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Erdogan angeblich beleidigt: Olympia-Schwimmer Büyükuncu muss vor Gericht

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Von: Stefan Krieger

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Die türkische Staatsanwaltschaft wirft Sportstar Derya Büyükuncu vor, „kriminelle“ Onlinebotschaften verbreitet zu haben.

Istanbul – Seit dem Jahr 2014 wurden in der Türkei wegen Beleidigungen von Recep Tayyip Erdogan mehr als 160.000 Ermittlungsverfahren geführt. In 3265 Fällen wurden wegen der Beleidigung des Präsidenten Haftstrafen verhängt.

Nun ist gegen den türkischen Olympia-Schwimmer Derya Büyükuncu Haftbefehl wegen des Vorwurfs der Beleidigung von Staatschef Erdogan erlassen worden. Die türkische Staatsanwaltschaft wirft dem sechsfachen Olympia-Teilnehmer „kriminelle“ Online-Botschaften zu Erdogans Gesundheitszustand in den Onlinenetzwerken vor, wie sie am Montag (07.02.2022) mitteilte.

Erdogan und seine Ehefrau positiv auf das Coronavirus getestet

Erdogan (67) und seine Ehefrau hatten am Samstag (05.02.2022) mitgeteilt, sie seien positiv auf das Coronavirus getestet worden. Der Präsident versicherte auch am Sonntag via Twitter, es handele sich um einen milden Verlauf. In einem Internet-Account, hinter dem nach Angaben der Ermittler Büyükuncu stecken soll, wurde daraufhin unter Bezug auf den Präsidenten eine Aktion zur Sammlung von Süßigkeiten bekannt gegeben, die in der Türkei üblicherweise bei Beerdigungen verteilt werden.

Derya Büyükuncu bei den Olympischen Spielen 2012 in London.
Derya Büyükuncu bei den Olympischen Spielen 2012 in London. © Fabrice Coffrini/AFP
NameRecep Tayyip Erdoğan
Geburtsdatum, -ort26.02.1954, Kasımpaşa (Türkei)
Politische PositionPräsident der Republik Türkei
ParteiAdalet ve Kalkınma Partisi (AKP)

Wegen ähnlicher, angeblich „beleidigender Beiträge“ in den sozialen Medien im Zusammenhang mit der Corona-Infektion des Präsidenten sind in der Türkei seit dem Wochenende insgesamt vier Menschen festgenommen worden. Nach vier weiteren werde gefahndet, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu am Sonntag. Insgesamt würden mehr als 30 Nutzerkonten wegen mutmaßlicher Beleidigung des Präsidenten und seiner Ehefrau Emine Erdogan untersucht. Auf Beleidigung des Präsidenten stehen in der Türkei Haftstrafen von bis zu vier Jahren.

Angeblich beleidigt: Recep Tayyip Erdogan.
Angeblich beleidigt: Recep Tayyip Erdogan. © Adem Altan/AFP

Recep Tayyip Erdogan wurde auf Twitter angeblich der Tod gewünscht

Die Nachrichtenagentur nannte keine Details zum Inhalt der Nachrichten. Die regierungsnahe Zeitung Sabah schrieb, einige Nutzer, gegen die nun ermittelt werde, hätten Erdogan auf Twitter indirekt den Tod gewünscht. Darunter sei eben auch der ehemalige türkische Nationalschwimmer Derya Büyükuncu. Sportminister Mehmet Kasapoglu kündigte daraufhin Konsequenzen für den Sportler an. Der ehemalige türkische Olympia-Teilnehmer muss sich jetzt nicht nur voraussichtlich auf einen Prozess einstellen, umgehend nach seiner Äußerung wurde er zudem aus dem Bund der türkischen Schwimmer suspendiert – auf Lebenszeit.

Der Aufenthaltsort von Büyükuncu war Anfang der Woche noch unklar. Vier Jahre Haftstrafe drohen Büyükuncu jetzt mindestens. Wenn von einem Gericht auf „Beleidigung in der Öffentlichkeit“ entschieden wird, könnte die Strafe sogar noch höher ausfallen. Wenn man die Äußerungen des türkischen Sportministers entsprechend einordnet, könnte diese härtete Strafe im Fall Büyükuncu durchaus ausgesprochen werden. (skr mit AFP/dpa)

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