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Horror-Szenario im Ukraine-Konflikt: Geheimdienst erwartet 50.000 Tote und fünf Millionen Flüchtende

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Von: Lukas Zigo

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Russische Truppenbewegungen und Übungen vermehren den Anteil an westlichen Militärs und Geheimdiensten, die an einen Einmarsch glauben. Hat der Frieden noch eine Chance?

Update von Montag, 07.02.2022, 14.30 Uhr: Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wird am Montag (14.00 Uhr/MEZ) in Moskau zu Gesprächen mit Staatschef Wladimir Putin erwartet. Mit Putin werde er über „die Bedingungen einer Deeskalation“ sprechen, sagte er dem Journal de Dimanche. Mit dem russischen Staatsoberhaupt wolle er „historische Lösungen“ erörtern, so Macron weiter. Russlands Ziel sei „eindeutig nicht die Ukraine“, vielmehr strebe Moskau neue Sicherheitsabkommen mit dem Westen an. Bei der „Sicherheit und Souveränität“ der Ukraine und Europas dürfe es keine Kompromisse geben, betonte Macron. Er bezeichnete es zugleich als „legitim, dass Russland die Frage nach seiner eigenen Sicherheit stellt und räumte ein, von Putin seien „keine einseitigen Gesten“ zu erwarten.

Das Treffen nannte Kreml-Sprecher Dimitri Peskow „sehr wichtig“, aber dämpfte sogleich die Erwartungen an das Gespräch: „Die Situation ist zu komplex, als dass man von einem einzelnen Treffen einen entscheidenden Durchbruch erwarten könnte.“ Macron reist am Dienstag nach Kiew weiter, um sich dort mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu beraten.

Westliche Geheimdienste erwarten viel Blutvergießen bei russischem Einmarsch in die Ukraine

Erstmeldung von Montag, 07.02.2022, 10.40 Uhr: Kiew – Die Spannungen an den Grenzen der Ukraine* führen zu Überlegungen und Analysen der Situation durch westliche Geheimdienste. Ein solcher Geheimdienstbericht der Nato-Staaten, welcher das Szenario eines russischen Einmarsches analysiert, kursiert nun in den Medien. Er zeichnet ein düsteres Bild dessen, was kommen könnte, sollte die Diplomatie scheitern.

Das Szenario kam bei einer vertraulichen Anhörung im US-Kongress zur Sprache und zeigt auf, dass im Fall einer russischen Invasion der Ukraine mit erheblichem Blutvergießen zu rechnen wäre. Das Szenario rechnet mit 50.000 Toten und fünf Millionen Flüchtlingen.

Ukraine-Konflikt: Brüssel bestätigte informell die Existenz diverser Szenarien

Die Existenz diverser Szenarien wurde von der Nato in Brüssel bereits informell bestätigt. Die Zahlen des in Washington bekannt gewordenen Szenarios beziehen sich auf einen maximalen militärischen Eingriff Russlands, die sogenannte „large-scale Invasion“. Hierbei wird auch von Vorstößen russischer Panzerverbände vom Norden her, aus Belarus, in Richtung Kiew ausgegangen.

Ukraine-Konflikt
Das ukrainische Militär bei einer Übung. © Sergei Supinsky/AFP

Offenbar glauben immer weniger westliche Militärs und Geheimdienste, dass Russlands Staatschef Wladimir Putin am Ende keinen Gebrauch von den Truppen machen wird. Zwar gebe es noch immer ein Fenster für Diplomatie, doch das vermehrte Eintreffen von immer mehr Logistik, Sanitäts- und Brückenbaueinheiten sprechen aber für ein bis ins letzte Detail geplantes Eingreifen.

Ukraine: Nato mit Sorge um eine „Large-Scale Invasion“

Es ist die Variante einer „large-scale invasion“, die der Nato große Sorgen bereitet. Sie hätte die größte militärische Landoffensive in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg zur Folge. Die Nato befürchtet, dies könne auf russischer Seite eine Stimmung erzeugen, in der auch die Grenzen der baltischen Staaten und Polen nicht berücksichtigt werden.

Ukraine-Konflikt - Ukrainische Militärübung
Die 59 Jahre alte Rumia, Mitglied der ukrainischen territorialen Verteidigungskräfte, einer freiwilligen Militäreinheit der ukrainischen Streitkräfte, trainiert in der Nähe von Kiew. © Efrem Lukatsky/dpa

Diverse Indikatoren zeigen, wie ernst die Lage nicht nur an der östlichen Grenze der Ukraine ist. Russland verlegt fortlaufen Truppen, Material und Kampfflugzeuge nach Belarus. 30.000 russische Soldaten, Kampfjets, S-400-Luftabwehrsysteme sowie Iskander Kurzstreckenraketen, welche auch nukleare Gefechtsköpfe tragen können, wurden nach Belarus verlegt. Eine Ausrichtung dieser nach Nordwesten könnte Russland die absolute Lufthoheit über den baltischen Staaten geben.

Russland vollzieht Militärübungen an Polens Grenze

Unterdessen führt Russland immer mehr militärische Übungen nahe der Grenze zu Nato-Staat Polen durch. Dazu nutzt es den belarussischen Militärflughafen der Grenzstadt Brest. Anwohner werden Zeugen vermehrter Starts und Landungen russischer Mehrzweckkampfflugzeuge des Typs SU-35 S. Es sei der Auftakt einer noch größeren Übung, die laut der russischen staatlichen Nachrichtenagentur Tass vom 10. bis zum 20. Februar laufen soll. Die „Abwehr externer Aggressionen“ sei ihr Ziel.

Große russische Armeeverbände teilen sich in kleinere Einheiten, welche der Grenze dann noch näher rücken. Zudem wurden weitere Lufteinheiten nach Westen verlegt und die ohnehin starke russische Schwarzmeerflotte weiter verstärkt. Inzwischen muss eine zunehmende Zahl russischer Soldaten in Mannschaftszelten übernachten. Im Westen heiße es: In Zelten sinke schnell die Moral der Truppe, gerade im Winter. Das jetzt erreichte Level der Gefechtsbereitschaft könne nicht lange aufrechterhalten werden.

Ukraine-Krise: Russischer Botschafter spricht von „Wahnsinn und Panikmache“

Stets bekräftigen Vertreter der russischen Regierung, es sei ihr gutes Recht, militärische Manöver nach eigenem Gusto abzuhalten, sei es auf dem eigenen Gebiet oder mit Einverständnis eines Verbündeten wie Belarus. Der stellvertretende Botschafter Russlands bei den Vereinten Nationen, Dmitry Polyanskiy, wies die Darstellung, eine russische Invasion der Ukraine könne 50.000 Todesopfer fordern, auf Twitter als „Wahnsinn und Panikmache“ zurück.

„Was wäre, wenn wir sagen würden, dass die USA London in einer Woche erobern und 300.000 zivile Todesopfer fordern könnten“, fragte Polyankiy. (lz) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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