Migration

Türkei schließt Lager für syrische Flüchtlinge

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Keine Aussicht auf Einbürgerung: Tausende Migranten sollen in ihre Heimat zurückkehren.

Die türkische Regierung löst die staatlichen Lager für syrische Flüchtlinge auf. Die Menschen sollen sich künftig selbst versorgen oder nach Syrien zurückkehren. Als die türkische Katastrophenschutzbehörde AFAD 2015 bei Sanliurfa an der syrischen Grenze das Flüchtlingslager Suruc einweihte, kam Emine Erdogan, die First Lady, zur Eröffnung. Jetzt wird das einstige Vorzeigelager aufgelöst – ohne große Feierlichkeiten.

Rund 35 000 Schutzsuchende lebten in der größten Zeltstadt der Türkei. Zum Lager gehörten vier Schulen, eine Klinik, eine eigene Feuerwehr, Sportanlagen und Supermärkte. Seit Anfang April haben etwa 28 000 Menschen das Lager verlassen. Die verbliebenen 7000 müssen bis zum 23. Juni gehen. Dann macht das Camp dicht. Suruc ist kein Einzelfall. Acht Flüchtlingslager hat die Regierung bereits geschlossen, weitere sollen folgen. Seit Beginn des syrischen Bürgerkrieges 2011 hat die Türkei 3,6 Millionen Flüchtlinge aus dem Nachbarland aufgenommen. Von ihnen lebten bis zum Sommer 2018 etwa 292 000 in 21 staatlich organisierten Lagern. Im Herbst vergangenen Jahres begannen die Behörden, die ersten Lager zu schließen. Heute gibt es noch 13 Camps mit 117 000 Bewohnern.

Das türkische Innenministerium nennt finanzielle Gründe für die Schließung der Lager. Nach eigenen Angaben hat die Türkei in den vergangenen acht Jahren umgerechnet mehr als 31 Milliarden Euro für die Versorgung der Flüchtlinge ausgegeben. Man wolle die Gelder künftig effizienter einsetzen, heißt es im Innenministerium in Ankara. So sollen Integrations- und Bildungsprogramme für die Migranten finanziert werden. Die Regierung bietet jenen, die sich selbst eine Bleibe suchen, Mietzuschüsse und eine Sozialhilfe an. Das Geld – umgerechnet etwa 60 Euro im Monat – reicht aber bei weitem nicht zum Überleben.

Wachsende Spannungen

Angesichts der Wirtschaftskrise und der steigenden Arbeitslosigkeit sind die Perspektiven der syrischen Flüchtlinge, auf eigenen Beinen zu stehen, ohnehin schlecht.

Am liebsten sähe es die Regierung, wenn die Bewohner der Camps nach Syrien zurückkehren würden. Staatschef Recep Tayyip Erdogan sprach zwar noch vor einigen Jahren davon, syrischen Flüchtlingen die türkische Staatsbürgerschaft zu geben. Aber inzwischen ist davon nicht mehr die Rede. Die Pläne sind unpopulär. Vielerorts gibt es wachsende Spannungen zwischen der türkischen Bevölkerung und syrischen Migranten.

Menschenrechtsorganisationen berichten, dass in einigen Fällen Flüchtlinge gegen ihren Willen nach Syrien abgeschoben werden. Die türkischen Behörden bestreiten das. Statt in ihr immer noch von Kämpfen gezeichnetes Land zurückzukehren, könnten nach der Auflösung der Lager viele Flüchtlinge versuchen, sich nach Europa durchzuschlagen. Auf den griechischen Ägäisinseln und am Fluss Evros (Meric), der in Nordgriechenland die Grenze zur Türkei bildet, verzeichnen die Behörden bereits einen starken Anstieg der Flüchtlingszahlen: Im Mai wurden fast 14 000 Neuankömmlinge registriert, drei Mal so viele wie im Vorjahresmonat.

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