1. Startseite
  2. Politik

Wladimir Putins Freunde: Welche Rolle spielen Serbien und Ungarn im Ukraine-Konflikt?

Erstellt:

Von: Thomas Roser

Kommentare

Putin konnte sich bislang der Unterstützung Ungarns und Serbiens sicher sein - auch im Ukraine-Konflikt?
Putin konnte sich bislang der Unterstützung Ungarns und Serbiens sicher sein - auch im Ukraine-Konflikt? © Alexander Zemlianichenko/dpa

Sie pflegen gute Beziehungen. Doch mit Russlands Aggression gegen die Ukraine geraten besonders die Regierungen Serbiens und Ungarns immer mehr in Erklärungsnot.

Statt mit diplomatischen Höflichkeitsfloskeln wurde Serbiens Präsident Aleksandar Vucic bei seiner Stippvisite im Pariser Élysée-Palast mit klaren Worten empfangen. „Unsere Position ist nicht leicht“, bekannte Vucic nach dem Treffen mit seinem französischen Amtskollegen Emanuel Macron zu Wochenbeginn: „Ich bin besorgt. Der Druck auf Serbien wegen der Entscheidungen von Wladimir Putin wird immer größer.“

Einerseits drängt Serbien in die Europäische Union. Andererseits pflegt der EU-Anwärter mit Russland und China sehr enge Bande. Serbien liebe seine „militärische Neutralität“, hatte Vucic am Wochenende in der Funktion als Chef der nationalpopulistischen Partei SNS bei einem Wahlkampfauftritt in der südserbischen Provinz noch selbstbewusst getönt: „Nur weil das jemand von uns fordert, werden wir unsere guten Beziehungen zu Russland und China nicht gefährden.“

Gute Beziehung zu Russland: Ukraine-Konflikt bringt serbischen Präsident in Erklärungsnot

Doch die Eskalierung des militärischen Konflikts in der Ukraine bringt den Liebhaber des Drahtseilakts zwischen Ost und West zunehmend in Erklärungsnot. Heimische Kritiker:innen weisen darauf hin, dass das Agieren Moskaus im Donbass kaum mit der serbischen Argumentation im Kosovo-Konflikt in Übereinstimmung zu bringen sei: Genauso wie Russland sei auch die Ukraine ein slawischer Bruderstaat, der Kosovo nicht anerkannt habe.

Doch noch mehr macht Belgrad der zunehmende Druck Brüssels zur Angleichung an die EU-Außenpolitik zu schaffen. Der Übernahme der Russlandsanktionen der EU hatte sich Belgrad bisher stets verweigert, doch das Verständnis im Westen für Serbiens Sonderweg schwindet. „Serbien könnte gezwungen sein, sich zu einer Seite zu bekennen“, meint die Zeitung „Blic“. Die Ukraine-Krise sei für Serbien das „Ende des Sitzens auf den Stühlen Brüssel und Moskau“, orakelt der Politologe Boris Varga.

Ukraine-Krise: Orban kritisiert EU-Sanktionen gegen Russland - doch verhindert sie nicht

Auffällig enge Bande zu Moskau pflegt auch das benachbarte Ungarn. Seine Dauerkritik an den Sanktionen gegen Russland hat Premier Viktor Orban den Ruf als Putins Anwalt in der EU beschert. Die EU-Sanktionen hat Budapest allerdings nie per Veto verhindert – und stets mitgetragen.

Im Gegensatz zu den harmonischen Beziehungen zu Moskau ist Ungarns Nachbarschaftsehe mit der Ukraine wegen des Dauerstreits um die ungarische Minderheit eher labil. Dass Orban zu Monatsbeginn nach Moskau reiste, um mit Putin über Gaslieferungen zu plaudern, stieß nicht nur in Kiew auf Argwohn: Sein Schweigen zu Putins Forderung, dass sich die Nato aus den früheren Warschauer-Pakt-Staaten zurückziehen solle, stieß selbst bei den Partnerregierungen der sogenannten Visegrad-Gruppe auf Befremden.

Russland oder Nato? Auf welcher Seite steht Ungarn im Ukraine-Konflikt?

In einem Euronews-Interview musste sich Außenminister Peter Szijjarto vergangene Woche selbst die Frage gefallen lassen, ob Ungarn der Nato oder Russland näher stehe. Hatte er damals die Stationierung zusätzlicher Nato-Truppen im Gegensatz zu Rumänien und Slowakei noch kategorisch ausgeschlossen, sollen nun doch 200 US-Soldat:innen für gemeinsame Manöver nach Ungarn kommen.

Die erschöpfte Geduld der EU- und Visegrad-Partner angesichts von Ungarns Kuschelkurs mit Moskau scheint Budapest vorläufig nicht weiter strapazieren zu wollen. Ungarn habe den Ukrainern „immer geholfen, wenn sie in Schwierigkeiten waren“, beteuerte Peter Szijjarto anlässlich der Lieferung von 120 Beatmungsgeräten zu Wochenbeginn.

An einer Isolierung im Ukraine-Konflikt ist im Wahlkampf selbst dem notorischen EU-Störenfried Orban nicht gelegen: Ungarn sei „Teil des Standpunkts der EU“, ließ er in der Nacht zum Dienstag nach Putins Rede per Facebook wissen. (Thomas Roser)

Auch interessant

Kommentare