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Kreml-Verbündeter taucht wieder auf: Welche Rolle spielt Medwedtschuk in Putins Geheimplan?

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Von: Nadja Austel

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Von „Putins Mann in der Ukraine“ zum Kriegsgefangenen und nun zurück? Die Pläne Russlands mit dem Separatistenführer Medwedtschuk.

Moskau – Das Konzept für sein Comeback sei klar: Der Kreml sehe Wiktor Medwedtschuk offenbar immer noch als Führer des prorussischen politischen Blocks in der Ukraine und ist nur über ihn bereit, mit ihm über Friedensbedingungen zu sprechen, so berichtet die Carnegie-Stiftung für internationalen Frieden aus den USA. Mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj werde Russland hingegen nicht bereit zu verhandeln.

Medwedtschuk, der bereits seit langer Zeit als „Separatistenführer“ in der ukrainischen Politik galt, hatte sich in den letzten Monaten bedeckt gehalten. Der persönliche Freund des russischen Präsidenten Wladimir Putin wurde im vergangenen Jahr bei dem Versuch, aus der Ukraine zu fliehen, festgenommen und anschließend im Rahmen eines Gefangenenaustauschs nach Russland gebracht.

Putins Mann in der Ukraine: Friedenspartei für Russland

Nun scheint die Veröffentlichung eines Artikels von Medwedtschuk in der russischen Zeitung Iswestija seine Rückkehr in die Öffentlichkeit einzuläuten. Die Veröffentlichung ist laut Carnegie-Stiftung ein Echo auf Putins Artikel aus dem Jahr 2021 über die ukrainisch-russischen Beziehungen. Er wiederhole darin die russischen Vorwürfe gegen den Westen und werfe der Ukraine vor, ihre slawische Bruderschaft zu verraten.

Vladimir Putin und Viktor Medwedtschuk
Wiktor Medwedtschuk galt schon lange als „Putins Mann in der Ukraine“. (Archivbild) © IMAGO / ZUMA Wire / Mikhail Klimentyev

Auf praktischer Ebene fordert der Artikel die Einrichtung einer Art Emigrationszentrum, oder eine „Exilregierung“, die im Namen der ukrainischen „Friedenspartei“ sprechen würde, die angeblich von Präsident Selenskyj aus dem Land vertrieben wurde.

Russland: Putin will mit sich selbst verhandeln – statt mit der Ukraine

„Eine politische Bewegung derjenigen, die nicht nachgegeben haben, die ihre Überzeugungen nicht aufgegeben haben, selbst wenn sie den Tod oder das Gefängnis fürchteten, die nicht wollen, dass ihr Land zum Schauplatz einer geopolitischen Schießerei wird“, wie Medwedtschuk schreibt. All dies deutet darauf hin, dass der Kreml verzweifelt nach einem Ausweg aus der Sackgasse sucht, in die Russland sich mit dem Ukraine-Krieg manövriert hat, so die Carnegie-Einschätzung.

Wenn in der Ukraine keine „Friedenspartei“ entsteht, so scheine Moskau bereit zu sein, eine solche eben künstlich zu erschaffen. Auf diese Weise könne Russland Friedensgespräche mit sich selbst führen – statt mit Selenskyj. Der russische Oligarch habe dabei allerdings nur ein Ziel und das sei die Schwächung oder der Sturz der ukrainischen Regierung.

Putins Mann für Russland: Ukraine ist auf Kreml-Pläne vorbereitet

Kiew war auf diese Rückkehr Medwedtschuks vorbereitet. Die Regierung entzog ihm vorausschauend die ukrainische Staatsbürgerschaft und das Mandat als Parlamentsabgeordneter, damit er nicht behaupten könne, die Ukraine zu vertreten. Bis zu seinem überraschenden Wiederauftauchen wirkte es fast, als wäre Medwedtschuk endgültig aus dem Licht der Öffentlichkeit geflohen. Sein Vermögen, das er in Russland angehäuft hat, hätte ihm laut Carnegie-Informationen ein bequemes Leben ermöglicht.

Doch nun scheint es, dass der ehemalige Vorsitzende der prorussischen Oppositionspartei in Putins Augen eine Schlüsselfigur der ukrainischen Politik bleibt. Die Entschlossenheit, mit der der Kreml weiterhin alles auf ihn setze, sei jedoch einigermaßen erstaunlich: Selbst auf dem Höhepunkt seines Erfolgs sei Medwedtschuk in keiner einzigen Region der Ukraine auch nur annähernd populär gewesen, so die Carnegie-Stiftung. Im Gegenteil: Er stand demnach in Umfragen stets an der Spitze der unbeliebtesten Politiker. (na/AFP)

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