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Ukrainischer Zoo geplündert – Tiere sind auf dem Weg zur Krim

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Von: Andreas Apetz

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Videoaufnahmen zeigen einen russischen Zoowärter mit gestohlen Tieren aus der Region Cherson
Videoaufnahmen zeigen einen russischen Zoowärter mit gestohlen Tieren aus der Region Cherson. (Symbolfoto) © SNA/Imago Images

Zur Beute der russischen Raubzüge während des Ukraine-Kriegs gehören auch Zootiere. Angeblich sei dies zum Wohle der Tiere.

Cherson – Im Ukraine-Krieg haben die verteidigenden Streitkräfte einen großen Sieg errungen: Das Zurückdrängen des russischen Militärs aus der Region Cherson. Bereits wenige Tage nach der Invasion galt die gleichnamige Hauptstadt als widerstandslos eingenommen. Eine Gegenoffensive der Ukraine Anfang November eroberte zunächst die Stadt zurück und veranlasste Präsident Wladimir Putin anschließend zum Rückzug seiner Truppen aus großen Teilen der Region.

Doch die russische Besatzung hinterlässt Verwüstung in Cherson. Neben der Plünderung von Wertsachen sowie Kunst- und Kulturgütern machten die Soldaten auch vor tierischer Kriegsbeute keinen Halt. Wie The Moscow Times berichtet, soll ein russischer Zoowärter mehrere Tiere aus einem Tierpark der Stadt Cherson entwendet haben. Laut eigener Aussage des Wärters habe er zum Wohle der Tiere gehandelt.

News zum Ukraine-Krieg: Russen plündern Zoo nur „vorübergehende“

Denn um die eigene Bereicherung sei es dem russischen Zoowärter Oleg Subkow nie gegangen. „Das war nicht meine Intention“, sagte Subkow im Telefoninterview mit der The Moscow Times. Vielmehr habe er die Tiere in eine „vorübergehende Unterkunft“ gebracht. Gemeint ist damit der Taigan-Park auf der von Russland annektierten Krim. Dort wolle Subkow insgesamt sieben Waschbären, zwei Wölfe, mehrere Pfaue, ein Lama und einen Esel vor den Zuständen des Kriegsgebiets bewahren. „Die Bedingungen dort sind schrecklich. Wenn sie den Zoo wieder aufbauen, werde ich ihnen sogar weitere Tiere aus meinem Zoo geben“, versprach Subkow gegenüber den ukrainischen Behörden.

Ob es den Tieren auf der Krim nun besser geht als in Cherson, ist ungewiss. Ein im Internet kursierendes Video dokumentierte Subkow im Umgang mit seinen geplünderten Tieren. Die Aufnahme zeigt den russischen Zoowärter, wie er unter großem Widerstand des Tieres, einen Waschbären am Schwanz packt und in die Luft hebt. Die Bilder sorgten in den sozialen Medien für große Empörung. Subkow versicherte hingegen, die Tiere würden auf der Krim unter „ausgezeichneten Bedingungen“ leben.

News zum Ukraine-Krieg: Tiere als Kriegsbeute - Zoowärter in Russland verurteilt

Die ukrainischen Behörden zeigten sich ebenfalls empört über den Vorfall. Anton Geraschtschenko, ein Berater des ukrainischen Innenministers, beschuldigte die russischen Streitkräfte, die Tiere gestohlen zu haben. Doch für den russischen Zoowärter dürfte der Medienrummel nichts Neues sein. Denn schon Anfang 2022 sorgte Subkow in seiner Heimat für Schlagzeilen.

Grund dafür war seine Verurteilung wegen fahrlässigen Handelns, nachdem 2021 einer seiner Tiger einem einjährigen Zoobesucher in den Finger gebissen hatte. Im Jahr 2019 forderte er die Adoption von 30 Bären aus seinem Park, da er sich Hege und Pflege nicht mehr leisten konnte. Subkow drohte öffentlich mit der Einschläferung der Tiere. „So etwas wie schlechte PR gibt es nicht“, sagte der Russe im Interview bei The Moscow Times. (aa)

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