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Der saudische Journalist Jamal Khashoggi.

Fall Khashoggi

Türkischer Staatsanwalt: Khashoggi wurde erwürgt

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Einen Monat nach dem Tod Khashoggis gibt die türkische Staatsanwaltschaft bekannt, dass der saudische Regimekritiker erwürgt wurde.

Der Mord lief offenbar exakt so grausig ab, wie es die türkischen Medien bisher berichtet hatten. Der saudische Regimekritiker Jamal Khashoggi sei erwürgt und zerstückelt worden, teilte die türkische Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit, als sie sich erstmals zum gewaltsamen Tod des 59-jährigen Journalisten im Konsulat seines Landes in Istanbul Anfang des Monats äußerte. Demnach sei Khashoggi „gemäß eines zuvor gemachten Plans erwürgt worden, gleich nachdem er das Konsulat betreten hatte“, erklärte der leitende Istanbuler Staatsanwalt laut Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu. Er bestätigte frühere Medienberichte, wonach Khashoggis Leichnam zunächst „in Stücke zerteilt“ und dann „vernichtet“ worden sei. Damit widersprechen die Türken der offiziellen Erklärung aus Saudi-Arabien, wonach Khashoggis Tod die unglückliche Folge einer Schlägerei im Konsulat gewesen sei.

Türkische Regierungsstellen hatten in den vergangenen Wochen stückweise Ermittlungsergebnisse über die schauerliche Tat an die Medien durchsickern lassen und damit Druck auf die Regierung in Riad ausgeübt, die schließlich die Tötung des prominenten Journalisten einräumte. Anschließend wurden 18 Tatverdächtige in Saudi-Arabien festgenommen, deren Auslieferung die Türkei fordert. Riad lehnt das ab und fordert seinerseits Einsicht in die elektronischen Aufzeichnungen aus dem Konsulat, was Ankara seinerseits verweigert. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte den Tod Khashoggis vergangene Woche zwar einen „geplanten“ und „politischen“ Mord genannt, war aber nicht darauf eingegangen, wie der Dissident genau getötet wurde.

Die Istanbuler Staatsanwaltschaft erklärte in ihrem schriftlichen Statement weiter, dass ihre Treffen mit dem saudischen Generalstaatsanwalt Saud al-Mudschib „keine konkreten Ergebnisse“ gebracht hätten. Al-Mudschib reiste von Sonntagnacht bis Mittwoch mehrfach nach Istanbul, wo er sich zweimal mit dem türkischen Staatsanwalt Irfan Fidan traf, der die Ermittlungen zum Tod Khashoggis leitet. Der Saudi wollte aber nicht einmal den Ort preisgeben, an dem die mutmaßlichen Killer Khashoggis Leichenteile hatten verschwinden lassen, ebenso wenig wie die Identität jenes „lokalen Gehilfen“, der diese „Aufräumarbeit“ laut saudischen Angaben angeblich erledigte. Türkische Medien berichteten am Mittwoch zudem, al-Mudschibs Verweigerungshaltung habe zu „tiefem Misstrauen“ in Ankara geführt. Die Erklärung der Istanbuler Staatsanwaltschaft darf man wohl als türkische Antwort darauf werten.

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