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Türkei: Zentralbank verkauft 55 Milliarden US-Dollar

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Von: Erkan Pehlivan

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Logo der türkischen Zentralbank TCMB (Türkiye Cumhuriyet Merkez Bankası)
Logo der türkischen Zentralbank © Sepp Spiegl/imago

Mega-Inflation und Währungsverfall machen der Türkei große Sorgen. Die Zentralbank soll deswegen riesige Mengen an Dollar- und Goldreserven verkauft haben.

Ankara - Die türkische Zentralbank „TCMB“ hat es bislang nicht geschafft, wirksame Maßnahmen gegen die Inflation zu finden. Nach Angaben des staatlichen Statistikamtes „TÜIK“ zufolge liegt die Inflation in der Türkei bei 78 Prozent. Auch verliert die Türkische Lira immer mehr an Wert. Der US-Dollar kostet inzwischen knapp 18 TL. Ein Jahr zuvor lag der Wert bei 8,4 TL. Die Kritik an der türkischen Notenbank und ihrem Chef, Sahap Kavcioglu, wird immer lauter.

Türkei: Zentralbank verkauft Dollar- und Goldreserven

Die Oppositionspartei CHP wirft der TCMB vor, ihre Devisenreserven angezapft zu haben, um den Währungsverfall und die Inflation in der Türkei einzudämmen. Einem Zeitungsbericht der Cumhuriyet unter Berufung auf einen bislang unveröffentlichten Bericht von CHP-Wirtschaftsexperten zufolge seien alleine in diesem Jahr mindesten 55 Milliarden US-Dollar aus den Reserven der TCMB verkauft worden.

Die Zeitung schreibt, dass auch die Goldreserven der türkischen Zentralbank weniger würden. Alleine zwischen dem 14. Juli und 22. Juli seien die Devisen- und Goldreserven um 743 Millionen Dollar zurückgegangen, so das Blatt unter Berufung auf den Bericht der Oppositionspartei CHP. Bislang hat Kavcioglu den Bericht nicht dementiert.

Türkei: Inflation mit Devisenverkauf nicht zu stoppen

Das Anzapfen der Devisenreserven hält Wirtschaftsexperte und Ex-Diplomat Ömer Güler für falsch. „Mit dem Verkauf von Devisen kann man die Probleme in der Türkei nicht lösen. Es bekämpft nur vorübergehend die Symptome. Die Inflation kann man in dem Land nur mit einer Anhebung des Leitzinses bekämpfen“, erzählt Güler im Gespräch mit unserer Redaktion. Eine Anhebung des Leitzinses leht Präsident Recep Tayyip Erdogan aber ab.

Türkei: Zentralbankchef lobt türkische Wirtschaft

Trotz schlechter Wirtschaftszahlen hatte der Zentralbankchef erst vergangene Woche die türkische Wirtschaft als eine der besten bezeichnet. Zuvor hatte die Notenbank ihre Inflationsziele für Ende 2022 von 42,8 Prozent auf 60,4 Prozent angehoben. Ende 2023 soll die Inflation dann auf 19,2 Prozent und Ende 2024 auf 8,8 Prozent zurückgehen. Eine konkrete Strategie für diese Ziele nannte Kavcioglu aber nicht. (Erkan Pehlivan)

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