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Türkei: Vier weitere Leichen an Grenze entdeckt - Erdogan beschuldigt Griechenland

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Von: Katja Thorwarth

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Recep Tayyip Erdogan
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bekräftigte die Kritik an Athen.  © Domenico Stinellis/dpa

In der Nähe der türkischen Grenze erfrieren 16 Geflüchtete nach Pushback an der Grenze. Griechenland wirft der Türkei „Propaganda“ vor.

Update vom Donnerstag, 03.02.2022, 11.50 Uhr: Erst gestern sind an der Grenze zu Griechenland zwölf Leichen gefunden worden (s. Erstmeldung). Heute wurden dort nach türkischen Angaben noch einmal vier Migrant:innen erfroren aufgefunden. Die Leichen seien bei einem Sucheinsatz in der Region entdeckt worden, teilten die Behörden in der türkischen Grenzprovinz Edirne mit.

Die anderen zwölf Leichen waren in der Nähe des Dorfs Pasakoy an der türkisch-griechischen Grenze entdeckt worden. Elf der zwölf waren nach Angaben der türkischen Behörden bereits tot, als sie gefunden wurden. Das zwölfte Opfer starb demnach in einem Krankenhaus. Nach Angaben der Türkei hatten griechische Grenzschützer die Flüchtlinge zuvor zurückgedrängt und ihnen ihre Kleidung und Schuhe abgenommen.

Erdogan bekräftigt Kritik an Griechenland

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bekräftigte heute die Kritik an Athen: „Es ist nicht hinnehmbar, zwölf Menschen erfrieren zu lassen. Aber es ist nicht das erste Mal, dass wir mit diesem Verhalten seitens Griechenlands konfrontiert sind.“ EU-Innenkommissarin Ylva Johansson kündigte an, beim Treffen der EU-Innenminister in Lille mit Mitarachi zu sprechen und sich um eine Klärung des Vorfalls zu bemühen.

Zwölf Geflüchtete nach Pushback an Grenze erfroren: Griechenland wirft Türkei „Propaganda“ vor

Erstmeldung vom 02.023.2022: Istanbul – In der Türkei sind am Mittwoch (02.02.2022) direkt an der griechischen Grenze zwölf Migrant:innen erfroren aufgefunden worden, denen griechische Grenzbeamte nach türkischen Angaben Kleidung und Schuhe abgenommen hatten. „Zwölf von 22 Migranten, die von griechischen Grenzeinheiten zurückgedrängt wurden, ihrer Kleidung und Schuhe beraubt, sind erfroren“, schrieb Innenminister Süleyman Soylu im Online-Dienst Twitter. Er veröffentlichte auch verschwommene Fotos von leblosen Körpern.

Den griechischen Grenzschutzbeamten warf Soylu Mitschuld vor. Diese hätten die Menschen zuvor entkleidet und zurück in die Türkei gedrängt. „Griechische Grenztruppen gehen gegen Opfer vor“, schrieb er in seinem Tweet. Die zwölf toten Menschen gehörten zu den 22 Migrant:innen, die per Pushback in die Türkei zurückgedrängt worden seien. Ferner griff er die EU an. „Die Europäische Union ist machtlos, schwach und unmenschlich“, schrieb der türkische Innenminister in seinem Tweet.

Türkischer Innenminister: Zwölf Geflüchtete nach Pushback durch Griechenland erfroren

Der griechische Migrationsminister Notis Mitarachi wies die Anschuldigungen der Türkei zurück und warf Ankara „Propaganda“ vor. „Diese Migranten haben es nie bis zur Grenze geschafft. Jede Andeutung, sie hätten es geschafft oder seien sogar in die Türkei zurückgedrängt worden, ist völliger Unsinn“, erklärte Mitarachi.

Türkei wirft Griechenland Pushbacks vor

Die Türkei wirft Griechenland immer wieder sogenannte Pushbacks vor - also illegale Zurückweisungen von geflüchteten Menschen an den Grenzen. Athen weist die Vorwürfe stets zurück. Mehreren Medienberichten zufolge haben griechische Grenzschützer in der Vergangenheit mehrfach Boote mit Migrant:innen zurück in Richtung Türkei getrieben, die Grenzschutzagentur Frontex soll dies den Vorwürfen zufolge zumindest nicht verhindert haben. Pushbacks werden jedoch nicht nur in Griechenland, sondern auch an innereuropäischen Grenzen praktiziert. Auch die FR berichtete darüber. (ktho/afp)

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