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Regiert mit harter Hand: Die türkische Regierung unter Präsident Erdogan lässt Bücher verbieten.
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Regiert mit harter Hand: Die türkische Regierung unter Präsident Erdogan lässt Bücher verbieten.

Lage in der Türkei

Erdogan lässt Kinderbücher in der Türkei zensieren und verbieten

  • Paul Siethoff
    vonPaul Siethoff
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Unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan nimmt die Zensur in der Türkei zu. 2020 ließ die türkische Regierung zahlreiche Bücher verbieten – sogar Kinderbücher.

Ankara – In der Türkei gibt es weitere Anzeichen dafür, dass unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan die staatliche Zensur zunimmt. Der türkische Verlegerverband hat vor wenigen Tagen eine Zusammenfassung des Jahres 2020 veröffentlicht, die deutlich macht, dass Meinungs- und Pressefreiheit in der Türkei noch weiter eingeschränkt wurden. Laut einem Bericht der „Taz“ wurden unter anderem zwei von Amnesty International Türkei herausgegebene Bücher verboten, die sich um das Thema Feminismus drehen. Im Zuge des Verbots erhob die türkische Staatsanwaltschaft eine Anklage wegen Volksverhetzung gegen den amtierenden Direktor von Amnesty International Türkei, Taner Kılıç.

Auch die sozialdemokratische Partei CHP ist von der Zensurkampagne betroffen. Die türkische Regierung verbot die Herausgabe zweier Bücher des Parteiverlags. Brisant ist, dass beide Publikationen Korruptionsaffären in der Türkei thematisieren sollten. Noch deutlich mehr Sprengkraft hätte die geplante Veröffentlichung eines CHP-Buches gehabt, das den Putschversuch in der Türkei im Sommer 2016 kritisch hinterfragen sollte. Aufgeklärt ist der versuchte Coup d‘État bis heute nicht: Die Regierungspartei AKP verhindert eine effektive parlamentarische Untersuchung der Geschehnisse.

Zensur in der Türkei – Auch Kinderbücher werden unter Erdoğan verboten

Nachdem 2019 bekannt wurde, dass die türkische Regierung Schulbücher verbrennen lässt, überrascht auch das Folgende nicht: Unter Präsident Erdoğan wurden in der Türkei 2020 auch zahlreiche Kinderbücher verboten. Darunter sind auch mehrere Übersetzungen deutscher Bücher. Verboten wurde unter anderem das Ravensburger herausgegebene Buch „Woher die kleinen Kinder kommen“. Das Sexual-Aufklärungsbuch für Vier- bis Siebenjährige wurde von der türkischen Regierung als „obszön“ eingestuft. Dem Übersetzer und dem Verleger der türkischen Ausgabe drohen bis zu zehn Jahre Gefängnis.

Hintergrund der Verbote von Kinderbüchern ist die zunehmende Islamisierung der Türkei. Konkret hat die türkische Regierung unter Recep Tayyip Erdogan eine Kommission von Vertretern des Sozial und Familienministeriums eingesetzt, die bei allen Kinderbüchern entscheiden soll, ob sie sich die Inhalte der Bücher in einem gesitteten Rahmen bewegen.

Auch betroffen: Bücher von bekannter türkischen Autorin und von kurdischen Schrifsteller:innen

Ähnlich wie bei den Kinderbüchern argumentiert der türkische Staat bei der bekannten türkischen Autorin Buket Uzuner: Auch hier wurden zwei Bücher mit der Begründung verboten, sie seien „obszön“ - eine Entscheidung, die auf breite Kritik stieß, im Falle eines der Bücher äußerte sich die Autorin selbst zu dem Fall auf Twitter. Innerhalb der türkischen Verlegerszene wird die Zensur-Politik der dortigen Regierung kontrovers diskutiert.

Laut der Taz wurden auch Bücher, die entweder von Kurden verfasst oder herausgegeben wurden, verboten. Betroffen ist dabei auch Selahattin Demirtaş, Vorsitzender der Partei HDP, die sich für die Rechte der kurdischen Minderheit stark macht. Im Fall von Demirtaş wurden die Bücher zwar nicht verboten, es wird aber versucht, ihre Verbreitung zu verhindern - mit allen Mitteln: Da die von der Opposition regierte Stadt Istanbul die Bücher in ihrem Vertriebssystem anbot, wurde sie Opfer einer gezielten Troll-Kampagne im Internet. Diese sollte die Stadtverwaltung dazu bringen, die Bücher aus ihrem System zu nehmen.

Türkei: Zensurkampagne unter Erdoğan – Nicht nur Bücher betroffen

Unter Präsident Recep Tayyip Erdoğan macht die staatliche Zensur aber nicht bei Printmedien halt. Im vergangenen Jahr wurde eine Folge der Netflix-Serie „Designated Survivor“ zensiert. Der Grund: Eine Figur in der Serie erinnere zu stark an Erdogan. Auch der deutsche Staat sieht die Meinungsfreiheit in der Türkei als stark eingeschränkt an: Das Auswärtige Amt urteilte 2020 in einem Papier, Versammlungs, Vereinigung-, Meinungs- und Pressefreiheit seien weitgehend ausgehebelt. (Paul Siethoff)

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