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„Man lädt und drückt die Daumen“: Russische Soldaten feuern kaputte Uralt-Munition ab

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Von: Jens Kiffmeier

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Aus dem letzten Rohr: Im Ukraine-Krieg schießen Putins Soldaten mit 40 Jahre alter Munition. Organisiert der Kreml Nachschub aus Nordkorea und dem Iran?

Moskau – Im Ukraine-Krieg kämpft Russland zunehmend mit Nachschubproblemen. Nach Erkenntnissen der US-Geheimdienste geht der Armee von Wladimir Putin die Munition aus. Aktuell sollen die Soldaten auf minderwertige, 40 Jahre alte Projektile zurückgreifen müssen – mit hoher Versagerquote.

„Mit anderen Worten, man lädt die Munition, drückt die Daumen und hofft, dass sie abgefeuert werden kann oder dass sie beim Aufschlag explodiert“, berichtete ein hochrangiger Militär beim Briefing des Nationalen Sicherheitsrates. Die Tatsache befeuert nun Spekulationen, ob Russland schnell aus Nordkorea oder dem Iran Nachschub organisieren kann oder weitere Rückschläge bei dem Feldzug erleiden wird, berichtet kreiszeitung.de.

News zum Ukraine-Krieg: Wegen der Gegenoffensive geht Russlands Soldaten die Munition aus

In den vergangenen Wochen war die Armee von Russlands Präsidenten Wladimir Putin im Ukraine-Krieg arg ins Hintertreffen geraten. Zwar halten die russischen Truppen noch rund 18 Prozent des Landes besetzt. Doch mit einer großangelegten Gegenoffensive gelang es den ukrainischen Soldaten zuletzt, die Angreifer zurückzuwerfen und Russland herbe Verluste beizufügen. Täglich ändert sich der Frontverlauf.

Zum Teil 40 Jahre alt: Russland geht laut US-Geheimdiensten im Ukraine-Krieg die Munition aus.
Zum Teil 40 Jahre alt: Russland geht laut US-Geheimdiensten im Ukraine-Krieg die Munition aus. © Daniel Carde/dpa

Ukraine-Krieg: Russlands Armee konzentriert die Kämpfe derzeit auf die Region um Bakhmut

Russland konzentriert seine Kräfte derzeit eher auf die Kämpfe in der Region um Bakhmut. Nach Erkenntnissen der Denkfabrik Institute for the Study of War (ISW) setzen die russischen Soldaten dabei erhebliche Ressourcen ihrer noch vorhandenen Feuerkraft ein, um das bisherige Tempo beizubehalten.

Den US-Geheimdiensten liegen dabei nach eigener Aussage Hinweise vor, wonach bei diesen Kämpfen vor allem die Uralt-Munition zum Einsatz kommt. Wie die US-Nachrichtenseite taskandpurpose.com berichtete, stellte das Pentagon in einem Hintergrundgespräch dem Nationalen Sicherheitsrat eine entsprechende Analyse zur Verfügung. Demnach sollen Russlands Vorräte an voll funktionsfähiger Raketenmunition „rasch schwinden“. Putins Truppen seien in der Lage, die derzeitige Feuerrate bis „Anfang 2023“ aufrechtzuerhalten, sagte der namentlich nicht genannte Militärbeamte.

Militärische Lage im Ukraine-Krieg: Kreml bemüht sich offenbar um Munition aus Nordkorea und Iran

Das US-Verteidigungsministerium bekräftigte mit der Einschätzung zur militärischen Lage zugleich die Ansicht der Direktorin des Nationalen Geheimdienstes, Avril Haines. Diese hatte bereits Anfang Dezember in einer Rede angedeutet, dass Russland die Munitionsvorräte „schnell abbaue“ und selber kaum ersetzen könne. Sie warnte zugleich davor, dass der Kreml den Nachschub von Artilleriegranaten und Raketen in Nordkorea oder dem Iran organisieren könnte. Die Regierung in Pjöngjang wies den Vorwurf aber umgehend zurück. Man habe niemals „Waffengeschäfte“ mit Russland getätigt und habe „auch nicht die Absicht, dies in Zukunft zu tun“, zitierte die Newsweek einen Vertreter des nordkoreanischen Verteidigungsministeriums.

Unabhängig überprüfen lassen sich die Informationen über die kaputte Munition und den Nachschub nicht. Dennoch deutet einiges darauf hin, dass Russland im Ukraine-Krieg in einer Sackgasse steckt. Immer wieder machen Berichte die Runde, wonach die russischen Soldaten unmenschlich behandelt werden und ihnen nur schlechte Ausrüstung zur Verfügung stellt. Auch der hohe Verschleiß beim veralteten Material spielt in Erzählungen von russischen Deserteuren immer wieder eine Rolle, weswegen die Spekulationen um ein rasches Ende im Ukraine-Krieg täglich zunehmen.

Ukraine-Krieg: Putins Soldaten leiden unter schlechter Ausrüstung

Aus eigener Kraft scheint Putin jedenfalls seine Armee kaum noch nachrüsten zu können. Darauf zielten von Anfang an auch die Sanktionen, die die westliche Politik gegen den Kremlherrscher verhängen ließ. Denn der Importstopp von wirtschaftlichen Gütern sollte vor allem auch eines unmöglich machen: die Reparatur und Produktion von Waffen. Denn die gesamte russische Rüstungsindustrie hängt zu einem wesentlichen Teil von der Einfuhr technischer Chips und Halbleitersystemen ab. Über eine Zeit konnte Russland die Sanktionen insofern umgehen, als für die Reparatur kaputter Panzer alte Elektrogeräte ausgeschlachtet wurden. Doch nun bleibt nur der Umweg über befreundete Staaten wie Nordkorea oder dem Iran.

Russland selber hält sich zu den Vorgängen bedeckt. Eine Anfrage der Newsweek ließ das russische Verteidigungsministerium unbeantwortet. Dennoch verweisen einige Experten auch auf die Tatsache, dass es auch schon Spekulationen um ein Ende der Luftwaffe gegeben habe. Doch in den vergangenen Wochen ließ Moskau hunderte Drohnen-Angriffe auf ukrainische Städte und deren Energieversorgung fliegen. Ein Teil der eingesetzten Drohnen stammten dabei aus dem Iran.

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