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Corona-Leugnung und Rassismus: Rechter TV-Sender will nach Deutschland expandieren

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Von: Vincent Büssow

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Schild mit der Aufschrift „Nein zum Impfzwang“ und AUF1-Logo bei einer Demonstration gegen die Corona-Politik.
Der TV-Sender AUF1 dient der rechtsextremen Szene in Österreich mit Verschwörungserzählungen über Corona. (Archivfoto) © Sebastian Willnow&dpa

Der Fernsehsender AUF1 aus Österreich dient mit Verschwörungserzählungen aus der rechtsextremen Szene. Jetzt berichtet er auch aus Berlin.

Wien – Die Szene der Rechtsextremen und Verschwörungsideologen bekommt ein neues Sprachrohr in Deutschland. Der Sender AUF1 aus Österreich dient seit Mai 2021 mit der Verharmlosung von Corona, Antisemitismus, Rassismus und weiteren Themen der neuen Rechten. Das Medium will „den Schwerpunkt seiner Berichterstattung nun zunehmend nach Deutschland“ verlegen – und hat sich schon den passenden Korrespondenten ausgesucht.

„Mit AUF1 startet der erste wirklich zu 100% unabhängige und alternative TV-Sender im deutschsprachigen Raum“, heißt es auf der Website des Kanals. In der Themenvorschau des sendereigenen Nachrichtenformats klingt dieser Ansatz folgendermaßen: „Die sogenannten Impfungen sind nicht ansatzweise wirksam“, wird der ehemalige Kanzlerkandidat der Querdenker-Partei Die Basis dort zitiert. Außerdem im Programm: „Großer Austausch: Jedes zweite Kind in der BRD unter zehn Jahren hat Migrationshintergrund“. Mit solchen Themen bedient AUF1 die Verschwörungsideologie der rechtsextremen Szene, und das nicht aus Zufall.

Corona-Leugnung bei AUF1: Sender-Chef kommt aus der rechtsextremen Szene

Hinter dem Sender steht Stefan Magnet, der eine lange Geschichte in der rechtsextremen Szene hat, wie die Tageszeitung Der Standard aus Österreich berichtete. So war Magnet Mitglied in der Jugendorganisation der rechtsextremen Partei AFP und trat gemeinsam mit dem verurteilten Neonazi Gottfried Küssel auf Corona-Demonstrationen auf. Die Medienbehörde in Österreich hat AUF1 dementsprechend bereits wegen möglicher Verstöße auf dem Schirm. Jetzt will sich der Sender aber stärker auf Deutschland fokussieren.

Aus Berlin soll zukünftig Martin Müller-Mertens für AUF1 berichten. Stefan Magnet selbst stellt den neuen „Deutschlandkorrespondenten“ in einem Ankündigungsvideo vor. Müller Mertens ist seinerseits Chef vom Dienst bei dem Magazin Compact, das vom Bundesamt für Verfassungsschutz als gesichert extremistische Bestrebung bearbeitet wird, wie die ARD meldete. „Die Compact-Magazin GmbH trägt Positionen und Aussagen in die Öffentlichkeit, die eindeutig als völkisch-nationalistisch sowie minderheitenfeindlich zu bewerten sind“, begründete die Behörde den Schritt.

„Deutschlandkorrespondent“ bei AUF1: TV-Sender berichtet über „Corona-Diktatur“

Für AUF1 will der neue Korrespondent sowohl aus dem Bundestag als auch von der Straße berichten. Dabei will er Menschen in Deutschland informieren, die durch die „Corona-Diktatur“ „aufgewacht“ seien. Die Pandemie als zentrales Thema von Parallelmedien aus dem rechtsextremen Spektrum ist dabei nichts Neues, sagt die Sozialpsychologin Pia Lamberty gegenüber der taz, die zuerst über die Pläne von AUF1 berichtete. Durch Corona haben viele solcher Programme ihren Einfluss steigern können, wobei der Sender aus Österreich zu einem der erfolgreichsten gehöre.

Die Festigung von Desinformation, wie AUF1 sie betreibt, sorgt schon seit längerem zunehmend für Spannung in Deutschland. So wird die Szene der Corona-Verschwörungsideologen auch immer gewaltbereiter. (vbu)

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