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Zunahme von Russland-Geschäften im Ukraine-Krieg: Türkei drohen Sanktionen

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Von: Erkan Pehlivan

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Russland nutzt zunehmend die Türkei, um westliche Sanktionen zu umgehen. 30.000 Lkw-Ladungen Waren wurden aus der Türkei nach Russland transportiert.

Ankara/Moskau - Russland und die Türkei bauen ihre Handelsbeziehungen massiv aus. Das zeigt ein Bericht des „Nordic Research Monitoring Network“ unter Berufung auf offizielle Zahlen der türkischen Regierung. Die Zahl der russischen Lastkraftwagen, die Waren von der Türkei nach Russland transportierten, ist demnach in diesem Jahr (bis zum 30. November) auf 10.956 gestiegen, gegenüber durchschnittlich 2.000 bis 3.000 in den Vorjahren. In diesem Jahr fuhren bislang ebenfalls 18.804 türkische Lkw mit verschiedenen Exportgütern nach Russland.

Die Zahl der türkischen Lkw, die Importgüter aus Russland in die Türkei transportierten, belief sich auf 13.648, und die Zahl der russischen Lkw auf dieser Strecke betrug im gleichen Zeitraum 7445, so der Bericht. Damit sind rund 30.000 Lkw-Ladungen mit Waren von der Türkei nach Russland transportiert worden und umgekehrt wurden etwa 21.000 Lkw-Ladungen Waren von Russland in die Türkei transportiert.

Handelsvolumen zwischen Türkei und Russland kann weiter zunehmen

Vertreter beider Länder hatten sich bei einem Treffen am 16. Mai 2022, rund drei Monate nach dem Einmarsch russischer Truppen in die Ukraine, darauf geeinigt, dass der Warenaustausch zwischen beiden Staaten zunimmt. So darf die Türkei in Zukunft 20.000 Lkw pro Jahr mit Waren nach Russland schicken, die auch für den russischen Markt bestimmt waren. Zuvor lag diese Quote noch bei 8.000 Transporten. Zudem dürfen in Zukunft 35.000 Lkw-Transporte aus der Türkei über Russland in Drittstaaten stattfinden, diese Quote lag zuvor bei 6.000 Transporten. Für russische Lkw gibt es dagegen keine Obergrenzen, wenn sie in die Türkei einreisen wollen. Russland kann so Waren ins Ausland verkaufen und ausländische Waren ins Land holen. Zudem vereinbarten beide Seiten, dass das Volumen noch weiter zunehmen könnte.

Putin und Erdogan bei einem früheren Treffen in Sotschi
Präsident Wladimir Putin (rechts) und Präsident Recep Tayyip Erdogan © dpa/Vladimir Smirnov

Türkei einziges Nato-Land, dass sich nicht an Sanktionen beteiligt

Die Türkei ist das einzige Nato-Land, das sich nicht an den westlichen Sanktionen gegen Russland beteiligt und auch keine Strafmaßnahmen ergreift. Auch ist das Land zunehmend ein Drehkreuz für russische Oligarchen, die ihr Vermögen in Sicherheit bringen. Immer wieder sieht man etwa Luxusyachten russischer Milliardäre in türkischen Häfen.

Die EU ist sich über die Entwicklungen zwischen der Türkei und Russland bewusst. „Die (...) Politik der Türkei, sich den restriktiven Maßnahmen der EU gegen Russland nicht anzuschließen, ist zunehmend Anlass zur Sorge“, erklärt der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell in einem Schreiben an das EU-Parlament, aus dem die Zeitungen der Funke Mediengruppe zitieren. DieTürkei dürfe Russland keine Umgehungslösungen anbieten, mahnte Borrell darin und betonte den Status des Landes als EU-Beitrittskandidat: „Von allen Bewerberländern einschließlich der Türkei“ werde erwartet, dass sie sich an die beschlossenen Maßnahmen halte.

Türkei drohen wegen Russlandgeschäften Sanktionen aus dem Westen

Der Direktor des Nordic Research Monitoring Network, Abdullah Bozkurt, warnt vor fatalen Folgen für die Türkei. „Der Westen ist sich den Ganzen bewusst. Und es kann in Zukunft zu schmerzhaften Sanktionen für die Türkei kommen,“ so Bozkurt im Gespräch mit Fr.de von IPPEN.Media.

„Zwar kann die Türkei jetzt 20.000 Lkw-Ladungen Waren nach Russland bringen. Aber die EU ist ein weitaus wichtigere Handelspartner“. Im vergangenen Jahr habe die Türkei 1,5 Millionen LKW-Ladungen transportiert. Da falle der Transportvolumen nach und von Russland sehr klein aus. „Die Türkei kann hier also sehr viel verlieren“. Die Warnungen aus Brüssel lässt die AKP-Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan dennoch bislang unbeeindruckt. (Erkan Pehlivan/AFP)

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