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YPG-Kämpfer feuern bei dem Kampf um Rakka im Juni 2017 auf eine Drohne des IS.

Syrien

Türkei und USA streiten über Kurden

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Der Streit über das Vorgehen in Syrien ist zwischen der Türkei und den USA neu aufgeflammt. Was sind die Gründe?

Der Streit über das Vorgehen in Syrien ist zwischen der Türkei und den USA neu aufgeflammt. Die Differenzen traten am Dienstag beim Besuch von John Bolton, nationaler Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, offen zutage. Bolton war nach Ankara gekommen, um sich mit der türkischen Regierung über das weitere Vorgehen in Syrien abzustimmen. Staatschef Recep Tayyip Erdogan weigerte sich, den Trump-Berater zu empfangen. Bolton musste mit Erdogans Sicherheitsberater Ibrahim Kalin vorliebnehmen. Außenminister Mevlüt Cavusoglu und Verteidigungsminister Hulusi Akar schickten zu dem Treffen nur ihre Stellvertreter. Auch Geheimdienstchef Hakan Fidan, der eigentlich an dem Gespräch teilnehmen sollte, kam nicht.

Im Mittelpunkt des Besuchs stand der von Trump Ende Dezember überraschend angekündigte Truppenrückzug aus Syrien. Aber schon im Vorfeld gab es heftige Kontroversen. Dabei geht es vor allem um die syrischen YPG-Kurdenmilizen. Sie waren bisher für die USA ein wichtiger Verbündeter im Kampf gegen den IS in Syrien. Die Türkei bekämpft die YPG hingegen als „Terrororganisation“. US-Außenminister Michael Pompeo hatte vergangene Woche erklärt, die USA würden dafür einstehen, dass die Türkei nach einem amerikanischen Abzug aus Syrien „die Kurden nicht abschlachten“.

Bolton wiederholte am Wochenende bei einem Besuch in Israel, die USA wollten von der Türkei „Sicherheitsgarantien“ für die in Syrien kämpfenden Kurden. Bolton habe damit „einen schweren Fehler begangen“, sagte Erdogan am Dienstag vor der Parlamentsfraktion seiner Regierungspartei AKP. „Die YPG repräsentiert nicht die Kurden. Deshalb kann die Türkei die Bedingung der USA hinsichtlich Sicherheitsgarantien für die YPG-Terroristen nicht akzeptieren“, sagte Erdogan in der Fraktionssitzung.

Erdogans Berater Kalin erklärte, niemand solle von der Türkei erwarten, dass sie einer Terrororganisation Garantien gebe. Man wolle militärische Operationen in Syrien zwar mit den USA koordinieren, werde aber niemand „um Erlaubnis für den Kampf gegen den Terror bitten“.

Bei einem Abzug der US-Soldaten hätte die Türkei freie Hand im Kampf gegen die YPG. Inzwischen sieht es allerdings nicht mehr nach einem schnellen und kompletten Rückzug der USA aus Syrien aus.

Kurden: keine Garantieren für die YPG 

Es gibt in Washington offenbar Zweifel, ob die Türkei im Kampf gegen die IS-Terrormiliz die bisher von den Amerikanern geleistete Arbeit fortsetzen kann. Dazu würde das türkische Militär wohl massive logistische Unterstützung der USA brauchen, denn die noch vom IS kontrollierten Gebiete liegen weitab der türkischen Grenze im Südosten Syriens.

Erdogan sagte am Dienstag vor seinen Abgeordneten, die Türkei werden „sehr bald alle Kräfte mobilisieren, um die Terrororganisationen in Syrien auszuschalten“. Damit dürfte der Staatschef sowohl den IS als auch die YPG meinen. Die türkischen Streitkräfte ziehen seit Wochen an der Grenze zu Syrien Panzerverbände und Artilleriegeschütze zusammen, nachdem Erdogan bereits im Dezember eine Großoffensive gegen die YPG östlich des Euphrat angekündigt hatte.

In der türkischen Streitkräfteführung scheint es aber Bedenken gegen die geplante Offensive zu geben. Das berichtete jetzt die regierungskritische Zeitung „Sözcü“. Danach sollen der Vier-Sterne-General Ismail Temel, der bisher für die Militäroperationen in Syrien zuständig war, und ein weiterer ranghoher Kommandeur auf andere Posten versetzt worden sein. Anlass der Ablösung war laut „Sözcü“, dass die Militärs vor der geplanten Offensive gewarnt hätten: Die Operation sei riskant, weil die YPG inzwischen von den US-Amerikanern gut ausgebildet und mit amerikanischen Waffen ausgerüstet sei. In der Türkei gibt es zudem die Sorge, dass die USA bei einem Rückzug aus Syrien der YPG ihre dortigen Stützpunkte und ihr Waffenarsenal überlassen könnten.

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