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„Kampfgeist einer Armee“: Ukraine wappnet die Bevölkerung für Angriff aus Belarus

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Von: Bona Hyun

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Militärübung in der Ukraine in Riwne
Die Oblast Riwne bereitet sich auf einen belarusssichen Angriff vor. © dpa/ Archivbild

Im Nordwesten der Ukraine laufen militärische Defensivarbeiten auf Hochtouren. Die Oblast Riwne bereitet sich auf einen belarussischen Angriff vor.

Belarus – Eine mögliche russische Offensive aus Belarus beunruhigt die Ukraine weiterhin. Dem belarussischen Verteidigungsministerium zufolge haben Belarus und Russland eine gemeinsame Übung der Luftwaffe am heutigen Montag (16. Januar 2022) begonnen, berichtet merkur.de.

Indes rüsten die ukrainischen Truppen in der nördlichen Verwaltungseinheit Riwne auf, um sich auf einen russisch-belarussischen Angriff vorzubereiten. Das gab das Oberhaupt der Militärverwaltung in Riwne, Vitaliy Koval, laut der Euromaiden Press auf Telegram bekannt. „Die Menschen vor Ort haben einen Kampfgeist – vergleichbar mit dem einer weiteren Armee“, so Koval.

Panzergräben und Militärtraining: Oblast Riwne in der Ukraine macht sich stark für Angriff aus Belarus

Die Bewohner in Riwne würden alles dafür tun, um zu verhindern, dass russische Truppen im Falle eines Angriffs weit in das nordukrainische Verwaltungsgebiet eindringen können. Dafür soll die Region in Richtung der belarussischen Grenze defensiv aufgerüstet werden, so Koval. Die Arbeiten würden laut Koval auf Hochtouren laufen. Täglich melden sich Freiwillige, um Panzergräben zu errichten sowie Zäune und Bauwerke zwecks Verteidigung anzubringen. Im Norden von Riwne gäbe es zudem viele Wälder und Sumpfgebiete. „Nur Verrückte würden sich in die Gebiete trauen“, so Koval.

Nicht nur militärische Einsatzkräfte würden sich für eine Verteidigung des Grenzgebietes vorbereiten. Auch freiwillige Einheiten aus örtlichen Gemeinschaften würden sich beteiligen. Sie nehmen täglich an Kampftrainings teil, üben ihre Schießfähigkeiten und erlernen militärische Strategien und Taktiken, so Koval.

Ukrainer in Sorge: Ist mit einem russischen Einmarsch über Belarus im Ukraine-Krieg zu rechnen?

Schon seit geraumer Zeit haben sich die Ukrainer Sorgen vor einem russischen Angriff aus Belarus gemacht. Dafür gab es viele Gründe. Zum einen wächst die militärische Präsenz Russlands in Belarus – eine gemeinsame Einsatztruppe hatten Belarus und Russland schon im Herbst gebildet.

Zum anderen hatte der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko erst letzte Woche laut der belarussischen Nachrichtenagentur Belta bei einem Treffen in Minsk über Vertiefungen der Zusammenarbeit Belarus und Russland gesprochen. Auch der angekündigte Besuch des russischen Außenministers Sergei Lawrow am 19. Januar in Minsk, bei dem es laut seiner Sprecherin um die gemeinsamen „außenpolitischen Strategien“ gehen soll, gab den Ukrainern Anlass zur Sorge.

Nato gab zuletzt Entwarnung vor belarussisch-russischen Angriff auf die Ukraine

Doch in Nato-Geheimdienstkreisen geht man nicht von einem russischen Einmarsch über Belarus aus. Der Einmarsch sei „weiterhin nicht wahrscheinlich“, heißt es angeblich in einem vertraulichen Briefing des Nato-Militärausschusses von Montag. Das berichtete Business Insider. Der britische Geheimdienst gibt ebenfalls Entwarnung und geht davon aus, dass die Truppenverlegung nach Belarus Training sei und keine Vorbereitung einer Offensive auf die Ukraine.

Auch der ukrainische Generalleutnant Serhij Najew, Kommandeur der ukrainischen Armee, sieht laut der ukrainischen staatlichen Agentur Ukrinform keine Gefahr für Kiew. „Aktuell stellt die Situation an der belarussischen Grenze keine direkte Bedrohung für uns dar“, zitierte die Agentur den Generalleutnant. Ukrainische Geheimdienste behielten die Situation aber im Blick. Lukaschenko selbst hatte eine direkte Beteiligung belarusssicher Soldaten im Ukraine-Krieg bisher immer vermieden. (bohy)

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