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Türkei: Erdogan dreht Syrien erneut das Wasser ab

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Von: Erkan Pehlivan

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Erneut kommt durch den Euphrat weniger Wasser in Syrien an. Vor allem Kurden leiden darunter. Dahinter soll die Türkei und ihre Pläne stecken.

Ankara – Nach Informationen der Gesellschaft für bedrohte Völker lässt die Türkei weniger Wasser durch den Euphrat nach Syrien durch. Gerade in den heißen Monaten verschärft sich damit die Lage für die Menschen in Nordsyrien und dem Irak.

Der Vorsitzende der kurdischen Gemeinde in Deutschland, Ali Ertan Toprak, sieht darin ein Provokation. „Erdogan möchte dadurch die Kurden provozieren und gleichzeitig bestrafen“, so Toprak im Gespräch mit fr.de von IPPEN.MEDIA.

Türkei: Erdogan provoziert durch Wasserverknappung

Auch der Nahostreferent der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), Dr. Kamal Sido, sieht es ähnlich. „Derzeit hat die Türkei weder von den USA noch von Russland grünes Licht für einen Einmarsch in die Gegend von Manbidsch erhalten“, so Sido im Gespräch mit unserer Redaktion. Durch eine Wasserknappheit versuche der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan einen Angriff der Kurden zu provozieren um dadurch einen Grund für einen erneuten Einmarsch zu haben – auch ohne die Zustimmung aus Washington und Moskau.

Die Türkei lässt weniger Wasser durch Euphrat nach Nordsyrien
Luftaufnahme von Atatürk Staudamm am Euphrat. © Mehmet_Biber/dpa

Türkei: Kein Platz für Kurden in „Sicherheitszone“

Erdogan möchte im Norden Syriens eine 30 km breite Sicherheitszone errichten. Darin soll offenbar kein Platz für Kurden sein. Im seit 2018 von türkischen Truppen besetzten Afrin ist die Zahl der Kurden stark zurückgegangen. Waren bis zum Einmarsch der Türken über 90 Prozent der Bevölkerung kurdisch, sind es heute 20 bis 30 Prozent, schätzt Kamal Sido. Hunderttausende Kurden sind seither vor den türkischen Soldaten und mit ihnen verbündete dschihadistische Milizen geflüchtet. „Die Türkei versucht mit solchen Maßnahmen Kurden und ihre Verbündeten zur Flucht zu bewegen. Die Gegend soll von Kurden gesäubert werden“, sagte Sido.

Die Gegend soll von Kurden gesäubert werden.

Dr. Kamal Sido, Nahostreferent der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV)

Nato zeigt „Verständnis für die Türkei“ und Erdogan

Toprak und Sido sehen hier die Nato und die Europäische Union in der Pflicht, die sich bislang bislang weder zu den türkischen Einmarschplänen geäußert noch zu der Wasserverknappung geäußert haben. „Wasser ist lebensnotwendig und damit ein Menschenrecht“, so Toprak. Bei seinen Besuchen in Finnland und Schweden in den vergangenen Tagen hatte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg Verständnis für die Türkei gezeigt. „Von “legitimen Sicherheitsinteressen” der Türkei zu sprechen, während Erdogan nachweislich völkerrechtswidrige Angriffskriege und in Syrien ethnische Säuberungen durchführt, ist mehr als befremdlich“, empört sich Toprak. Dadurch würde nach Ansicht Topraks „der Generalsekretär der Nato eins zu eins den Sprech Erdogans benutzen und sich auf die Seite des türkischen Machthabers stellen“.

Für die Menschen und Nordsyrien und auch im Irak hat die Wasserknappheit verheerende Folgen. „Den Menschen fehlt das Wasser bei der Stromversorgung und der Landwirtschaft“. Die Menschen werden dadurch in noch größeres Elend gestürzt“, kritisiert Sido. (Erkan Pehlivan)

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