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Melnyk muss gehen – will aber auch als Ex-Botschafter nicht „die Klappe halten“

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Von: Johanna Soll

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Der viel kritisierte ukrainische Botschafter Andrij Melnyk verlässt Deutschland. Auch zurück in Kiew will er sich weiter in die deutsche Politik einmischen.

Berlin – Der ukrainische Botschafter Andrij Melnyk hat sich via Twitter von Deutschland verabschiedet. „Ich kehre nach Hause zurück erhobenen Hauptes mit reinem Gewissen und dem Gefühl, meine Pflicht gegenüber der Ukraine erfüllt zu haben“, schrieb er am frühen Freitagmorgen (14. Oktober). „Danke, liebe deutsche Freunde, für Ihre Geduld.“ Melnyk will Deutschland am Samstag verlassen. Er soll in Kiew einen neuen Posten im Außenministerium übernehmen. Sein Nachfolger Olexij Makejew wird bereits Anfang kommender Woche in Berlin erwartet.

Auch nach seiner Rückkehr nach Kiew will Melnyk sich mit Kommentaren in die deutsche Politik einmischen. Zwar wolle er seinem Nachfolger nicht in die Quere kommen und auch kein Ersatzbotschafter sein, sagte Melnyk vor seiner Abreise der Deutschen Presse-Agentur. „Aber ich kann nicht versprechen, dass ich die Klappe halten werde.“ Es könne schon sein, dass er „den einen oder anderen – auch scharfen – Kommentar abgebe, wenn ich sehe, dass etwas schiefläuft in Deutschland, wenn es um die Unterstützung meiner Heimat geht“.

Melnyk: Neuer Posten nicht entscheidend

Melnyk verlässt Deutschland nach fast acht Jahren als Botschafter. Er ist als Vizeaußenminister im Gespräch, die ukrainische Regierung habe aber noch nicht abschließend darüber entschieden. „Deswegen bin ich selbst gespannt, was auf mich zukommt. Ich werde wahrscheinlich am Dienstag Präsident Selenskyj sehen. Und er würde mir dann hoffentlich persönlich sagen, wo er mich in seinem großen Team sieht.“ Für ihn sei nicht der Posten entscheidend, sondern was er wirklich erreichen könne.

Andrij Melnyk, scheidender Botschafter der Ukraine in Deutschland
Andrij Melnyk, scheidender Botschafter der Ukraine in Deutschland © Michael Kappeler/dpa

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte den amtierenden Botschafter Melnyk Mitte Juli von seinem Posten abberufen. Melnyk hatte sich nicht erst seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine mit oft harter Kritik an der Bundesregierung einen Namen gemacht. (jso/dpa)

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