1. Startseite
  2. Politik

Ukraine-Krieg: Nach Notabschaltung – Angst vor Atom-Katastrophe im AKW Saporischschja wächst

Erstellt:

Von: Constantin Hoppe

Kommentare

Am 184. Tag des Ukraine-Krieges ist die Lage im Atomkraftwerk Saporischschja weiterhin undurchsichtig. So ist die Lage am Freitagmorgen.

Kiew – Nach der Notabschaltung zweier Reaktoren am Donnerstagnachmittag (26. August) im von russischen Truppen besetzten, Atomkraftwerk in Saporischschja, wächst die Furcht vor einer Atom-Katastrophe. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte in seiner abendlichen Fernsehansprache, das Eingreifen internationaler Behörden wie der Internationale Atomenergiebehörde IAEA.

„Jede Minute, die das russische Militär im Kernkraftwerk bleibt, bedeutet das Risiko einer globalen Strahlenkatastrophe“, sagte Selenskyj. Die Lage am Kernkraftwerk Saporischschja, das nur wenige Tage nach Beginn des Ukraine-Konflikts von russischen Truppen besetzt wurde, bereitet immer wieder Sorgen.

AKW Saporischschja
Eine Aufnahme vom Gelände des Atomkraftwerks Saporischschja. Die Lage in dem Kraftwerk bleibt undurchsichtig. © Konstantin Mihalchevskiy / Imago Images

Ukraine-Krieg: Reaktoren im AKW Saporischschja stehen still

Am Donnerstagnachmittag wurden zwei Reaktoren in dem AKW zur Not abgeschaltet, nachdem er zu mehreren Stromausfällen gekommen war. Derzeit stünden nach ukrainischen Angaben alle sechs Reaktoren still, teilte die IAEA unter Berufung auf Informationen aus Kiew mit. Das AKW würde über ein nahes Wärmekraftwerk weiter versorgt. Die russische Besatzungsverwaltung hatte mitgeteilt, ein Reaktorblock sei wieder angefahren worden.

Zu einem möglichen Besuch von IAEA-Inspekteur:innen nannte ein russischer Diplomat im russischen Fernsehen Ende August oder Anfang September als Zeitpunkt für eine Reise. Über den Reiseweg der Delegation und die notwendigen Sicherheitsgarantien beider Seiten wird allerdings seit Wochen gestritten.

Ukraine-Krieg: USA warnen Russland – „Strom aus Saporischschja gehört der Ukraine.“

IAEA-Direktor Rafael Grossi bekräftigte am Donnerstag seine Bereitschaft, binnen Tagen mit Experten nach Saporischschja zu fahren.

Mit dem Hintergrund der unklaren Lage am AKW Saporischschja warnte die Regierung der USA Russland: „Um es ganz klar zu sagen: Das Atomkraftwerk und der Strom, den es produziert, gehören der Ukraine“, sagte ein Vertreter des US-Außenministeriums. Seit Wochen gibt es Bedenken, dass Russland die Stromproduktion des AKW in sein Netz einspeisen könnte.

Ukraine-Krieg: Deutschland wegen zögerlicher Waffenlieferungen in der Kritik

Währenddessen steht Deutschland in der Kritik: Die Ukraine, aber auch von den osteuropäischen Nato-Staaten sagen, dass Deutschland gemessen an seinen Möglichkeiten nur zögerlich helfe. Berlin hatte zuletzt ein Paket mit hochmodernen Waffen für eine halbe Milliarde Euro zugesagt; die Ukraine hatte dagegen um Panzer gebeten.

Deutschland unterstütze die Ukraine, wolle aber zugleich eine Eskalation des Kriegs verhindern, sodass dieser sich nicht ausweite, sagte Bundeskanzler Scholz am Donnerstag im Gespräch mit Bürgerinnen und Bürgern in Magdeburg: „Und da können Sie sich darauf verlassen, dass wir immer die Besonnenheit, die Klarheit und die Festigkeit besitzen werden, entlang dieses Prinzips zu entscheiden.“

Man helfe dem kriegsgeplagten Land, sagt Kanzler Scholz. Aber es gebe auch Gründe zur Zurückhaltung. Er fügte hinzu, man werde deshalb keine Waffen an die Ukraine liefern, mit denen russisches Staatsgebiet beschossen werden könnte.

Ukraine-Krieg: Kiew benennt Straßen und Plätze um – russischer Kriegskritiker in Hausarrest

Als kulturelle Abkehr von der früheren Vormacht Russland benennt die ukrainische Hauptstadt Kiew 95 Straßen und Plätze um. Das teilte Bürgermeister Vitali Klitschko mit. Verschwinden werden Namen wie die der deutschen kommunistischen Vordenker Karl Marx und Friedrich Engels. Aber auch die Namen russischen Schriftsteller wie Alexander Puschkin, Lew Tolstoi oder Anton Tschechow und russischer Marschälle des Zweiten Weltkriegs werden aus dem Straßenbild verschwinden. Ebenso Straßennamen, die an russische Städte wie Moskau erinnern.

Jewgeni Roisman, russische Oppositionspolitiker, wurde einen Tag nach seiner Festnahme wieder aus der Haft entlassen. Ein Gericht in der Millionenstadt Jekaterinburg am Ural entschied, der 59-Jährige dürfe bis Ende September weder öffentlichen Orte und Veranstaltungen besuchen, noch Post empfangen, telefonieren oder das Internet nutzen. Der Kriegsgegner wird beschuldigt, Falschnachrichten über die russische Armee verbreitet zu haben. Dafür drohen in Russland viele Jahre Haft. (con mit dpa)

Auch interessant

Kommentare