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Triell, ARD & ZDF

TV-Triell: Laschet attackiert Scholz - bringt sich dabei aber selbst in Bedrängnis

  • Daland Segler
    VonDaland Segler
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Bei der zweiten Dreier-Debatte zwischen Armin Laschet (CDU), Annalena Baerbock (Grüne) und Olaf Scholz (SPD) ging es eher um Inhalte, auch wenn Manches wieder zu kurz kam.

Berlin – Olaf Scholz konnte vom Glück sagen. Denn die Stolpersteine für den Kanzlerkandidaten der SPD wurden ihm von der Konkurrenz gleich zu Beginn der Debatte im TV-Triell in den Weg gelegt. Damit hatte er die kritischen Momente bald hinter sich. Zunächst musste er sich von CDU-Chef Armin Laschet erneut fragen lassen, ob er eine Koalition unter Beteiligung der Linkspartei in Betracht ziehe.

Das konnte Scholz mit seiner Formel der dafür notwendigen „klaren Bekenntnisse“ zu Europa, Nato etc. leicht abwehren. Danach aber versuchte Laschet mit Verve dem Genossen Versagen vorzuhalten und zieh ihn des Mangels an Verantwortung. Hatte doch die Staatsanwaltschaft jüngst Durchsuchungen in den Ministerien für Justiz und Finanzen unternommen, wegen einer Einheit der Zollfahndung. 

Zweites Triell vor Bundestagswahl 2021: Armin Laschet zur Maaßen-Frage

Damit lockte der CDU-Mann Scholz vor der Bundestagswahl 2021 in der ARD aus dessen im ersten Triell so sorgsam gepflegten stoischen Staatsmann-Attitüde, denn es bedurfte eines kleinen erregten historischen Exkurses zur Rechtfertigung und der ausführlichen Darstellung, wie er als Minister die Einheit personell aufgestockt habe, bis Scholz beteuerte: Die Razzia habe nichts mit dem Ministerium zu tun, weshalb er Laschet „Verdrehungen“ vorwarf. 

Bei diesem zweiten Aufeinandertreffen von Scholz, Laschet und Annalena Baerbock im TV-Triell war damit gleich zu Beginn eine gewisse Betriebstemperatur erreicht, die aber im Laufe der Sendung wieder sank. Und auch Armin Laschet konnte vom Glück sagen, dass er mit seinen vollmundigen Forderungen nach „Verantwortung“ nicht beantworten musste, warum er einen rechtswidrigen Einsatz der Polizei im Hambacher Forst zugelassen hatte: Die Frage wurde ihm nämlich gar nicht gestellt. 

TV-Triell zur Bundestagswahl 2021: Laschet äußert sich über Maaßen

Stattdessen blieb dem Christdemokraten die Stellungnahme zum prominenten Rechtsextremen in seiner Partei nicht erspart: Wo Hans-Georg Maaßens Platz in der CDU sei, fragte Moderator Oliver Köhr. Er sei ein Mitglied, lautete die etwas arg lasche Antwort des Kandidaten, der hinzufügte, der ehemalige Chef des Verfassungsschutzes werde sich an seinen, Laschets Kurs halten müssen, wenn er Kanzler sei. 

Warum er sich schon jetzt nicht an den Kurs des CDU-Oberen halten muss, wäre eine angemessene Frage gewesen. Denn der irrlichternde Rechtsausleger hatte zum Beispiel jüngst auch die öffentlich-rechtlichen Medien attackiert – ohne großen Widerspruch aus der Parteispitze. Und Laschets Vize Jens Spahn bestätigte in der anschließenden Talkshow von Anne Will den Eindruck, dass es der CDU ganz recht sei, wenn einer der ihren am rechtsextremen Rand fischt.

Bundestagswahl 2021: Zweites Triell mit Fokus auf Inhalten

Der zweite Dreikampf orientierte sich mehr an Inhalten als bei der Premiere. Das lag an der klaren Strukturierung durch Fragen vor allem von der in dieser Methode geübten Maybrit Illner (während Köhr ihr mitunter ins Wort fiel), und an Annalena Baerbock, die anders als ihre Konkurrenten immer wieder darauf abhob, was in Zukunft zu tun sei. So verlangte sie, dass auch am Arbeitsplatz getestet würde – die Kinder müssten es ja in der Schule auch tun. Und bei der Digitalisierung, wo sie die Gelegenheit nutzte, auf die Versäumnisse hinzuweisen, will sie nicht wie Laschet ein neues Ministerium, sondern eine zentrale Koordinierung im Kanzleramt.

Ihre Kompetenz konnte sie erwartungsgemäß beim Thema Klimawandel ausspielen, während Laschet jetzt behauptete, man wisse seit den 90er Jahren, dass der Klimawandel komme – aber sich noch im Mai 2019 gewundert hatte: „Aus irgendeinem Grund ist das Klimathema plötzlich zu einem weltweiten Thema geworden“. Jetzt will er „mehr Tempo machen“ und schneller Stromtrassen bauen (die seine bayerischen Parteifreunde bislang verhindert haben), was aber nicht zur Sprache kam. 

Der CDU-Chef wiederholte das christdemokratische Mantra, man müsse die Industrie „machen lassen“ und entgegnete auf Illners Einwand, es werde doch teuer: nein, es werde „nicht alles teurer“, weil er davon träumt, dass „wir dann wieder Weltmarktführer sind“. Grüne und Sozialdemokraten wollen der Bevölkerung wieder etwas zurückgeben, weshalb Scholz „moderat vorgehen“ will und Baerbock wieder die Förderung von E-Autos und die 75 Euro pro Kopf ins Spiel brachte –­ „eine Tankfüllung“, wie Illner richtig anmerkte.

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Kanzler-Kandidat:innen beim Triell: Wohnungsnot, Krankenversicherung, Steuern

Baerbock sprach sich beim Thema Wohnungsnot für eine Mietpreisobergrenze und klar gegen Enteignungen aus, während Scholz von einem „Mietpreismoratorium“ sprach. Laschet will mehr und schneller bauen und dafür „Anreize“ schaffen – auch wenn das Jahre dauern dürfte.

Klar waren auch die Unterschiede bei der Krankenversicherung: Laschet lehnt die Abschaffung der Privatversicherung, mithin der Zwei-Klassen-Gesellschaft in diesem Bereich ab, Grüne und SPD wollen eine Bürgerversicherung. Und während Olaf Scholz die Rente in ihrer jetzigen Bedingungen erhalten will, möchte Laschet ein neues Rentensystem. Baerbock will die gesetzliche Rentenversicherung stärken und setzt dabei auf Zuwanderung von Fachkräften, den Mindestlohn von zwölf Euro (den auch Scholz propagiert) und mehr Vollzeit-Möglichkeiten für Frauen.

Bundestagswahl 2021: Scholz nach Umfrage unter Zuschauern Sieger des Triells

Steuererhöhungen sieht Armin Laschet nach wie vor als den falschen Weg, und Illners Einwurf, bei höheren Steuern würden Unternehmen das Land verlassen, konterte Olaf Scholz mit der Einigung auf eine globale Mindestbesteuerung von Konzernen. Baerbock verwies darauf, dass für Gesundheitswesen, Bildung und Digitalisierung Geld in die Hand genommen werden müsse und plädierte für eine leichte Erhöhung des Einkommensteuersatzes ab 100.000 Euro und eine Prüfung der Vermögensbesteuerung. Olaf Scholz erinnerte daran: „Die hatten wir schon einmal.“

Beim Schlusswort hatten die Herren von der Dame gelernt und traten ebenfalls vor das Pult: Laschet will „der Bundeskanzler Ihres Vertrauens“ werden, Baerbock will den „echten Aufbruch“ und Scholz „mehr Respekt“. Und nach Meinung der rund 1500 befragten Zuschauer war er auch bei diesem Triell am überzeugendsten, während Baerbock der Umfrage zufolge den sympathischsten Auftritt hinlegte und Laschet in fast allen Werten hinten lag. (Daland Segler)

Rubriklistenbild: © Michael Kappeler/dpa

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