Nordmazedonien

Überschatteter Urnengang

  • vonCord Brügmann
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Am Mittwoch wählt Nordmazedonien ein neues Parlament, mitten in der Corona-Krise. Es ist eine Wahl mit einigen Unsicherheitsfaktoren - nicht nur wegen der Pandemie.

Das Coronavirus gibt in Nordmazedonien den Wahltakt vor. Um dem Andrang gewachsen zu sein, werden die Wahllokale bei der am Mittwoch anstehenden Parlamentswahl zwei Stunden länger geöffnet sein. Doch die steigenden Infektions- und Todesraten drohen die Wahlbeteiligung zu senken: In einer Umfrage bezweifelten 46 Prozent der Befragten, dass der Wahlgang sicher sei.

Nach Serbien und Kroatien ist das seit Jahresbeginn zur Vorbereitung der Wahl von einer Übergangsregierung geführte Land der dritte Balkanstaat, der während der Viruskrise Wahlen abhält. Die regierenden Sozialdemokraten (SDSM) von Ex-Premier Zoran Zaev gehen zwar als Favoriten ins Rennen. Doch eines Sieges kann sich deren „Mozeme“-Bündnis keineswegs sicher sein.

Zaev erhofft sich eine Bestätigung seiner Politik der Westintegration und der Aussöhnung mit Griechenland, in deren Zuge er sich mit dem damaligen griechischen Premier Alexis Tsipras 2018 auf die Umbenennung des Landesnamens in Nordmazedonien verständigte. Die nationalpopulistische VMRO/DMPNE von Oppositionschef Hristijan Mickoski, die in den meisten Umfragen knapp hinter der SDSM liegt, will die Änderung des Landesnamens rückgängig machen – das könnte nicht nur die Beziehungen zu Athen, sondern auch den Auftakt der EU-Beitrittsverhandlungen gefährden.

Noch offen ist auch der Kampf um die Stimmen der albanischen Minderheit – und die Partnerwahl der größten Albanerpartei DUI. In der Vergangenheit teilte die DUI als Mehrheitsbeschaffer lange mit der VMRO und zuletzt mit der SDSM die Regierungsbank. 

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