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Donald Trump steht unter Druck - doch seine Freunde de halten zu ihm.

Amtsenthebung

Der Ukraine-Affäre zum Trotz: Trumps Freunde halten zum Präsidenten

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Das Verfahren zur Amtsenthebung Donald Trumps nimmt Fahrt auf. Doch seine Fans bei Fox News und darüber hinaus lassen sich davon nicht abschrecken.

Zwei Jahre hat es gedauert, bis die Demokraten sich zu einem Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump durchgerungen haben. Was weder Robert Muellers Untersuchungen noch die Debatten um Trumps Steuererklärung möglich machten, schaffte letztlich ein Telefonat zwischen Donald Trump und Wolodymyr Selenskyi, dem Präsidenten der Ukraine. Trump soll in diesem Gespräch die Fortsetzung der Hilfszahlungen der USA an die Ukraine an eine Bedingung geknüpft haben: dass Selenskyi und sein Generalstaatsanwalt sich darum kümmern, Schmutz über Joe Biden und seinen Sohn herauszufinden.

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Und was das politische Washington in Aufruhr setzt, das macht vor den rechtskonservativen Meinungsmachern der USA nicht halt. Ganz im Gegenteil: Trumps Verbündete in den Medien schalten auf Attacke um.

Für Fox News spielt die Ukraine-Affäre Donald Trumps keine Rolle

Allen voran Fox News. Die Unterstützung des rechtskonservativen Senders ist für Trump essenziell. Es sind Leute wie Jeanine Pirro, Sean Hannity, Tucker Carlson und Laura Ingraham, die für Trumps Basis die Nachrichtenlage darstellen und – viel wichtiger – einschätzen. Letztlich sind sie es, die entscheiden, was als „Fake News“ verdammt wird und was nicht. Spätestens seit der Ukraine-Affäre gibt es viel zu tun für die rechte Meinungsmaschine namens Fox.

Nach einer klassischen Vorgehensweise reaktionärer Kräfte wird sich zunächst gar nicht mit dem Inhalt der Vorwürfe gegen Trump beschäftigt, sondern der politische Gegner diskreditiert – um dadurch, in einem zweiten Schritt, die von diesem Lager vorgebrachte Kritik zu entkräften.

Amtsenthebung: Nicht Trump ist das Problem, sondern die CIA

Bei dieser Strategie läuft Tucker Carlson zur persönlichen Bestform auf. Der Fox-Moderator ist gerade zurück aus einem Urlaub, den er nur halb freiwillig antrat, nachdem er die Gefahr von Rechtsradikalen und Neonazis in den USA heruntergespielt und zu einer Verschwörung der Liberalen erklärt hatte. 

Kaum zurück, kritisiert Carlson gleich einmal den Geheimdienst CIA als eine politische Organisation aufseiten der Demokraten. Und warum? Weil aus deren Reihen der Whistleblower stamme. Auch Adam Schiff, Vorsitzender des Geheimdienstausschusses und damit zuständig für die Überwachung der CIA, bekommt sein Fett weg. Seine Kritik sei pure Fantasie, erbärmlich gar, und sein Wunsch, ins Fernsehen zu kommen, der eigentliche Antrieb. Überhaupt sei die demokratische Partei, angeführt von Alexandria Ocasio-Cortez und Ilhan Omar*, zu „Fantasy Island“ geworden. Carlson schafft es, fast die komplette Sendezeit seiner Show von immerhin 36 Minuten nicht über Trump oder die Ukraine zu reden.

Sean Hannity ist der Überzeugung, dass die Demokraten Trump selbst dann hassen würden, „wenn er Krebs heilen“ würde. Auch Hannity hält sich nicht mit der Ukraine auf, sondern redet lieber über die vielen Erfolge, die Trump in seiner Amtszeit erzielt habe, untermalt von einer Grafik, auf der „Trump Economy“ steht, verbunden mit einem grünen Pfeil nach oben. Doch all das interessiere weder die Demokraten noch „ihre Mafia-Freunde in den Medien“.

Laura Ingraham spricht von der „Impeachment-Mania“ bei den Demokraten

Und während Carlson dann Jeanine Pirro interviewt, tritt Hannity nebenbei noch bei Laura Ingrahams Show „The Angle“ (Der Blickwinkel) auf. Die summiert das ganze Gerede über die Amtsenthebung Trumps in einem Begriff: „Impeachment-Mania“. Leute würden sie im Flughafen ansprechen, was all das soll, erzählt Ingraham. Das nimmt sie zum Anlass, um die nächste Taktik anzuwenden: all das Gerede um Amtsenthebung, all die Affären um Trump und die Ukraine, all das würde letztlich nur der Wirtschaft schaden und den Aktienkurs abstürzen lassen. Das habe ihr ein befreundeter Investment-Banker erzählt, der „noch nicht mal ein glühender Trump-Anhänger“ sei, aber befürchte, dass eine Amtsenthebung des Präsidenten sein „Geschäft killen“ würde.

Zwei, die Trump ganz toll finden: Sean Hannity (links) und Rudy Giuliani.

Auch bei Ingraham geht es eigentlich nur um die Demokraten, die „Bestrafungspartei“, wie Ingraham sie bezeichnet. Erst als dann Rudy Giuliani, Ex-Bürgermeister von New York und Rechtsanwalt Donald Trumps, in Ingrahams Show auftritt, geht es um die Vorwürfe des Whistleblowers. Und Giuliani darf dann in die Vollen gehen. Hinter all dem stecke George Soros. Der ungarisch-stämmige, jüdische Milliardär ist so etwas wie die personifizierte Blaupause für rechte Verschwörungstheorien. Ingraham widerspricht, fragt nicht nach. Das Argument ist gemacht, die Sache erledigt. Ein weiterer Tag bei der Meinungsmaschine Fox.

Trump-Fans setzen 50.000 Dollar Prämie auf Whistleblower aus

Zwei andere Trump-Fans wollen den Whistleblower direkt enttarnen: Jack Burkman und Jacob Wohl. Burkman machte einst Schlagzeilen, als er einen Protest gegen das American-Football-Team Dallas Cowboys organisierte, weil die einen offen schwulen Football-Spieler verpflichteten. Und Wohl wurde berühmt, als er eine Frau gefunden haben wollte, die von FBI-Sonderermittler Robert Mueller vergewaltigt worden sei. Die ganze Geschichte entpuppte sich innerhalb kürzester Zeit als Betrug und Wohl sah sich einer Anklage wegen Verleumdung ausgesetzt.

Nun bieten beide laut „New York Times“ 50.000 US-Dollar als Prämie für die Person, die den Whistleblower enttarnt - und sind der Meinung, dass sie damit helfen, die aufgeheizte Stimmung in und um Washington abzukühlen.

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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