Hamid Madschid Mussa ist Generalsekretär der IKP.
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Hamid Madschid Mussa ist Generalsekretär der IKP.

PORTRÄT

Überzeugt

Die Hemdsärmel hat er hochgekrempelt, jedes Wort unterlegt er mit ausdrucksstarker Gestik. Hamid Madschid Mussa ist Generalsekretär der Irakischen

Von PHILIPP SCHLÄGER (BAGDAD)

Die Hemdsärmel hat er hochgekrempelt, jedes Wort unterlegt er mit ausdrucksstarker Gestik. Hamid Madschid Mussa ist Generalsekretär der Irakischen Kommunistischen Partei (IKP). Und seit seine Partei in dem von den Amerikanern installierten provisorischen Regierungsrat mitarbeitet, hat er alle Hände voll zu tun. "Wir waren vor dem Krieg gegen eine Invasion Amerikas", sagt Mussa, dem die Müdigkeit anzusehen ist. "Aber die Besatzung ist eine Realität, der wir uns stellen müssen", sagt der 61-Jährige. Ganz pragmatisch.

Zeit zum Ausruhen gibt es für ihn kaum. Denn die Liste der Probleme ist lang. "Die Menschen leiden unter der schlechten Sicherheitslage", sagt er, "viele sind arbeitslos." Darüber hinaus mangele es an medizinischer Versorgung ebenso wie an sauberem Wasser und an Elektrizität. "Die Infrastruktur und die Wirtschaft des Landes liegen am Boden", fasst er die schwierige Lage zusammen. Die Entscheidung, mit den Amerikanern zu kooperieren, sei nicht leicht gefallen. "Der Regierungsrat ist nicht die legale Regierung Iraks", stellt Mussa klar, "aber wir versuchen, unseren Einfluss darin zu nutzen und auszubauen." Dass die USA die IKP mit eingebunden haben, überrascht ihn nicht: "Wir sind eine der größten und ältesten säkularen Parteien in Irak", sagt Mussa selbstbewusst, "und die Amerikaner wollen Probleme in Irak lösen, nicht in Vietnam."

Das Büro Mussas, der seit 1993 dem Zentralkomitee der IKP vorsitzt, ist gemütlich eingerichtet. Große Sessel und Sofas stehen an jeder Wand, Gardinen verhängen die Sicht nach draußen. Scheppernd dreht sich der Ventilator der Klimaanlage im Hintergrund. "Vor dem Krieg war es einfach, gegen alles zu sein", setzt der Mann an, der in den sechziger Jahren am Karl-Marx-Institut in Sofia Wirtschaftswissenschaften studiert hat. Zwar fordere auch er, die Kontrolle über Irak so bald wie möglich den Irakern zu übertragen, "jetzt ist aber zunächst Amerika verpflichtet, Sicherheit zu schaffen", argumentiert er. Einen Abzug der Besatzungstruppen zu dieser Zeit lehnt Mussa ab. "Wir haben weder eine Regierung noch eine Armee oder ausreichend Polizisten, was also würde der sofortige Abzug der Amerikaner bedeuten? Nichts anderes als die Rückkehr des alten Regimes oder die Bildung eines islamischen Gottesstaates", stellt er resigniert fest. Aber auch die Forderung, mehr ausländische Soldaten in Irak zu stationieren, unterstützt der Generalsekretär nicht. Notwendig seien politische Schritte und vor allem mehr soziale Sicherheit: "Die Menschen brauchen Arbeit."

Die andauernden Attacken gegen die Besatzungstruppen und Nichtregierungsorganisationen lehnt er ab. "Diese Leute wollen zurück zu einem diktatorischen, fundamentalistischen Regime." Dann sagt er mit Entschiedenheit: "Die einzige Möglichkeit, die Okkupation zu beenden, ist jetzt, die Lebensbedingungen des irakischen Volkes zu verbessern."

Dossier: Irak nach dem Krieg

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