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Cyber-Angriffe als Folge des Kriegs: Russische Videoplattform lahmgelegt

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Von: Sandra Kathe

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Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine waren viele Kreml-treuen Kanäle auf die russische Plattform Rutube umgezogen. Seit Montag ist die Seite offline.

Moskau – Parallel zu den Feiern am „Tag des Sieges“, an dem in Russland vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs dem Sieg über Nazi-Deutschland gedacht wurde, haben unbekannte Hacker der russischen Videoplattform Rutube den Kampf angesagt. Auf die größte russische Alternative zum US-Riesen Youtube waren gerade in den Tagen nach Beginn des brutalen Angriffs auf die Ukraine viele Kreml-nahen Kanäle gewechselt.

Auch auf die russischen Staatsmedien, die in Folge aktueller politischer Entwicklung strenger Zensur unterliegen, soll es nach Angaben ukrainischer Medien in den vergangenen Tagen Angriffe gegeben haben. Dabei sei die Nachricht verbreitet worden: „Das Blut tausender Ukrainer und hunderter ihrer getöteten Kinder klebt an euren Händen. Das Fernsehen und die Behörden lügen. Nein zum Krieg.“

Seit Montag ist Russlands größte Videoplattform Rutube nicht mehr online abrufbar. Grund dafür ist ein Hackerangriff.
Seit Montag ist Russlands größte Videoplattform Rutube nicht mehr online abrufbar. Grund dafür ist ein Hackerangriff. (Symbolfoto) © Nicolas Armer/dpa

Ukraine-Krieg: Russlands größte Videoplattform Rutube meldet größten Hackerangriff aller Zeiten

Nach einer Meldung des Unternehmens Rutube im Messengerdienst Telegram sei die Seite bereits seit Montag nicht erreichbar, bei Aufrufen der Plattform erscheint seit Dienstagmorgen ein schwarzer Bildschirm, darauf in weißer Schrift ein Hinweis auf die laufenden Wartungsarbeiten. „Die Website wurde gehackt. Aktuell ist die Lage unter Kontrolle. Die Nutzerdaten sind geschützt.“

Das Unternehmen bezeichnet den Hackerangriff, der wohl hinter der Sache steckt, als „größte Cyberattacke in der Geschichte von Rutube konfrontiert“. Die Wiederherstellung des Zugangs werde „mehr Zeit in Anspruch nehmen als die Techniker zunächst dachten“, erklärte Rutube weiter. Hinter dem Cyberangriff stünden dieselben Hacker, die „in den vergangenen zwei Monaten immer wieder die Websiten öffentlicher Einrichtungen attackiert“ haben, teilte das Unternehmen mit.

Videoplattform Rutube ist offline: Nexta berichtet von großen beschädigten Datenmengen

Dagegen berichtete die in Polen ansässige Kreml-kritische Medienplattform Nexta am Dienstag, die Hacker hätten die Plattform womöglich „für alle Zeiten“ lahmgelegt. Mit Verweis auf eine Aufstellung von Rutube berichtete Nexta auf dem Kurznachrichtendienst Twitter, dass über 75 Prozent der Datenbanken und Infrastrukturdaten von Rutube beschädigt worden seien, dazu kämen 90 Prozent der Backup-Daten.

Neben den Angriffen auf die Infrastruktur der russischen Propaganda-Plattformen regt sich jedoch auch im Bereich etablierter und bislang Kreml-treuer Medienunternehmen in Russland erster Widerstand gegen den Krieg. So berichtet die Nachrichtenagentur AFP von einem langen Text zweier Beschäftigter der Nachrichtenwebsite Lenta.ru, in dem die „russische Militärintervention“ in der Ukraine als „blutig und absurd“ kritisiert wird. Der Text wurde schnell von der Seite entfernt. „Wir suchen jetzt Arbeit, Anwälte und vielleicht politisches Asyl“, erklärten Egor Poliakow und Alexandra Mirotschnikowa, die den Text verfasst hatten. (ska mit AFP)

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