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Menschen feiern den neuen Status der Hagia Sophia als Moschee, fotografiert durch eine türkische Flagge.
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Menschen feiern den neuen Status der Hagia Sophia als Moschee, fotografiert durch eine türkische Flagge.

Konflikte im Nahen Osten

Türkei: Die aufstrebende Nation am Mittelmeer 

  • Marvin Ziegele
    vonMarvin Ziegele
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Aus dem Schatten des Osmanischen Reiches tritt die Türkei als wichtige Nation des 21. Jahrhunderts in Erscheinung.

  • Seit dem Jahr 1923 existiert die Türkei als Staat.
  • Ihre kulturelle Geschichte reicht aber viel länger zurück.
  • Wie wurde die Türkei, was sie heute ist?

Ankara – Das Territorium der heutigen Türkei war einst das Machtzentrum einer Großnation, die neben England, Frankreich und dem Heiligen Römischen Reich eine bedeutende wirtschaftliche und politische Rolle einnahm. In seiner Blütezeit im 16. und 17. Jahrhundert beherrschte das Osmanische Reich von Kleinasien ausgehend den Balkan, große Teile Arabiens samt den dortigen heiligen Stätten sowie weite Teile Nordafrikas.

Türkei: Der Schatten des Osmanischen Reiches

Doch der Erste Weltkrieg zeigte, dass das über 500 Jahre alte Reich schwächelte. An der Seite des Deutschen Reichs und Österreich-Ungarns versuchte das Osmanische Reich, seine bereits bröckeligen Grenzen noch einmal zu vergrößern. In dieser Zeit konnte auch ein junger Offizier namens Mustafa Kemal Pascha (später „Atatürk“ genannt) große Verdienste in der Schlacht von Gallilopli für sich beanspruchen.

Doch trotz der Bemühungen des Osmanischen Reiches endete der Erste Weltkrieg mit einer verheerenden Niederlage für die Bündnispartner. Schließlich musste das Osmanische Reich 1918 mit dem Waffenstillstand von Mudros kapitulieren.

Umfassende Reformen der Türkei unter Mustafa Kemal Pascha

Die Folgen hätten einscheidender nicht sein können. Das Parlament des ehemaligen Großreiches wurde aufgelöst. Istanbul, der Sitz des Sultans, wurde durch die Briten besetzt. Darüber hinaus sah der Vertrag von Sèvres im Jahr 1920 vor, dass das Osmanische Reich einen Großteil seines Territoriums verlor, „der verbleibende Rest sollte halbkolonialen Status bekommen“. Im Vertrag war auch eine Zusatzklausel vorgesehen, die die Schaffung eines eigenen kurdischen Staates vorsah. Da der letzte Sultan des Osmanischen Reiches, Mehmed VI., inzwischen gestürzt worden war, konnte der Vertrag nicht mehr ratifiziert werden. Derweil ging der türkische Befreiungskrieg unvermittelt weiter.

Ein Portrait von Mustafa Kemal Pascha (Atatürk).

Unter der Führung von Mustafa Kemal Pascha erhob sich die türkische Nationalbewegung mit dem Ziel, nicht länger unter dem Fremdeinfluss ihrer Besatzer leben zu wollen. Der Krieg endete schließlich 1922 mit dem Waffenstillstand von Mudanya. Im Jahr darauf wurde das neue Gebiet der Türkei im Vertrag von Lausanne festgelegt. Obwohl viele Kurden an der Seite der türkischen Befreiungsarmee kämpften, wurden sie in diesem Vertrag nicht erwähnt, geschweige denn die Bildung eines eigenen Staates. Stattdessen wurde das Gebiet, das Kurden auch heute noch als ihre Heimat bezeichnen, zwischen dem Irak, dem Iran und der neu entstandenen Türkei aufgeteilt. Mustafa Kemal Pascha rief am 23.10.1923 die Republik Türkei aus und wurde auch ihr erster Präsident.

Türkei: Atatürk gestaltet die junge Republik um

Mustafa Kemal Pascha (Atatürk) plante nun umfassende Reformen für die neu entstandene Republik Türkei. Dazu zählten folgende Reformen:

  • Politische Neugestaltungen: Aufhebung des Sultanats, Verkündung der Republik, Abschaffung des Amtes des Kalifen
  • Gesellschaftliche Neugestaltungen: Gleichsetzung von Frau und Mann, Abschaffung von Titeln, Verbot des Tragens religiöser Kleidung 
  • Juristische Neugestaltungen: Einführung der europäischen Gesetzgebung, Abschaffung der Gesetzessammlung
  • Bildungs- und Kulturwesen: Annahme der lateinischen Schriftzeichen, Regelung der Universitätsausbildung
  • Staatlich: Errichtung eines türkischen Nationalstaates, Säkularismus (Trennung von Staat und Religion)

Atatürk definierte darüber hinaus, was es bedeutet, „Türke“ zu sein. Als Türke wurde folglich jemand bezeichnet, der eine staatsbürgerliche Identität ohne Ansehen von Religion, Rasse oder Ethnie ist. Vereinfachter ausgedrückt: „Ich spreche Türkisch und betrachte mich als Bürger der Türkei.“ Das umfasst aber auch kulturelle und sprachliche Aspekte der türkischen Nation. So darf laut der türkischen Verfassung „keine andere Sprache als Türkisch“ in den Erziehungs- und Ausbildungsinstitutionen „als Muttersprache der türkischen Staatsangehörigen gelehrt und unterrichtet werden“.

Türkei: Neutralität im Zweiten Weltkrieg

Ismet Inönu, der Nachfolger Atatürks, hielt die noch junge Republik Türkei durch diplomatisches Jonglieren aus dem Zweiten Weltkrieg heraus. 1944 folgte der Kriegsbeitritt aufseiten der Alliierten. Für viele Nationen war das ein gängiges Konzept, Flagge gegen das Dritte Reich zu bekennen, so auch für die Türkei.

Die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg stellte die Türkei auf die Probe. Insgesamt drei Mal putschte das türkische Militär und löste in den Jahren 1960, 1971 und 1980 die herrschenden Regierungen auf. Das Ziel war es jedes Mal, eine neue Verfassung einzuführen. Der schwerste war dabei der 1980er-Putsch, der für wechselnde politische Koalitionen, wirtschaftliche und politische Instabilität sorgte und von Terrorakten durch sowohl extremistische Rechte und Linke geprägt war.

Kurdenkonflikt prägt 1980er Jahre in der Türkei

In den Jahren nach dem Putsch bestimmte der Kurdenkonflikt die Innenpolitik der Türkei. Die Problematik der Kurden, immer noch keinen eigenen Staat zu besitzen, wurde aus dem türkischen Bewusstsein verdrängt. Daraufhin entstand im Jahr 1978 die Arbeiterpartei Kurdistans mit Abdullah Öcalan als Anführer. Fortan kämpfte die PKK für die politische Autonomie kurdischer Gebiete. Die Organisation wird von der Türkei, den Vereinigten Staaten und seit dem Jahr 2002 auch von der Europäischen Union als Terrororganisation eingestuft.

Türkei
HauptstadtAnkara
StaatsoberhauptStaatspräsident Recep Tayyip Erdogan
StaatsformPräsidentielle Republik
Fläche783.562 km²
Einwohnerzahl83.154.997
Amtssprache Türkisch

2002 markiert auch den Beginn des Aufstiegs einer politischen Partei. Die als religiös-konservative geltende AKP („Partei für Gerechtigkeit und Fortschritt“) mit ihrem damaligen Parteivorsitzenden und heutigem Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan konnte erstmals die Mehrheit im Parlament erreichen. In diese Zeit fielen auch die ersten Beitrittsverhandlungen der Türkei zur EU. Die AKP stellt seit diesem Zeitpunkt die Alleinregierung.

Im Jahr 2016 kam es zu einem weiteren Putschversuch durch das türkische Militär. Um die Ereignisse des 15. Juli 2016 mit offiziell 249 Toten ranken sich widersprüchliche Narrative. Einige Vorgänge des Putsches, den Erdogan noch in der Nacht „ein Geschenk Gottes“ nannte und der den Übergang der Türkei zum autokratischen Überwachungsstaat markiert, konnten inzwischen geklärt werden. Doch die strategischen Ziele, die Namen der politischen Drahtzieher liegen weiter im Dunkeln. Echte Ermittlungen hat Erdogans Regierungspartei AKP rigoros unterbunden. (Marvin Ziegele)

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