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Überblick im Siegel-Dschungel 

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Von: Sandra Kirchner

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Eines der bekanntesten Siegel tragen seit 2010 alle in der EU produzierten Bio-Lebensmittel: Diese erfüllen die Vorgaben der EU-Öko-Verordnung wie etwa den Verzicht auf chemisch-synthetische Unkraut- oder Schädlingsvernichtungsmittel und Dünger, das Verbot von Gentechnik.
Eines der bekanntesten Siegel tragen seit 2010 alle in der EU produzierten Bio-Lebensmittel: Diese erfüllen die Vorgaben der EU-Öko-Verordnung wie etwa den Verzicht auf chemisch-synthetische Unkraut- oder Schädlingsvernichtungsmittel und Dünger, das Verbot von Gentechnik. © Christoph Schmidt/dpa

Ob Lebensmittel, Holz oder Kühlschränke – es gibt eine Vielzahl von Siegeln für Umwelt- und Nachhaltigkeit. Was sie aussagen und was ihre Schwachstellen sind.

Verbraucherinnen und Verbrauchern begegnen beim Einkauf eine Vielzahl von Siegeln, die nachhaltige Herstellung oder umweltverträglichen Betrieb bescheinigen sollen. Aber halten diese Label auch immer, was sie versprechen? Und wofür stehen sie eigentlich genau? Sechs Siegel im Überblick:

Holz: FSC – anerkannt trotz Schwächen

Holz, das dieses Siegel trägt, ist zertifiziert vom Forest Stewardship Council (FSC).
Holz, das dieses Siegel trägt, ist zertifiziert vom Forest Stewardship Council (FSC). © FSC

Der Forest Stewardship Council (FSC) ist eine internationale Zertifizierungsorganisation für nachhaltige Waldwirtschaft, die 1993 von Umweltorganisationen und Vertretern der Industrie gegründet wurde. Ausgezeichnet werden damit Produkte aus Holz wie Möbel, Verpackungen oder Papier. Allerdings wurde mit dem FSC-Siegel in der Vergangenheit auch schon Holz aus Urwäldern in Russland oder aus dem Kongobecken zertifiziert, obwohl diese alten, besonders kohlenstoffreichen Wälder geschützt werden müssen. Trotz dieser Mängel gilt das FSC-Siegel auch bei Naturschutzorganisationen als bestes Siegel für nachhaltige Waldwirtschaft.

Energie: EU-Energielabel – Spar-Potenzial auf einen Blick

Bislang hatten Kühlschränke, die am wenigsten Energie verbrauchen, die Klasse A+++. Doch die Plus-Klassen werden wieder abgeschafft, stattdessen sind die energiesparensten Geräte künftig mit Klasse C gekennzeichnen. Die Effizienzklassen A und B wurden freigehalten, damit die Hersteller weitere Anstrengungen beim Energiesparen unternehmen.
Bislang hatten Kühlschränke, die am wenigsten Energie verbrauchen, die Klasse A+++. Doch die Plus-Klassen werden wieder abgeschafft, stattdessen sind die energiesparensten Geräte künftig mit Klasse C gekennzeichnen. Die Effizienzklassen A und B wurden freigehalten, damit die Hersteller weitere Anstrengungen beim Energiesparen unternehmen. © EU-Energiesparlabel

Wie viel Energie ein Haushaltsgerät verbraucht, zeigt das EU-Energielabel. Die Farbskala von Dunkelgrün bis Rot sowie die Buchstaben von A bis G signalisieren auf einen Blick, wie energieeffizient ein Produkt ist. Kühlschränke, die derzeit am wenigsten Energie verbrauchen, sind mit Klasse C gekennzeichnet statt wie bisher mit A+++. Die Plus-Klassen werden wieder abgeschafft und sind nicht mit dem neuen Label vergleichbar, da dieses höhere Anforderungen an die Energieeffizienz von Geräten stellt. Entsprechend schneiden Geräte mit der neuen Kennzeichnung schlechter ab. Die Effizienzklassen A und B wurden freigehalten, damit die Hersteller weitere Anstrengungen beim Energiesparen unternehmen und noch effizientere Geräte bauen.

Lebensmittel: Bio-Siegel – niedrige Standards

Das bekannte Bio-Siegel für Lebensmittel: Die Anforderung dafür sind insgesamt eher schwach.
Das bekannte Bio-Siegel für Lebensmittel: Die Anforderung dafür sind insgesamt eher schwach. © Bio-Siegel

Besonders viele Siegel gibt es für Lebensmittel – teils von der Lebensmittelindustrie oder von Bioverbänden. Das bekannteste kommt von der EU: das Biolabel in zartem Grün mit zwölf weißen Sternen, die an ein Blatt erinnern, und das seit 2010 alle in der EU produzierten Bio-Lebensmittel tragen müssen. Diese erfüllen die Vorgaben der EU-Öko-Verordnung wie etwa den Verzicht auf chemisch-synthetische Unkraut- oder Schädlingsvernichtungsmittel und Dünger, das Verbot von Gentechnik oder eine tiergerechte Haltung mit Auslaufmöglichkeiten. Auch wenn die Umweltorganisation BUND das Siegel als vertrauenswürdig einstuft, sind die Anforderung für das Siegel insgesamt eher schwach. Strengeren Kriterien unterliegen Produkte, die Siegel von Verbänden wie Demeter oder Bioland tragen.

Bekleidung: Textil-Label – noch Luft nach oben

Eines der strengeren Label für nachhaltig produzierte Kleidung ist die Kennzeichnung GOTS (Global Organic Textile Standard).
Eines der strengeren Label für nachhaltig produzierte Kleidung ist die Kennzeichnung GOTS (Global Organic Textile Standard). © GOTS

Für Kleidung gibt es eine Vielzahl von Siegeln. Um Klarheit zu schaffen, hat die Bundesregierung 2019 den „Grünen Knopf“ eingeführt. Er soll fair und ökologisch produzierte Kleidung ausweisen. Dafür müssen die Unternehmen 46 Umwelt- und Sozialkriterien erfüllen. Allerdings müssen Unternehmen aus der EU beispielsweise nicht nachweisen, dass sie Menschen- und Arbeitsrechte einhalten. Überprüfungen und Kontrollen seien insgesamt mangelhaft. Auch an der Berichterstattung der Unternehmen gibt es Kritik, diese sei nicht ausreichend. Strenger sind die Siegel IVN Best vom Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft oder die Kennzeichnung GOTS (Global Organic Textile Standard).

Fisch: MSC – Fang nur bedingt nachhaltig

Greenpeace schätzt die Standards für das MSC-Siegel als zu gering ein.
Greenpeace schätzt die Standards für das MSC-Siegel als zu gering ein. © MSC

Etwa 40 Prozent der weltweiten Fischbestände gelten laut Welternährungsorganisation FAO als überfischt, es werden also mehr Fische gefangen als neue geboren. Das wirkt auch aufs Klima, weil natürliche Prozesse gestört werden – weniger Biomasse in Form von Kot oder toten Tieren sinkt zum Meeresboden und bindet dort Kohlendioxid. Fischereien, die nachweisen können, dass sie nicht überfischen, können sich mit dem Label der Organisation Marine Stewardship Council, dem MSC-Siegel, zertifizieren lassen. Das Siegel wurde 1997 von der Umweltorganisation WWF und dem Lebensmittelkonzern Unilever ins Leben gerufen und ist seit 1999 unabhängig. Allerdings gibt es Kritik: Greenpeace schätzt die Standards als zu gering ein, weil etwa hohe Mengen an Beifang geduldet oder schädliche Fanggeräte und -methoden akzeptiert werden. Umweltvereine wie WWF und Nabu fordern eine Verbesserung des Labels.

Blauer Engel: Das Universalsiegel

Prangt seit 44 Jahren auf Produkten, die umweltfreundlicher als Alternativen sind: der Blaue Engel.
Prangt seit 44 Jahren auf Produkten, die umweltfreundlicher als Alternativen sind: der Blaue Engel. © Blauer Engel

Ob Papier, Farben und Lacke, Möbel oder Elektrogeräte – kein anderes Label umfasst so viele verschiedene Produktgruppen wie der Blaue Engel. Das Siegel, das vor 44 Jahren von der Bundesregierung eingeführt wurde, kennzeichnet besonders umweltfreundliche und klimaschonende Produkte oder Dienstleistungen, weil etwa auf schädliche Substanzen verzichtet wurde, die eingesetzten Ressourcen aus nachhaltigem Anbau stammen oder die Nutzung besonders wenig Energie oder Ressourcen verbraucht. Die Vergabekriterien werden je nach Produkt von unabhängigen Fachleuten entwickelt. Produkte, die den Blauen Engel tragen, sind in der Regel umweltfreundlicher als Alternativen. Eine Aussage, welches von zwei gelabelten Produkten umweltfreundlicher ist, lässt sich mit dem Siegel aber nicht treffen.

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