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Russisches Staats-TV: Experte fordert Klartext über Niederlagen

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Von: Helena Gries

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Der Rückzug aus Cherson wird von Russland als Vorsichtsmaßnahme und Strategie bezeichnet. Ein Experte spricht im russischen Fernsehen jedoch Klartext.

Moskau – Die Ukraine hat Cherson zurückerobert. Nachdem zu Beginn des Ukraine-Krieges zehntausende Soldaten von Russlands Präsidenten Wladimir Putin in der Gegend stationiert worden waren, hat die russische Armee nun nach eigenen Angaben mehr als 30.000 Soldaten aus Cherson vom rechten Dnipro-Ufer abgezogen.

Diese Entscheidung stößt in Russland teilweise auf lautstarke Kritik. Der russische Analyst Igor Shishkin hat in einem Interview die Darstellung des Kreml für seinen Rückzug aus Cherson kritisiert.

Ukraine-Krieg: Darstellung des russischen Rückzugs aus Cherson sendet falsche Botschaft

Der Rückzug der russischen Truppen aus Cherson wurde von Moskau als Vorsichtsmaßnahme und als strategischer Schritt im Krieg gegen die Ukraine dargestellt. Es sei Medienberichten zufolge immer schwieriger, die russischen Soldaten westlich des Dnipro zu versorgen. Shishkin war hingegen der Meinung, dass diese Darstellung eine falsche Botschaft an das russische Volk sendete.

In einem Interview im russischen Fernsehen sagte der Analyst, dass Russland zu einer Niederlage stehen müsse, und diese nicht als einen Sieg oder „eine Art listigen Schachzug“ präsentieren dürfe. „Wir müssen die Wahrheit sagen“, so Shishkin.

Ukraine-Krieg: Russlands Rückzug aus Cherson politisch „schädlich“ für Putin

Auch weitere Fachleute haben sich über den russischen Rückzug aus Cherson geäußert. Der leitende Berater des Zentrums für strategische und internationale Studien, Mark Cancian, sagte gegenüber dem US-amerikanischen Nachrichtenmagazin Newsweek, dass der Rückzug Russlands aus Cherson zwar politisch schädlich für den russischen Präsidenten Wladimir Putin, aber „militärisch sinnvoll“ zum Schutz der russischen Truppen sei.

Ein völlig zerstörter russischer T-72-Kampfpanzer steht in der Oblast Kiew.
Der Rückzug aus Cherson wird von Russland als Vorsichtsmaßnahme und Strategie im Ukraine-Krieg bezeichnet. Ein Experte sieht das jedoch anders. (Symbolbild) © Alex Chan Tsz Yuk/dpa

Würden die russischen Stellungen auf der Westseite des Flusses Dnipro zusammenbrechen, wären Tausende Russen auf der falschen Seite des Flusses gefangen und hätten in Gefangenschaft genommen werden können. „Es erlaubt ihnen, ihre Streitkräfte neu zu verteilen“, sagte Cancian gegenüber Newsweek. (hg)

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