

Die Ampel habe eine übertriebene Angst vor Eskalation meinen Kritiker:innen. Es sei falsch, bei modernen, schweren Waffen, wie dem Leopard-2-Panzer und dem Marder, einem panzerähnlichen Schützenpanzer, eine Grenze zu ziehen. Wie Wladimir Putin im Einzelfall auf Waffenlieferungen in der Qualität an die Ukraine reagieren würde, das wiederum kann niemand so genau wissen. (mse)

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