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Armutsgrenze in der Türkei liegt bei Dreifachem des Mindestlohns

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Von: Erkan Pehlivan

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Miese Wirtschaftszahlen in der Türkei könnte Erdogans Wiederwahl gefährden.
Einkaufsstraße im Istanbuler Stadtteil Eminönü © IMAGO/Tolga Ildun

Eine vierköpfige Familie in der Türkei muss mehr als das Dreifache des Mindestlohns verdienen, damit sie oberhalb der Armutsgrenze liegt.

Ankara – Die Wirtschaftszahlen in der Türkei könnten für Präsident Recep Tayyip Erdogan bei der Türkei-Wahl am 14. Mai zum Problem werden. Nach einer neuen Studie des Gewerkschaftsverbandes „Birleşik Kamu-İş Konfederasyonu“ lag die „Armutsgrenze“ im Dezember 2022 für eine vierköpfige Familie bei 26.994 TL. Die „Hungergrenze“ lag demnach bei 9.059 TL, also das Geld, dass diese Familie für eine ausreichende Ernährung braucht. Gleichzeitig liegt der Mindestlohn bei 8.500 TL.

Inflation in der Türkei offiziell bei 64 Prozent, inoffiziell bei 137 Prozent

Auch die übrigen Wirtschaftszahlen sind erdrückend. Derzeit liegt die Inflation bei 64,27 Prozent. Unabhängige Fachleute gehen aber von weitaus höheren Inflations-Zahlen aus. So schätzt das unabhängige Wirtschaftsinstitut „Ena Grup“, dass die Inflation 137,55 Prozent beträgt. Die Teuerung ist auch dem Währungsverfall geschuldet. Kostet der US-Dollar heute rund 19 TL, lag der Preis vor einem Jahr noch bei unter 14 TL. Fünf Jahre zuvor kostetet der US-Dollar sogar noch unter vier Türkische Lira.

Erdogan versucht die getrübte Stimmung in der Bevölkerung durch Geschenke aufzubessern. Wer bis zum 31. Dezember 2022 nicht mehr als 2.000 TL (98 Euro) Steuerschulden hatte, dem werden diese erlassen. Zudem soll es bei Steuerschulden die Möglichkeit geben, diese in Raten zurückzuzahlen.

„Türkei größter Geldwäscher der Welt geworden“

Kritik an der Wirtschaftspolitik der AKP kommt aus der Opposition. „Das Versprechen der Regierung war, 2023 zu den stärksten Wirtschaftsmächten zu gehören. Was sie geschafft haben, ist, an die Grenze der Top-20 Wirtschaftsmächte zu kommen und dass Mütter ihren Kindern als Geschenk für ein gutes Zeugnis Fleisch kaufen“, kritisierte der Sprecher der Oppositionspartei CHP, Faik Öztrak, nach einer Fraktionssitzung. „Unser Land ist zum größten Geldwäscher der Welt geworden. Die falsche Wirtschaftspolitik der Regierung hat den Mittelstand vernichtet und die Armut erweckt“, so Öztrak. (Erkan Pehlivan)

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