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Ex-Mafiaboss enthüllt neuen Korruptionsskandal in der Türkei

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Von: Erkan Pehlivan

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Sedat Peker
Ex-Mafiapate Sedat Peker in einer seiner Youtube-Botschaften. (Screenshot) © Youtube/„REİS SEDAT PEKER“

Sedat Peker deckt via Twitter einen Korruptionsskandal in der Türkei auf. Darin sind eine AKP-Abgeordnete und ihr Ehemann verwickelt.

Ankara – Erneut hat sich der im Exil lebende ehemalige Mafiapate Sedat Peker zu Wort gemeldet. Über Twitter enthüllte er wieder Korruptionsfälle von Mitgliedern der Regierungspartei AKP. Diesmal stehen die Abgeordnete Zehra Taskesenlioglu (AKP) und ihr Bruder Ali Fuat im Visier von Peker, der früher die SPK leitete, die staatliche Börsen- und Vermögensaufsicht.

Türkei: Video zeigt Ausraster von AKP-Abgeordneter

In einem Video, dass Peker auf der Twitterseite „Deli Cavus“ veröffentlicht hat, beschimpft die Abgeordnete Taskesenlioglu ihren Bruder Ali Fuat und ihren Ehemann Ünsal Ban: „Ihr habt mich ins Feuer geworfen, um Geld zu werfen. Verflucht sei euer Geld“, sagt die AKP-Politikerin in dem Video.

Offenbar hat ihr Bruder Ali Fuat in der Vergangenheit, als er die Börsen- und Vermögensaufsicht SPK leitete, Unternehmen unter Druck gesetzt, um so Geld zu erpressen. Betroffene haben sich inzwischen zu Wort gemeldet. So hatte sich die Eigentümerin der „Marka Yatirim Holding“, Mine Tozlu, wegen Problemen in ihrem Unternehmen an die SPK gewandt. Als Lösung sollte sie Beraterdienste von einem Unternehmen mit dem Namen „Way Out“ in Anspruch nehmen und zwölf Millionen Türkische Lira (circa 660.000 Euro) an diese zahlen, damit die Probleme gelöst werden. Den Korruptionsskandal hat Mine Tozlu in einer TV-Sendung auf Halk TV inzwischen bestätigt. Dort erzählte sie, dass sie sich zuvor auch mit der Abgeordneten Taskesenlioglu getroffen habe.

Taskesenlioglu und Ban befinden sich derzeit in der Scheidungsphase. Der Ehemann der Abgeordneten wurde laut staatlicher Nachrichtenagentur Anadolu in Mugla an der Ägäisküste festgenommen. Offenbar wollte der Noch-Ehemann von dort nach Griechenland flüchten. Das wirft viele Fragen auf. Peker schreibt auf Twitter, dass Ünsal Ban geopfert werden solle, um die Familie Taskeselioglu und damit auch die Regierungspartei AKP von Präsident Recep Tayyip Erdogan zu schützen.

Türkei: Keine Strafverfolgung für korrupte AKP-Politiker

Trotz zahlreicher anderer Korruptionsfälle, die durch Sedat Peker samt Belegen veröffentlicht wurden, hat weder die Staatsanwaltschaft noch eine Polizeibehörde Ermittlungen eingeleitet. „Ich glaube nicht daran, dass die Abgeordnete Zehra Taskesenlioglu oder ihr Bruder Konsequenzen zu fürchten haben“, sagte der im deutschen Exil lebende Investigativjournalist Cevheri Güven auf Anfrage von FR.de von IPPEN.MEDIA. „Vor allem der ehemalige SPK-Chef hat sehr viele Dienste geleistet.“ Güven glaubt auch, dass Noch-Ehemann Ünsal Ban eine Haftstrafe bekommen wird und später das Land nicht verlassen darf, damit keine Informationen preisgegeben werden.

Türkei: Justizsystem kollabiert

Auch die im kanadischen Exil lebende ehemalige Gerichtsreporterin Arzu Yildiz sieht es ähnlich. „Normalerweise müsste jetzt ein Staatsanwalt ermitteln und die Betroffenen befragen“, erzählt Yildiz im Gespräch mit FR.de. „Es gibt derzeit keine funktionierende Justiz, keine Journalisten, die zu diesen Fällen hartnäckig recherchieren, keine Polizisten und Staatsanwälte, die Ermittlungen einleiten“, beschwert sich Yildiz, die auch sagt, dass das Justizsystem in der Türkei kollabiert sei.

Yildiz gehört zu den 300 Journalist:innen, die nach dem Putschversuch vom 15. Juli 2016 aus dem Land fliehen mussten. Sie hatte nach dem Putschversuch die Bilder von gefolterten Generälen gesehen und über Twitter mitgeteilt, die Türkei sei ein Rechtsstaat und niemand dürfe in dem Land foltern. Ein Staatsanwalt sah das als „Terrorpropaganda“ und ordnete daraufhin ihre Verhaftung, nur zwei Tage nach dem Putschversuch, an.

Türkei: Wer ist Sedat Peker?

Peker ist kein gewöhnlicher Mafioso. Der 51-Jährige hat Verbindungen in die rechte Szene und ist bekennender Nationalist, der von einem großtürkischen Reich träumt. Zudem hatte er in den vergangenen Jahren aus dem Exil immer wieder davon berichtet, wie er Aufträge für den Staat ausführt. Unter anderem hatte Peker Waffen nach Syrien geschmuggelt oder Geschäftsleute unter Druck gesetzt, um sie auf Staatslinie zu bringen.

Die Opposition freut sich trotzdem über die Enthüllungen der ehemaligen Untergrundgröße, der inzwischen von Erdogans Regierung fallengelassen wurde. An seine Stelle ist ein anderer Mafioso getreten. Alaattin Cakici, ebenfalls blühender Nationalist mit Verbindungen zu der ultranationalistischen MHP und mehrfach vorbestrafter Krimineller. Nur durch eine Amnestie konnte Cakici entlassen werden, dem unter anderem wegen mehrerer Morde verurteilt wurde. (Erkan Pehlivan)

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