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Frauen sind bei der Bundeswehr in der Unterzahl: hier das Wachbataillon vor dem Schloss Bellevue.

Bundeswehr

Über Youtube in die Grundausbildung

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Erneut wirbt die Bundeswehr mit einer Onlineserie um Nachwuchs – und will gezielt junge Frauen ansprechen.

Lea verlässt heute ihr Idyll. Sie steht kurz vor Beginn ihrer Grundausbildung bei der Bundeswehr. Für die Luftwaffe zieht die 18-Jährige vom thüringischen Ziegenrück in die Otto-Lilienthal-Kaserne im bayerischen Roth. Grenzen erfahren, eine Uniform tragen und reisen, das sei ihre Motivation. Doch zuvor gibt es noch ein letztes Abendbrot mit der Familie. Immer dabei: die Kamera.

Lea ist eine der Protagonistinnen der neuen Youtube-Serie „Die Rekrutinnen“. Ab kommender Woche wirbt die Bundeswehr wieder im Netz um Nachwuchs. Dieses Mal geht es gezielt um mehr Frauen für die Grundausbildung.

Damit die Zuschauerinnen und Zuschauer sich hinreichend mit den sieben ausgewählten Akteurinnen identifizieren können, geben Homestorys zum Start einen Einblick in deren Privatleben. Freunde und Familie kommen zu Wort – so weit, so gemütlich. Doch der Umbruch kommt schnell, und der Ton wird rauer: „Finger an die Hüfte, gerade, aber nicht verspannt.“ Feldwebel Isabel diktiert im Bundeswehrjargon in Folge eins, wie man richtig steht.

Schneller Schnitt, humorvolle Animationen und Handkameraführung sollen die Zeit bei der Bundeswehr zur hippen Jugendserie machen. Zwischendurch gibt es opulente Musik zu schwachen Bildern und blechernem Ton. Authentisch und ohne jegliches Skript wolle man dem Zuschauer die Ausbildung näherbringen, wirbt die Bundeswehr für die neue Staffel der Serie. Onlinemarketing ist die Antwort der Truppe auf die Aussetzung der Wehrpflicht. Auf Youtube hat ihr Kanal mittlerweile mehr als 400 000 Abonnenten, ihre Videos mehr als 200 Millionen Aufrufe.

Vorwurf Kriegsverherrlichung

Schon die erste Staffel der Serie „Die Rekruten“, das männliche Pendant, war umstritten. Kritiker warfen der Bundeswehr vor, die Videos im Stil eines Actionfilms seien dem Ernst der Lage nicht angemessen. Auch mit ihren Werbeplakaten stößt die Bundeswehr immer wieder auf negatives Echo. Im vergangenen Jahr hatte die Truppe auf der Spielemesse Gamescom mit Sprüchen wie „Multiplayer at its best“ oder „Mehr Open World geht nicht“ geworben. Kritiker sprachen auch hier von Kriegsverherrlichung.

Zurück zu Lea. Kurz vor Abschluss ihrer Grundausbildung sieht sich die 18-Jährige zum ersten Mal vor großem Publikum selbst auf der Leinwand. Die Darstellung sei realistisch, findet sie. „Es bildet die Höhen und Tiefen der Grundausbildung gut ab.“ Vor allem aber soll Lea ein Vorbild sein – bei nur knapp einem Fünftel Frauenanteil. „Klar würde ich mir mehr Frauen in der Bundeswehr wünschen, aber so ist das halt“, sagt Lea. In der Grundausbildung würde aber kein Unterschied zwischen Frauen und Männern gemacht.

Der Generalinspekteur der Bundeswehr, Eberhard Zorn, ist jedenfalls begeistert von der Werbeaktion. „Ich gucke selber gerne Youtube“, sagt er. Und das Thema Frauen in der Bundeswehr empfinde er zunehmend als normal – sie würden genauso behandelt wie jeder andere.

Ob die Serie den Bewerberanteil der jungen Frauen tatsächlich steigert, bleibt abzuwarten. Beim militärischen Personal sind laut Angaben der Bundeswehr zwölf Prozent weiblich – das macht 22 300 Soldatinnen. Immerhin komme mittlerweile jede vierte Bewerbung für die Offizierslaufbahn von einer Frau, heißt es. Für die militärische Laufbahn können sich Frauen ohnehin erst seit der Öffnung 2001 entscheiden.

Die Verantwortlichen sind offenbar zuversichtlich, dass die Social-Media-Kampagne wirkt. Immerhin kostet allein die Serie den Steuerzahler sieben Millionen Euro, inklusive der aufwendigen Werbekosten. „Die jungen Leute sind heute im Netz unterwegs, deswegen bewegen wir uns auch da – das ist unser Auftrag“, sagte eine Sprecherin der Bundeswehr. Seit 2016 gingen durchschnittlich 120 000 Bewerbungen bei der Bundeswehr ein, aus denen rund 25 000 Stellen besetzt würden. „Onlineserien wie ‚Die Rekrutinnen‘ tragen natürlich dazu bei, junge Menschen für den Dienst bei der Bundeswehr zu begeistern“, sagte sie.

Bereits in dieser Woche hat die Bundeswehr erste Videos mit den Homestorys der Protagonistinnen veröffentlicht. Offiziell startet die Serie am 30. September. Insgesamt soll es 63 Folgen geben, die jeweils Montag bis Donnerstag um 17 Uhr bei Youtube hochgeladen werden.

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