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Rassismus-Vorwürfe von Geflüchteten: Grenzübertritt wegen Hautfarbe verweigert? 

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Von: Lukas Zigo, Marvin Ziegele

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Ukraine-Konflikt - Grenze Ukraine - Polen
Menschen steigen am Grenzübergang in einen Bus, um das Grenzgebiet zu verlassen. © Alejandro Martínez Vélez/dpa

Der Ukraine-Konflikt führt zu einer Massenflucht. Doch viele Menschen berichten von erschwerten Grenzübertritten – wegen ihrer Hautfarbe. 

Update vom Dienstag, 01.03.2022, 08.00 Uhr: Nach sich mehrenden Berichten über rassistischen und unfairen Umgang mit ihren Bürgerinnen und Bürgern bemühen sich mehrere afrikanische Regierungen, ihnen bei der Flucht aus dem Krisenland zu helfen. Am Montag (28.02.2022) erklärten der derzeitige Vorsitzende der Afrikanischen Union, der senegalesische Präsident Macky Sall, und der Leiter der Kommission der Afrikanischen Union, Moussa Faki Mahmat, sie seien „besonders beunruhigt über Berichte, wonach afrikanischen Bürgern auf der ukrainischen Seite der Grenze das Recht verweigert wird, die Grenze zu überqueren und sich in Sicherheit zu bringen.“

Weiter erklärten sie: „Berichte, wonach Afrikaner in inakzeptabler Weise unterschiedlich behandelt werden, sind schockierend rassistisch und verstoßen gegen das Völkerrecht“. Alle Länder sollten „das Völkerrecht respektieren und allen Menschen, die vor einem Krieg fliehen, ungeachtet ihrer Identität das gleiche Mitgefühl und die gleiche Unterstützung entgegenbringen“, hieß es weiter.

Ukraine-Konflikt - Grenze Ukraine - Polen
Menschen steigen am Grenzübergang in einen Bus, um das Grenzgebiet zu verlassen. © Alejandro Martínez Vélez/dpa

Am Montag sagte der nigerianische Außenminister Godfrey Onyeama, dass die Evakuierung der nigerianischen Staatsangehörigen am Mittwoch beginnen werde. Der Präsidentenberater Garba Shehu hatte zuvor die ukrainischen Grenzbeamten aufgefordert, nigerianische Staatsangehörige fair zu behandeln, nachdem berichtet worden war, dass sie am Einsteigen in Busse und Züge an der Grenze gehindert worden waren.

Erstmeldung vom Montag, 28.02.2022, 17.00 Uhr: Kiew – Der Krieg treibt immer mehr Menschen aus der Ukraine. Seit Donnerstag (24.02.2022) sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) 422.000 Menschen aus der Ukraine in benachbarte Länder geflohen. Außerdem sei im Zuge der russischen Invasion eine sechsstellige Zahl an Menschen innerhalb der Ukraine vertrieben worden, sagte UNHCR-Sprecher Chris Melzer am Montag (28.02.2022). Eine genaue Schätzung der Binnenflüchtlinge sei derzeit nicht möglich. Die Angaben beziehen sich auf den Stand von Sonntagabend (27.02.2022).

Die meisten Geflüchteten haben sich bislang nach Polen aufgemacht. Nach Angaben des polnischen Grenzschutzes waren es mehr als 281.000 seit Kriegsbeginn. Allein am Sonntag (27.02.2022) hätten fast 100.000 Geflüchtete die Grenze passiert, sagte eine Sprecherin am Montag (28.02.2022). Die anderen wichtigen Zielländer sind laut UNHCR Rumänien, Moldau, Ungarn und die Slowakei.

Ukraine-Konflikt: Rassismus am Grenzübertritt nach Polen?

Während viele Geflüchtete die Grenzen zu den Nachbarländern scheinbar problemlos passieren können, entwickelt sich an anderer Stelle offenbar ein gefährlicher Trend. Laut eines Berichts des Nachrichtenportals TMZ berichten Menschen mit dunkler Hautfarbe von Rassismus bei der Einreise. In mehreren Videos behaupten Menschen mit dunkler Hautfarbe, dass sie bestimmte Züge und andere Transportmittel nicht besteigen dürfen, um vor dem Ukraine-Konflikt zu fliehen.

Die beschriebenen Vorfälle sollen sich insbesondere an der ukrainisch-polnischen Grenze abspielen. Grenzbeamte sollen dort hellhäutige Ukrainer in die Züge steigen lassen, während Geflüchtete mit dunkler Hautfarbe der Zutritt verwehrt werde. In einem Clip ist eine Gruppe dunkelhäutiger Menschen zu sehen, die offenbar mit Waffen von Grenzschützern bedroht wird.

Flucht aus der Ukraine: Polnischer Grenzschutz weist Vorwürfe zurück

Weiter berichtete die BBC am Montagmittag von einem Sudanesen, der seine Tortur in der Ukraine seit Tagen in Sozialen Medien festhalte. Dieser habe sich von der Ostukraine bis an die Grenze zu Polen durchgeschlagen, wo Beamte ihm ebenfalls den Grenzübertritt untersagt hätten.

Der polnische Grenzschutz wies die Vorwürfe zurück. Die Berichte in den Sozialen Medien seien „Unfug“, heißt es nach Informationen der Deutschen Presseagentur. „Die Beamten des polnischen Grenzschutzes helfen allen Menschen, die aus dem Kriegsgebiet der Ukraine fliehen. Die Staatsangehörigkeit oder Nationalität spielen keine Rolle.“

Wie viele Menschen aus Afrika auf eine Ausreise wegen des Krieges zwischen Russland und der Ukraine warten, ist unklar. Die Ukraine hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend zu einem interessanten Studienort entwickelt. Der Zugang zu Hochschulen ist einfacher und günstiger als in anderen Ländern. Auch werben Agenturen massiv dafür. (marv/lz) *fr.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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