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Türkei: Mehr als eine Million neue Fälle von Zahlungsunfähigkeit

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Von: Erkan Pehlivan

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Einheimische und Touristen schlendern auf dem Großen Basar in Istanbul
Die Inflationsrate in der Türkei liegt bei 80 Prozent. © Oliver Weiken/dpa

Immer mehr Menschen können in der Türkei ihre Schulden nicht bezahlen. In diesem Jahr sind deswegen mehr als eine Million Fälle bei den Gerichtsvollziehern gelandet.

Ankara – Die miese Wirtschaftslage in der Türkei drängt immer Menschen in die Pleite. In den ersten sieben Monaten dieses Jahres konnten 538.254 Personen ihre Kreditkartenschulden nicht mehr zurückzahlen. Dazu kommen noch 659.089 Fälle von Zahlungsunfähigkeit wegen sogenannter Verbraucherkredite. Die Fälle liegen jetzt den Gerichtsvollziehern vor. Die Zahlen gehen auf eine Untersuchung des Abgeordneten Ömer Fethi Gürer (CHP) zurück.

Türkei: Dollar-Preis steigt von 6,67 TL auf 18,30 TL

Die Wirtschaftszahlen sind weiterhin schlecht. Die Inflation liegt laut staatlichem Statistikbüro TÜIK bei 80 Prozent. Der US-Dollar kostet derzeit 18,30 TL. Vor einem Jahr lag der Preis bei 8,67 TL. Der Anstieg der Energiepreise weltweit bringen in der Türkei neben Privatpersonen auch Unternehmen unter Druck.

Erdogan: Regale in der Türkei voll, in USA, und Deutschland leer

Unterdessen sorgen die jüngsten Aussagen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan weiterhin für Verwirrung. „Es gibt Länder, die bei einer Inflation von acht, neun Prozent bedroht sind. In der Türkei sind es 80 Prozent“, sagte Erdogan in einem Interview im US-Sender PBS. „In den USA sind Regale leer, in Frankreich sind die Regale leer, in Deutschland sind die Regale leer. In meinem Land sind die Regale nicht leer“, so Erdogan.

Türkei: Immer mehr Landwirte geben Höfe auf

Die Preissteigerungen in der Türkei machen sich auch bei den Landwirten bemerkbar. Die gestiegenen Herstellerpreise führen auch hier zu Pleiten. Hatte es nach Angaben der Sozialvericherungsträgers SGK 2021 mehr als 500.000 Landwirte gegeben, so liegt ihre Zahl heute unter einer halben Million. Im Juni waren bei der SGK rund 490.000 Landwirte registriert.

Laut Gürer sind die Preise für Futter und Pestizide stark gestiegen. „Viele Landwirte können sich nur mit Krediten auf den Beinen halten“. Der Abgeordnete kritisiert, dass es die Weideflächen von 40 Millionen Hektar aus 12 Millionen Hektar geschrumpft seien. Das belaste vor alle die Viehzüchter. In den vergangenen drei Jahren seien rund 36.000 Äcker gepfändet worden. Viele Landwirte würden wegen der Schwierigkeiten ihre Höfe aufgeben. (Erkan Pehlivan)

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