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Türkei „tritt das Völkerrecht mit Füßen“: Schwere Vorwürfe nach Angriff auf Zaxo

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Von: Erkan Pehlivan

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Mindestens neun Menschen sind bei einem mutmaßlichen türkischen Artillerieangriff auf einem Picknickplatz getötet worden. Die Türkei weist die Verantwortung von sich.

Zaxo – Am Mittwoch (20. Juli) hat es bei einem Artillerie-Angriff auf einen Picknickplatz in irakisch Kurdistan ein Blutbad gegeben. Bei dem Massaker in der Region Zaxo wurden mindestens neun Menschen getötet und 22 weitere verletzt. Unter den Opfern befinden sich auch Kinder. Die Menschen in der Region beschuldigen die Türkei der Tat.

In der Nacht hatten sich Demonstranten vor der türkischen Botschaft versammelt und Brandsätze auf das Gebäude geworfen. Seit April läuft in irakisch Kurdistan die türkische Militäroperation „Kralle-Schloss“ gegen die PKK. Dabei gibt es immer wieder Luft- und Artillerieangriffe gegen Stellungen in der Region, auch türkische Bodentruppen werden dabei eingesetzt.

Türkei „tritt das Völkerrecht mit Füßen“

Auch in Deutschland gibt es heftige Kritik gegen die Türkei. „Wie üblich tritt die Türkei das Völkerrecht mit Füßen“, sagt Kamal Sido, Nahost-Referent bei der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), redet, gegenüber FR.de von IPPEN-MEDIA. „Mit Terror und brutaler Gewalt wird das Nato-Mitglied Türkei weder die Kurdenfrage noch andere Konflikte lösen können. Die Türkei muss ihre grenzüberschreitende Gewalt beenden und das Völkerrecht und das humanitäre Völkerrecht respektieren.“

Mehrere Tote und Verletzte nach Artilleriebeschuss bei Zaxo in irakisch Kurdistan
Mehrere Tote und Verletzte nach Artilleriebeschuss bei Zaxo in irakisch Kurdistan. © Ismael Adnan/dpa

KGD sieht „wertegeleitete Außenpolitk“ als Schall und Rauch an

Auch der Vorsitzende der kurdischen Gemeinde Deutschland (KGD), Ali Ertan Toprak, zeigt sich gegenüber FR.de empört. „Der Westen schweigt zu dem Angriff, während es die Angriffe von Russland auf die Ukraine zu Recht anprangert. Das ist ein Doppelstandard, der dem Ansehen des Westens in der Welt schadet“, so Toprak. Er kritisiert die Bundesregierung: „Da hatte ich mir von der Ampel-Regierung doch besseres erhofft. ‚Wertegeleitete Außenpolitik’ ist auch unter den Grünen Schall und Rauch“.

Türkei: HDP nennt Massaker von Zaxo zweites „Roboski“

In der Türkei hat sich die pro-kurdische Oppositionspartei HDP zu dem Massaker von Zaxo geäußert und die türkische Regierung von Präsident Recep Tayyop Erdogan beschuldigt. „Die Regierung ist politisch und juristisch für das Massaker verantwortlich“, heißt es in einer Mitteilung der Partei. Das Blutbad werde als zweites „Roboski“ in die Geschichte eingehen. Am 28. Dezember 2011 hatten türkische Kampfflugzeuge eine Gruppe von Schmugglern in der Nähe des Dorfes Roboski bei Sirnak angegriffen und 34 Zivilpersonen getötet. Die Hintergründe zu dem Blutbad von damals sind bis heute nicht aufgeklärt.

Türkei weist Verantwortung von sich

Die türkische Regierung hingegen weist die Verantwortung für das jüngste Massaker bei Zaxo von sich. „Die Türkei lehnt jegliche Angriffe gegen Zivilisten ab“, heißt es in einer Stellungnahme des türkischen Außenministeriums. Die Türkei rufe die irakische Regierung dazu auf, unter dem Einfluss der Propaganda von Terrororganisationen keine Äußerungen zu der Tat zu machen. Das irakische Außenministerium hat inzwischen den türkischen Botschafter ins Außenministerium einbestellt. (Erkan Pehlivan)

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