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Armin Laschet beim TV-Triell zur Bundestagswahl
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Die Kanzlerkandidaten der Grünen, CDU und SPD treffen in einer ersten TV Diskussion bei RTL und ntv aufeinander – darunter auch Armin Laschet.

TV-Kritik zum Triell

Laschet bei Kanzler-Triell angriffslustig – doch Zuschauer sehen ihn nicht als Sieger

  • Daland Segler
    VonDaland Segler
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Die Dreierrunde von Baerbock, Laschet und Scholz beim RTL-Triell bot wenig Überraschungen. Nach einer ersten Umfrage gibt es einen klaren Sieger.

Es war eine Premiere, aber nur, was das Format betraf: Drei Bewerber:innen um die Kanzlerschaft mussten sich noch nie dem öffentlichen Scherbengericht im TV stellen. Wie sie darauf reagierten, unterschied sich wenig von den Auftritten, die die bislang absolviert hatten. Die Inhalte waren bekannt, die Haltungen wichen nur graduell ab vom Erscheinungsbild.

Nur bei Armin Laschet (CDU) war erkennbar, dass er sich wohl auf Anraten seiner Berater eine gewisse Angriffslust draufgeschafft hatte. Seine Wortbeiträge wurden durch Handkantenschläge verstärkt, die Diktion wirkte bemüht nachdrücklich. Dagegen vertraute Olaf Scholz (SPD) sichtlich auf die mit Erfolg in den vergangenen Wochen geübte staatsmännische ruhige Pose, während Annalena Baerbock (Grüne) gewohnt lebendig wirkte. Alle waren in dunkles Blau gekleidet, passend zu Studio-Deko, und mit anderem Hintergrund hätte man, zumal wegen Scholz' unpassender Krawatte, fantasieren können, hier seien der Leichenbitter, der Pastor und die wütende Witwe versammelt.

TV-Triell mit Baerbock, Laschet und Scholz: Wer hat gewonnen? Umfrage mit klarem Ergebnis

Interessant war das Ergebnis der anschließenden Umfrage, mag man diese Art der politischen Wertung auch ablehnen. Bei der Abstimmung durch Forsa votierten die meisten RTL-Zuschauer (36 Prozent) für Scholz, 30 für Baerbock und 25 für Laschet. Bei den Sympathiewerten lag der CDU-Mann abgeschlagen (22 Prozent) hinter den beiden anderen (Scholz 38, Baerbock 37 Prozent)

KandidatenUmfragewert Gewinner TV-Triell (Forsa)
Olaf Scholz (SPD)36 Prozent
Annalena Baerbock (Grüne)30 Prozent
Armin Laschet (CDU)25 Prozent

Das Triell vor der Bundestagswahl 2021 wurde moderiert von RTL-Grandseigneur Peter Kloeppel und der von der ARD zu RTL gewechselten Pinar Atalay. Und sie starteten denkbar schlecht, nämlich mit der Frage, was die drei den jeweils anderen an Fähigkeiten absprachen. Das zu tun, lehnten alle ab, Baerbock wollte nicht „mobben“.

TV-Triell: Laschet kritisiert Regierung – „Desaster“ in Afghanistan

Es wurden die erwartbaren Themen verhandelt, und bald wurden die grundsätzlichen politischen Haltungen sichtbar. Überraschend vielleicht, dass Laschet die eigene Regierung kritisierte, indem er von einem „Desaster“ in Afghanistan sprach. Und die Grüne erinnerte immer wieder an die Versäumnisse der Großen Koalition und forderte, man dürfe sich künftig nicht mehr „wegducken“. Dass Baerbock forderte, dass die Maßnahmen gegen die drohende Klimakatastrophe rascher kommen müssten, als Laschet und Scholz das wollen, war sicherlich zu erwarten, aber die Kurzatmigkeit auch dieser TV-Debatte zeigte sich etwa an der Frage der Stromtrassen – deren Blockade durch Bayern kam nicht zur Sprache, als Laschet verlangte, Verfahren müssten beschleunigt werden.

Eng wurde es für den NRW-Ministerpräsidenten, der wieder einmal beim Thema Energie das Credo von den „marktwirtschaftlichen Anreizen“ herunterbetete, als es um die Steuern ging. Denn er konnte Baerbock nichts entgegensetzen, als die eine Grundsicherung für Kinder und die Abschaffung von Hartz IV verlangte und seine Haltung kritisierte, dass die Kinder „da selbst herauskommen“ müssten. Es wurde klar, dass die CDU per Abschaffung des restlichen Soli die Reichen bevorteilen will, während die Grünen die in Rede stehenden zehn Milliarden an einkommensschwache Familien verteilen will.

TV-Triell bei RTL: Peinlicher Moment für Laschet

Zum peinlichen Moment für den CDU-Chef wurde auch die Frage; „Wo, glauben Sie, fühlen sich Frauen am wenigsten sicher?“ Während er von Unterführungen redete, konnte ihm Baerbock entgegenhalten, dass die eigene Familie für die Frauen der gefährlichste Ort sei, wie Statistiken belegten. Doch der Christdemokrat konnte dann bei der Frage nach möglichen Koalitionen den Sozi in die Ecke treiben, weil Scholz eine Koalition mit der Linken (die gegen die Evakuierung aus Afghanistan gestimmt hatte) nicht ausschließen wollte.

Am Ende durften die drei sich eine Minute lang selbst präsentieren, und während Baerbock erneut den Willen zum „Aufbruch“ betonte und Scholz eine Gesellschaft des Respekts propagierte, sprach Laschet von Stabilität und Standhaftigkeit angesichts eines „Windes der Veränderung, der uns ins Gesicht bläst“.

So bekam die Veranstaltung ganz am Ende auch ihren komischen Moment. (Daland Segler)

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