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Ukraine: Eskalation ohne Ende

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Von: Peter Rutkowski

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Eine Friedenstaube im zerstörten Charkiw? Wohl eher nicht - leider.
Eine Friedenstaube im zerstörten Charkiw? Wohl eher nicht - leider. © dpa

Die russische Führung intensiviert den Krieg in der Ukraine und treibt ihre internationale Isolation voran.

Würde die im Kreml herrschende Clique sich im Rahmen der internationalen Gemeinschaft bewegen, es müssten immer mehr Stimmen laut werden, die nach mehr als zwei Monaten Krieg mit wenigen vorzeigbaren Ergebnissen zur Umkehr mahnen. Oder wenigstens zum Einlenken. Das eine wie das andere kommt nicht im Instrumentarium des Wladimir Putin vor. Schon während des Kalten Krieges galt auch für den Staat die sowjetische Militärdoktrin: „Eskalieren, um zu deeskalieren.“

Also suchen Putin und die Seinen nach immer neuen Schlachtfeldern, auf denen sie Russland „verteidigen“, dem angeblich Unrecht angetan wurde. Nach dem von Außenminister Sergej Lawrow mittels antisemitischer Hetze („Hitler hatte jüdisches Blut“) verursachten Eklats in Jerusalem und der empörten Reaktion dort ist nun offenbar Israel selbst schuld daran: Am Dienstag verlautbarte Lawrows Ministerium, die „anti-historischen“ Reaktionen auf den Minister zeigten, warum die israelische Regierung „das Neonazi-Regime in Kiew“ unterstütze.

Um das zu präzisieren: Israel ist eines der wenigen Länder, das bislang sehr betont auf Sanktionen gegen Russland verzichtete. Und auf Hilfe für die Ukraine. Würden die Israelis ihre Arsenale – in denen die weltbeste Militärtechnik lagert – der Ukraine zur Verfügung stellen, der Krieg in der Ukraine nähme wohl eine radikale Wendung.

Aber auch ohne das sieht es für die russischen Invasoren nicht sonderlich gut aus: Nach jüngsten Beobachtungen des britischen Verteidigungsministeriums und des US-Pentagons stocken die – ohnehin lokal begrenzten – Offensiven im Donbass und entlang der Schwarzmeerküste. Ein US-Offizieller sagte dem Sender CNN am Montag (Ortszeit), die russischen Streitkräfte hätten die strukturellen Probleme mit ihrer Logistik wie mit ihrer Befehlshierarchie weiterhin nicht gelöst: „Sie werden irgendwo einrücken, ihren Sieg verkünden und dann die Ukrainer es wieder zurückerobern lassen.“ Die russischen Kriegsanstrengungen seien „ohne jede Kraft“.

Deshalb fürchten nun westliche Fachleute den 9. Mai. Der Tag wird in Russland gefeiert als der Tag des Sieges über den Hitlerfaschismus (die bedingungslose Kapitulation am 8. Mai 1945 wird per Zeitverschiebung als eigenes Moskauer Datum geführt). Putin könnte am kommenden Montag also die militärhistorische Gelegenheit nutzen, um die „Spezialmilitäroperation“ in der Ukraine durch eine formelle Kriegserklärung zu ersetzen. Das könnte, so die westliche Expertise, einen nationalistischen Schub im russischen Volk bedeuten, vor allem aber würde es dem Kreml den Zugriff auf die im Kriegsfall abrufbaren Reservisten ermöglichen. Der dann erklärte Krieg würde nochmal heftiger und blutiger werden.

Und wenn das noch nicht Isolation und Eskalation genug ist, dann verweist der Westen auf die wahrscheinlich anstehende formelle Annexion der „Volksrepubliken“ Donezk und Luhansk durch fingierte Referenden. Hinnehmen könnte man das von Berlin bis Washington nicht.

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