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Elon Musk und die „Stimme Gottes“: Trump-Abstimmung auf Twitter läuft

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Von: Sandra Kathe

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Mitten im Chaos um sein neu erworbenes Unternehmen Twitter lässt Elon Musk lässt Nutzer:innen über eine Rückkehr Donald Trumps abstimmen.

San Francisco – Unter dem Motto „Vox Populi, Vox Dei“ („Die Stimme des Volkes ist die Stimme Gottes“) hat der neue Twitter-Chef Elon Musk am Freitagabend (Ortszeit) eine Umfrage auf dem Kurznachrichtendienst gestartet und die Twitter-Nutzer:innen dazu aufgerufen, darüber abzustimmen, ob der gesperrte Nutzeraccount des abgewählten US-Präsidenten Donald Trump reaktiviert werden soll. Wenige Stunden später gab Musk bekannt, dass pro Stunde rund eine Million Stimmen hinzukämen. Am frühen Freitagnachmittag liegen bei über 11 Millionen Stimmen die Befürworter:innen Trumps mit 52 Prozent leicht in Führung.

Dass er Trump, dessen Twitter-Account nach der Kapitolerstürmung seiner Anhänger:innen vom 6. Januar gesperrt worden war, wieder auf Twitter lassen wolle, hatte der US-Milliardär Musk bereits bekannt gegeben, bevor er die Plattform für 44 Milliarden US-Dollar gekauft hatte. Ein Bericht der Nachrichtenagentur AFP legt nahe, dass er dem Ergebnis der Abstimmung durchaus Taten folgen lassen könnte. Bereits 2021 hatte Musk demnach in einer Twitter-Umfrage über den Verkauf seiner Tesla-Aktien abstimmen lassen – und danach tatsächlich Anteile im Wert von mehr als einer Milliarde Dollar verkauft.

Je nachdem wie das Ergebnis einer Abstimmung auf dem Kurznachrichtendienst Twitter ausfällt, könnte Elon Musk das gesperrte Twitter-Profil von Donald Trump reaktivieren.
Je nachdem wie das Ergebnis einer Abstimmung auf dem Kurznachrichtendienst Twitter ausfällt, könnte Elon Musk das gesperrte Twitter-Profil von Donald Trump reaktivieren. (Symbolfoto) © Olivier Douliery/AFP

Mögliche Twitter-Rückkehr für Donald Trump: Keine „Reichweitenfreiheit“

Wenige Stunden vor dem Beginn seiner Umfrage setzte Musk einen Tweet ab, nach dem die „neue Politik bei Twitter auf Meinungsfreiheit („freedom of speech“), jedoch nicht auf „Reichweitenfreiheit“ („freedom of reach“) basieren werde. Musk kündigte an, dass so etwa Hass-Tweets vom System „maximal heruntergestuft“ und daraufhin nicht mehr ausgespielt würden. So sei ein Tweet zwar weiterhin online, könne aber nur noch gefunden werden, wenn man gezielt danach sucht.

Zudem kündigte Musk an, dass einige prominente Twitter-Sperren bereits aufgehoben worden seien. Als Beispiele nannte er Komikerin Kathy Griffin, die kürzlich gesperrt worden war, weil sie ihren Twitter-Namen in „Elon Musk“ geändert hatte, sowie den kanadischen Psychologen Jordan Peterson und die konservative Parodie-Seite „Babylon Bee“. Letztere waren laut Forbes-Bericht bereits vor Musks Twitter-Übernahme gesperrt worden, weil sie Hassbotschaften gegen Trans-Menschen veröffentlicht hatten.

Elon Musk und das Chaos bei Twitter: Medien berichten über Kündigungswelle

Ob Trump, der 2024 erneut als Präsidentschaftskandidat für die auch von Musk unterstützten Republikaner antreten will, im Falle eines Abstimmungsergebnisses zu seinen Gunsten überhaupt auf Twitter zurückkehrt, scheint zumindest fraglich. Der 76-Jährige hatte nach seiner Twitter-Sperre eine eigene Plattform „Truth Social“ ins Leben gerufen und auf Nachfrage bereits erklärt, dass er eine Rückkehr zu Twitter und seinen immerhin über 88 Millionen Follower:innen nicht plane.

Ebenso ungewiss wie Trumps Rückkehr zu Twitter scheint aktuell auch ein Überleben der Nachrichtenplattform selbst. Nur wenige Tage nach seiner Übernahme des US-Unternehmens hatte Musk angeordnet, knapp die Hälfte der knapp 7500 Beschäftigte zählenden Belegschaft zu entlassen. Am Donnerstag (17. November) kam es dann nach einer umstrittenen Rundmail des Unternehmers zu einer Kündigungswelle seitens der Angestellten.

Insiderberichten zufolge sollen etliche Beschäftigte in den vergangenen Tagen gekündigt haben: Die New York Times spricht von „Hunderten“ Abgängen. Dem neuen Twitter-Chef scheint dies gerade gelegen zu kommen. Zumindest gab Musk bereits bekannt „Die besten Leute bleiben, also bin ich nicht super besorgt.“ Fachleute und Medien spekulieren jedoch bereits, ob der Anfang vom Ende der 2006 gegründeten Internet-Sensation Twitter bereits begonnen hat. (ska mit AFP)

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