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Brasiliens Antarktisstation „Comandante Ferraz“.
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Brasiliens Antarktisstation „Comandante Ferraz“.

Klimawandel

„Über die richtige Balance wird heftig gestritten“

  • Johannes Dieterich
    VonJohannes Dieterich
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Der Meeresökologe Tim Packeiser zu den Folgen des Abschmelzen der Antarktis, Bergbau am Südpol und Ansprüche auf Bodenschätze.

Herr Packeiser, aus der Antarktis kommen Schreckensnachrichten. Es heißt, die Eisschmelze sei dort schon bald nicht mehr umzukehren, falls nichts Einschneidendes passiert. Darf man daraus folgern, dass es noch nicht zu spät ist?

Als Optimist hoffe ich, dass wir die Klima-Erhitzung, wenn auch nicht aufhalten, so doch mindestens verlangsamen und abschwächen können. Dann werden kritische Kipppunkte womöglich vermieden. Aber das Zeitfenster ist schmal. Es muss umgehend gehandelt werden, und es muss deutlich mehr geschehen, als bisher geplant ist.

Man könnte die Schmelze dort auch als Chance betrachten: Dort können dann blühende Landschaften entstehen.

(Lacht) Ja, wer von uns braucht schon das Eis in der Antarktis…? Wir sollten uns allerdings klarmachen, dass für die vermeintlichen blühenden Landschaften erst einmal sämtliche über Jahrmillionen entstandene Ökosysteme verschwinden würden. Möchten Sie das verantworten?

Die Zahl der Arten dort ist überschaubar: unter anderem Pinguine, Wale, Albatrosse. Haben diese Tiere für den Menschen nicht eher einen sentimentalen als einen existentiellen Wert?

Beim WWF beurteilen wir die Natur nicht nur nach dem Wert, den sie für den Menschen hat. Wir sehen den Menschen als einen Teil der Ökosysteme. Warum sollte der Mensch über das Existenzrecht anderer Arten entscheiden? Nehmen Sie den Krill: Das kleine Krustentier mag für Laien ein eher unattraktives Wesen sein, doch für das Leben in der Antarktis ist es von zentraler Bedeutung.

Würde der Krill in wärmerem Wasser nicht überleben?

Krill ist auf bestimmte Wassertemperaturen und ph-Werte angewiesen, deshalb macht ihm die Klima-Erhitzung zu schaffen. Außerdem nimmt seit einigen Jahren die Krill-Fischerei stark zu. Das ist eine weitere Belastung für das ökologische Gleichgewicht im Antarktischen Ozean.

Wird im Südpolarmeer derzeit generell mehr gefischt?

Ja, leider. Noch ist das Südpolarmeer das vom Menschen am wenigsten beeinträchtigte Meeresgebiet unseres Planeten. Mit dem 1980 getroffenen „Übereinkommen über die Erhaltung der lebenden Meeresschätze der Antarktis“ wird der Südliche Ozean zwar einerseits geschützt, gleichzeitig aber auch seine „nachhaltige Nutzung“ ermöglicht. Über die richtige Balance wird zwischen den Unterzeichnerstaaten heftig gestritten. Vor allem China und Russland wollen ihren Fischereiflotten möglichst wenig Auflagen zumuten.

Außer dem Meer zieht auch das unter dem Eis gelegene Festland Aufmerksamkeit an. Wird auch der Druck auf Freigabe der antarktischen Bodenschätze zur Ausbeutung stärker?

Der Kontinent ist über den 1961 in Kraft getretenen Antarktis-Vertrag geschützt, Bergbau ist über ein zusätzliches Umweltschutzprotokoll zumindest bis 2048 untersagt. Wir beobachten mit Sorge, dass Anrainerstaaten in der Arktis bereits Ansprüche auf Bodenschätze erheben. Wir hoffen, dass dies auf der anderen Seite der Erdkugel nicht passiert.

Mit dem Antarktis-Vertrag sollte das „ökologische Gleichgewicht“ des siebten Kontinents geschützt werden. Wenn das nun ohnehin zerstört wird, ist der Vertrag ja sinnlos.

Um genau das zu verhindern, ist ein effektiver Klimaschutz nötig. Zusätzlich müssen wir der Natur mit Hilfe von Meeresschutzgebieten die Chance geben, sich den Folgen des Klimawandels anpassen zu können.

Die Pole waren in der Geschichte unseres Planeten nicht immer vereist – die Erde wird sich auch ohne Eiskappen weiterdrehen.

Eine eisfreie Antarktis gab es vor rund 90 Millionen Jahren, also weit vor der Zeit der Menschen. Sollte tatsächlich das ganze Polar-Eis schmelzen, werden aufgrund des immensen Meeresspiegelanstiegs weite Teile der Küstenregionen versinken. Unvorstellbare Migrationsströme und extreme klimatische Bedingungen wären die Folge. Ich glaube nicht, dass irgendjemand solche Zustände in Kauf nehmen will.

Interview: Johannes Dieterich

Front des Eisbergs „Larsen C“ 2017, vier Mal so groß wie London.

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