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Russlands Erfolge im Ukraine-Krieg: Wie geht es im Osten weiter?

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Von: Peter Rutkowski

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Im Osten der Ukraine erzielt Russland lokale Erfolge. Jetzt ist die Großstadt Lyssytschansk bedroht. Doch hier ist einiges anders, als bei bisherigen Kämpfen.

Kiew – Die Schlacht um Sjewjerodonezk ist praktisch vorbei, die Schlacht um Lyssytschansk läuft schon. Klar zu trennen zwischen den beiden Episoden des Ukraine-Krieges fällt nicht allein deshalb schwer, weil bloß der Lauf des Sewerski Donez die Städte voneinander trennt. Ihre unmittelbare Nachbarschaft zueinander macht das eine Kampfgeschehen fast ununterscheidbar vom anderen. Dabei sind die Unterschiede zwischen beiden frappant – und können in Lyssytschansk schlachtentscheidend sein.

Lyssytschansk liegt höher – und damit taktisch besser für die ukrainischen Truppen – als die Stadt weiter östlich und direkt vor ihr fließt der Sewerski Donez vorbei. Für die russischen Artilleriegranaten, Raketen oder Streubomben ist der Flusslauf keine Barriere, aber sehr wohl für die Infanterie und Panzer, die Lyssytschansk einnehmen müssten – wobei man präzisieren muss: den Trümmerberg, zu dem Lyssytschansk verwandelt wird.

Frauen in Lyssytschansk suchen Schutz vor russischen Bomben.
Frauen in Lyssytschansk suchen Schutz vor russichen Bomben. Die Großsstadt im Osten der Ukraine ist das nächste Ziel von Russland. © Anatolii Stepanov/afp

„Es wird ein heißer Sommer“: Wie geht der Ukraine-Krieg weiter?

Eine Kriegsmethode und ein Kriegsziel Moskaus sind unwiderlegbar: Die Ukraine soll in eine Wüstenei verwandelt werden. Am 120. Tag des Krieges, an diesem Donnerstag (23. Juni), gingen allein drei Marschflugkörper auf Mykolajiw im Süden des Landes nieder: ein Toter, drei Verwundete, heißt es. Im Norden bei Charkiw schoss Artillerie von russischem Boden aus ins Land hinein: fünf Tote, sieben Verwundete. In der Nacht zuvor lag der Frontabschnitt bei Saporischschja wieder unter Beschuss. Und es geht immer weiter.

Die ukrainischen Streitkräfte können derzeit kaum adäquat darauf antworten. Einer der bisherigen Vorteile gegenüber Russland wird von deren Flugabwehr inzwischen vermehrt neutralisiert: Die Zahl abgeschossener Drohnen aus türkischen oder westlichen Arsenalen nimmt zu. Hoffnung machen Kiew die nun eingetroffenen US-Mehrfachraketenwerfer, Typ „Himars“. Damit könnten die Ukrainer zumindest lokal Konzentrationen russischer Artillerie etwas entgegensetzen. „Es wird ein heißer Sommer“, wie der ukrainische Verteidigungsminister Oleksij Resnikow drohend twitterte.

Umkämpfte Städte im Osten der Ukraine: „Sehr viele“ werden sterben

Aber zurück nach Lyssytschansk: Die Aussichten für das Überleben der Stadt sind gleich null; russische Truppen bringen sich entlang des Flusses immer mehr in Position für eine Umklammerung der Doppelstädte. Wie viele Zivilpersonen dabei sterben werden, ist so unklar wie in Sjewjerodonezk und Mariupol. Präsident Wolodymyr Selenskyj kann derzeit nur „sehr viele“ vermuten. Es wird auch ein tödlicher Sommer. (Peter Rutkowski)

Trotz militärischer Überlegenheit muss auch Russland schwere Verluste im Ukraine-Krieg hinnehmen. Boris Johnson ist dabei überzeugt davon, dass den Angreifern bald die Munition ausgeht.

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