1. Startseite
  2. Politik

Ukraine-Konflikt: Wie die US-Regierung eine russische Invasion abwenden wollte

Erstellt:

Von: Karolin Schäfer

Kommentare

Der Ukraine-Konflikt verschärft sich weiter. Dabei haben US-amerikanische Geheimdienste bereits vor einer russischen Invasion gewarnt – und das seit Wochen.

Washington, D.C – Russische Truppen haben am Donnerstagmorgen (24.02.2022) einen Angriffskrieg auf die Ukraine gestartet. Vor der Invasion hatten US-amerikanische Geheimdienste offenbar Wochen im Voraus gewarnt.

Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtete, habe das Weiße Haus in Washington über Monate immer wieder neue Erkenntnisse zu möglichen Angriffsplänen des russischen Präsidenten Wladimir Putin* auf die Ukraine bekannt gegeben. Damit wollte die US-amerikanische Regierung Russland* einen Schritt voraus sein und eine Invasion russischer Streitkräfte abwenden.

Dass das nicht funktioniert hat, zeigen die jüngsten Ereignisse. Mittlerweile gibt es schwere Gefechte auch in der ukrainischen Hauptstadt Kiew. Nach Angaben ukrainischer Behörden sollen zahlreiche Menschen getötet worden sein, darunter auch Zivilisten und Zivilistinnen.

Ukrainische Soldaten heben die Leiche eines Mannes auf, der erschossen wurde, als ein russischer Panzerwagen an ihm vorbeifuhr.
Ukrainische Soldaten heben die Leiche eines Mannes auf, der erschossen wurde, als ein russischer Panzerwagen an ihm vorbeifuhr. © DANIEL LEAL/afp

Krieg in der Ukraine: US-Regierung warnte vor russischer Invasion

Hätte man sich besser auf den Einmarsch Russlands vorbereiten können? Das kritisieren laut RND zumindest Beobachterinnen und Beobachter. So soll die Regierung um US-Präsident Joe Biden* immer wieder vor einem möglichen Großangriff des Kremls gewarnt haben. Auch Details über russische Truppenaufstellungen seien bekannt gewesen. Die Hinweise der US-Geheimdienste seien allerdings nicht ernst genommen geworden. Stets wurde auf Fehler in der Vergangenheit hingewiesen, die die Glaubwürdigkeit untergruben.

Russlands Angriffskrieg soll laut RND dann aber ungefähr abgelaufen sein, wie ihn das Weiße Haus bereits im Dezember 2021 angekündigt hatte. Mit tausenden Soldaten griff Russland die Ukraine* von mehreren Seiten an.

Invasion in die Ukraine: Russischer Zeitplan durch Geheimdienstinformationen verzögert

„Die Geheimdienste geben normalerweise nicht gerne Informationen weiter; sie wollen sie für sich behalten“, wird der demokratische Senator Mark Warner vom RND zitiert. Die Veröffentlichung der Informationen hätten aber auch Erfolge erzielt. So konnte der russische Zeitplan verzögert werden. Auch der Versuch Russlands, den Krieg mit dem Argument eines angeblichen Angriffs der Ukraine in Separatistengebieten zu rechtfertigen, sei dem Demokraten zufolge aufgehalten worden.

„Dies hat sowohl die Sicht der internationalen Gemeinschaft auf Putin beeinflusst als auch seine Aktionen verlangsamt“, erklärte Mike Turner, Republikaner im Geheimdienstausschuss, mit Blick auf die Freigabe der Informationen laut RND. Zugleich kritisierte Tuner, dass die US-Regierung mehr Waffen und Luftunterstützung hätte bereitstellen können. Großbritannien hatte der Ukraine im Januar Waffen zur Bekämpfung von Panzern zugesichert.

Krieg in der Ukraine: Washington und Kiew uneinig

Washington und Kiew waren über den Ukraine-Konflikt* lange Zeit nicht einer Meinung. So soll der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nach RND-Informationen die Warnungen der US-amerikanischen Geheimdienste herunterspielt haben. „Ich hätte mir gewünscht, dass wir effektiver darin gewesen wären, die Ukrainer davon zu überzeugen, ihre Truppen und Reserven weiter zu mobilisieren“, wird Warner vom RND zitiert. Trotz Russlands Stärke hätte das „vielleicht einen etwas besseren Kampf ermöglicht.“

Was allerdings jetzt ans Licht kommt: Offenbar sei die ukrainische Regierung schon seit zwei Wochen überzeugt gewesen, dass Russland eine Invasion in die Ukraine plane. Das berichtete ein Regierungsbeamter dem RND, der anonym bleiben möchte. Um keine Panik in der Bevölkerung auszulösen und die wirtschaftlichen Schäden gering zu halten, sei der bevorstehende, russische Angriff in der Öffentlichkeit kaum thematisiert worden. Währenddessen verzerren Russlands Staatsmedien die Realität um den Ukraine-Konflikt. In der Ukraine sei es „ein ganz gewöhnlicher Tag“, „alles still und ruhig“.

Joe Biden steht zunehmend unter Druck. Für die Republikaner trägt der Präsident der USA eine Mitschuld am Ukraine-Konflikt. Sie warfen dem Staatschef unter anderem vor, nicht hart genug gegen Putin vorzugehen. (kas) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Auch interessant

Kommentare