Türkische Präsident Erdogan Recep Tayyip Erdogan
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Der türkische Präsident setzt seinen umstrittenen Palastbau fort.

„Wegen der Gier eines Mannes“

Ein Prunkpalast nach dem anderen trotz Wirtschaftskrise: Erdogan spielt mit Steuergeldern

  • vonJennifer Richter
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Die Corona-Pandemie hat die Wirtschaftskrise in der Türkei massiv verschärft. Während die türkische Bevölkerung um Existenzen bangt, baut sich Erdogan Prunkpaläste.

  • Seit fast zwei Jahren steckt die Türkei in einer schweren Wirtschaftskrise.
  • Trotz wirtschaftlicher Schieflage investiert Erdogan die Steuergelder in ein millionenschweres Bauprojekt.
  • Bislang hat der Palastbau des Präsidenten 14 Millionen Euro verschluckt.

Ankara – Die türkische Bevölkerung hat seit fast zwei Jahren mit einer Wirtschaftskrise zu kämpfen. Erschwerend kommt die Corona-Pandemie dazu, die das Land weiter in Mitleidenschaft zieht. Den Präsidenten der Türkei, Recep Tayyip Erdogan, scheint das weniger Kummer zu bereiten. Trotz der Wirtschaftskrise in der Türkei setzt er ein millionenschweres Bauprojekt fort.

Erdogan baut trotz Wirtschaftskrise in der Türkei einen Präsidentenpalast am Vansee-Ufer

Anstatt sich um Lösungsvorschläge zu bemühen, setzt Präsident Erdogan den Palastbau am Vansee-Ufer fort. Obwohl sich der Kurs der türkischen Lira am freien Fall befindet und die Arbeitslosigkeit seit Monaten steigt, investiert der türkische Präsident nicht in wohlwollende Lösungsvorschläge. Stattdessen treibt Recep Tayyip Erdogan sein millionenschweres Bauprojekt an. Am größten See im Osten des Landes lässt Erdogan sein neues Domizil errichten. Der Bau soll an den früheren Kubad-Abad-Palast des seldschukischen Sultans Kai Kobad I. aus dem 13. Jahrhundert erinnern. Wie türkische Medien berichten, soll der Präsidentenpalast bereits 14 Millionen Euro verschlungen haben. Geplant seien 3,5 Millionen Euro gewesen.

„Dieser Palast wird gebaut“: Erdogan umgeht Gerichtsurteil und baut Präsidentenpalast weiter

Im Juli 2019 wurde der Palastbau am Vansee-Ufer vom türkischen Verfassungsgericht gestoppt. Grund dafür: Der Palast behindere den öffentlichen Zugang zum Ufer und Umland des Sees. Doch Erdogans Regierung hebelte das Urteil mithilfe einer Gesetzesänderung aus. Das Verbot des obersten türkischen Gerichts wurde zurückgezogen. Seitdem setzt Erdogan das millionenschwere Bauprojekt fort.

Bei der Residenz am Vansee soll es jedoch nicht bleiben: Erdogan leistet sich zudem eine prunkvolle Sommerresidenz in Nähe der Mittelmeerstadt Marmaris. Laut der türkischen Presse, soll er auch in dieses Bauprojekt mehrere Millionen Euro investiert haben. Der 300-Zimmer-Palast soll Erdogan bislang 37 Millionen Euro gekostet haben. Für das Bauprojekt seien 50.000 Bäume gerodet worden.

Drei Prunkpaläste und viele weitere Bauprojekte: Erdogan spielt mit den Steuergeldern der Bevölkerung

Für die hohen Baukosten seiner Paläste erntet Recep Tayyip Erdogan von der Opposition mächtig Kritik. Erst 2014 bezog er seinen gigantischen Amtssitz in Ankara. Jetzt der dritte Palast, den sich der türkische Präsident mithilfe von Steuergeldern einrichten lässt. „Wegen der Gier eines Mannes wird das Ufer des Vansees dem Profit geopfert“, kritisierte der CHP-Politiker Gülizar Bicer Karaca den Präsidenten im türkischen Parlament. „Während Millionen unserer Staatsbürger mit der Wirtschaftskrise zu kämpfen haben, gönnt sich ein einziger Mann ein Schloss nach dem anderen.“

Die Kritik an dem verschwenderischen Umgang Erdogans mit den Steuergeldern der türkischen Bevölkerung perlt an der Regierungspartei AKP ab. Diese argumentiert, dass es sich bei dem Bau des prunkvollen Präsidentenpalasts um „ein Heim für die ganze Nation“ handele. (Von Jennifer Richter)

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