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Weltweiter Anstieg an Atomwaffen: Forschungsinstitut warnt vor neuem Wettrüsten

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Von: Christoph Gschoßmann

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Russland hat im Ukraine-Krieg bereits mit seinen Atomwaffen gedroht. Laut einem Friedensforschungsinstitut ist das Szenario eines Atomkriegs so real wie seit Jahrzehnten nicht.

Frankfurt – Russland greift die Ukraine an – und rasselt dabei mit dem atomaren Säbel. Dass Wladimir Putin seine Atomstreitkräfte zu Beginn des eskalierten Ukraine-Konflikts in Bereitschaft setzen ließ, war der bisherige Höhepunkt der nuklearen Drohgebärden des Kremls. Wie groß die reale Gefahr eines Atomkriegs ist, lässt sich schwer abschätzen.

Klar scheint nach Auffassung von Friedensforschern jedoch eines: Die schiere Anzahl von Atomwaffen wird erstmals seit dem Kalten Krieg wieder steigen. Was nicht nur an den russischen Raketen liegt.

Atomwaffen: Friedensforschungsinstitut warnt vor Wettrüsten

Das Friedensforschungsinstitut Sipri aus Stockholm geht davon aus, dass die aktuell geschätzte Zahl weltweiter Atomwaffen von 12.705 im Laufe des kommenden Jahrzehnts ansteigt. Jahrzehntelang war diese Zahl gefallen – auf ein Fünftel des Stands der 1980er Jahre. Nun kehrt sich der Trend um. „Es gibt eindeutige Anzeichen dafür, dass die Verringerungen, die die globalen Atomwaffenarsenale seit dem Ende des Kalten Krieges charakterisiert haben, beendet sind“, erklärte Sipri-Experte Hans M. Kristensen. Sein Kollege Matt Kora forderte sofortige und konkrete Abrüstungsschritte der neun Atomwaffenstaaten.

Atomwaffen
Ein Atompilz steigt nach der Explosion einer Atombombe über dem Testgelände in der Wüste von Nevada auf. Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1999. (Symbolfoto) © picture alliance / dpa

Laut Sipris Jahresbericht verfügen Russland (5977) und die USA (5428) aktuell über mehr als 90 Prozent aller Atomsprengköpfe. Weniger als zuletzt zwar – vor allem, weil alte Waffen ausrangiert wurden. Die beiden Atom-Großmächte würden aber kostspielige Programme unterhalten, um die Atomsprengköpfe, Trägersysteme und Produktionsstätten auszutauschen und zu modernisieren. Das trifft auch auf die anderen Atomwaffen-Staaten zu: China, Frankreich, Indien, Pakistan, Israel und Nordkorea. Keines dieser Länder habe vor, seine Nuklearwaffenprogramme abzuschaffen. So baut beispielsweise China sein Arsenal umfassend aus.

Sarmat-Interkontinentalrakete
Russland besitzt die meisten Atomwaffen auf der Erde. © RU-RTR Russian Television / AP / dpa

Atomwaffen: UN-Vetomächte mit großen Worten – doch sie bauen weiter Sprengköpfe

Die Rhetorik einiger Atomstaaten war zu Jahresbeginn eine ganz andere. In einer gemeinsamen Erklärung der fünf UN-Vetomächte USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und China hieß es: „Wir betonen, dass ein Atomkrieg nicht gewonnen werden kann und niemals geführt werden darf.“ Laut Sipri bauen alle fünf ihre Arsenale aber weiter aus oder modernisieren sie.

„Obwohl es im vergangenen Jahr einige bedeutende Fortschritte sowohl bei der nuklearen Rüstungskontrolle als auch bei der atomaren Abrüstung gegeben hat, scheint das Risiko des Einsatzes von Atomwaffen jetzt höher als zu jedem Zeitpunkt seit dem Höhepunkt des Kalten Krieges“, sagte Sipri-Direktor Dan Smith. Kristensen sprach von einer „prekären Situation“ – wegen des Konflikts zwischen Indien und Pakistan, Indien und China, der Bedrohung durch Nordkorea – und eben Russlands möglicher Konfrontation mit der Nato wegen des Ukraine-Kriegs. Staaten ohne Atomwaffen müssten laut Kristensen auf diejenigen mit Atomwaffen mehr Druck ausüben – damit die Welt auch künftig von einem Atomkrieg verschont bleibt. (cg)

Die Ukraine wurde aus dem Stadtzentrum von Sjewjerodonezk zurückgedrängt. Amnesty International macht beiden Kriegsparteien schwere Vorwürfe. Der News-Ticker zur militärischen Lage.

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