Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Berlin: Eine Kombo zeigt den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan bei einer Veranstaltung in Ankara (Türkei, l) und den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu auf einer Veranstaltung in München.
+
Berlin: Eine Kombo zeigt den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan bei einer Veranstaltung in Ankara (Türkei, l.) und den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu auf einer Veranstaltung in München.

Türkisch-Israelische Beziehungen

Türkischer Honig

  • Inge Günther
    vonInge Günther
    schließen

Israel sieht sich von Erdogan umworben, aber genießt die Avancen nur mit Vorsicht.

Noch vor einem Jahr hätten die Israelis wohl begeistert auf das versöhnliche Lüftchen reagiert, das aus Ankara herüberweht. Doch inzwischen sind sie es, die sich dank der Normalisierungsabkommen mit den Golfstaaten und Marokko zunehmend in der arabischen Welt akzeptiert fühlen, während die Türkei recht isoliert dasteht. Dass Recep Tayyip Erdogan dieser Tage bekannte, das ramponierte Verhältnis zu Israel wieder kitten zu wollen, wird hierzulande mit dem Unterton kommentiert: Der hat’s nötig.

Der türkische Staatspräsident und der israelische Premier Benjamin Netanjahu können sich zwar eigentlich nicht ausstehen. Dennoch gibt es handfeste Interessen, die verbinden. Beide stehen angesichts des Machtwechsels in Washington unter Druck. Nicht zuletzt, weil Joe Biden, der künftige Chef im Weißen Haus, anders als sein Vorgänger Donald Trump, auf die Achtung von Menschen- und Minderheitenrechten Wert legt. Erdogans Annäherungsversuch an Israel, das von der Türkei als eine Art Nahostzweigstelle der USA gesehen wird, dürfte sich da gut machen und auch Netanjahu einen Pluspunkt einbringen.

Überdies fanden sich Israel und die Türkei erst kürzlich auf der gleichen Seite wieder, als sie Aserbaidschan im Krieg mit Armenien um Berg-Karabach Waffen lieferten. Seitdem drängt Aserbaidschans Präsident seine Alliierten zur Aussöhnung. Die beiden einzigen nichtarabischen Staaten in Nahost brauchen dazu allerdings keinen Dritten als Vermittler. Schließlich hat die Türkei bereits 1949 als erstes mehrheitlich moslemisches Land Israel anerkannt.

Ungeachtet der wiederholten Funkstille auf diplomatischer Ebene pflegen ihre Geheimdienste Kontakt miteinander. Der türkische Geheimdienstchef Hakan Fidan soll denn auch persönlich bei einem diskreten Besuch in Israel Mossad-Chef Jossi Cohen über Erdogans Wunsch nach Rückkehr zu einem normalisierten Verhältnis unterrichtet haben. Gelitten hat es vor allem in den vergangenen zehn Jahren.

Das schwerste Zerwürfnis hatte 2010 eine tödliche Konfrontation auf hoher See ausgelöst. Israelische Marineeinheiten hatten damals die Mavi Marmara, das Flaggschiff der „Free Gaza-Flottille“, geentert und neun Türken und einen türkischstämmigen US-Bürger, die mit Ketten und Schlagwaffen Gegenwehr leisteten, erschossen. Ankara brach die Beziehungen ab, nahm sie aber wieder auf, als Israel nach langwierigen Verhandlungen 20 Millionen US-Dollar in einen Hilfsfonds für die Opferfamilien überwies.

Hamas-Büros in der Türkei

Das Einvernehmen war von kurzer Dauer. Aus Protest gegen den von Donald Trump 2018 angeordneten Umzug der US-Botschaft von Tel Aviv in das auch von den Palästinensern als Hauptstadt beanspruchte Jerusalem schickte Erdogan den israelischen Botschafter erneut heim. An seiner scharfen Kritik, wie Israel mit dem Palästinaproblem umgehe – von ihm als „gnadenloses Vorgehen“ bezeichnet –, hält Erdogan nach wie vor fest. Noch mehr verübelt ihm die Netanjahu-Regierung, dass er der islamistischen Hamas erlaube, Büros in der Türkei zu unterhalten, die von dort Terrorzellen im Westjordanland dirigiere.

Das ist nicht der einzige Grund, der einer echten Aussöhnung im Wege steht. Schon gar nicht möchte Israel wegen der türkischen Avancen seine engen Bande mit Griechenland, Zypern und die neue Allianz mit den Golfstaaten belasten. Aber immerhin, Erdogans Berater hat signalisiert, wenn Israel einen Schritt entgegenkomme, mache die Türkei zwei.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare