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Türkischem Exiljournalisten droht Abschiebung

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Nach der Ablehnung seines Asylantrags in Österreich geht der Exiljournalist Zafer Yilmaz nach Norwegen. Jetzt sitzt er dort in Abschiebehaft.

Oslo - Immer wieder werden Asylanträge von Türkeistämmigen in EU-Staaten abgelehnt. Zuletzt wurde zum Beispiel auch der Antrag des türkischen Exil-Journalisten Zafer Yilmaz in Österreich abgelehnt. Yilmaz droht in dem Alpenland daher die Abschiebung, auch wenn er gegen das Urteil Rechtsmittel einlegen würde.

Der Journalist ist deswegen nach Norwegen gereist und hat dort einen erneuten Asylantrag gestellt, um eine Abschiebung in die Türkei zu verhindern. Dort wurde er am 15. April 2022 festgenommen und sitzt jetzt in Abschiebehaft. Die norwegischen Behörden sollen die Festnahme des Exilanten mit dem Urteil aus Österreich begründen, heißt es aus dem Umfeld von Yilmaz.

Exiljournalist Yilmaz schreibt für Erdogan-kritische Nachrichtenseite

Yilmaz gehört zu den „Free Journalists“ in Wien, einer Initiative, die von Exil-Journalisten gegründet wurde. Zudem hat Yilmaz für die türkischsprachige Nachrichtenseite Kronos News geschrieben. Die Nachrichtenseite ist ebenfalls in Österreich ansässig und berichtet kritisch über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und dessen AKP-Regierung.

Exiljournalist Zafer Yilmaz vor seiner Verhaftung
Exiljournalist Zafer Yilmaz aus der Türkei © Dogan Ertugrul/privat

In mehr als zwei Dutzend Urteilen türkischer Gerichte soll die Internetseite verboten worden sein, sagt der Chefredakteur von Kronos News, Dogan Ertugrul, gegenüber fr.de. Neben Yilmaz schreiben auch andere Journalisten aus der Türkei für das Medium, die aus der Türkei geflüchtet sind. Eine Verhaftung des Exil-Journalisten bei einer Abschiebung in die Türkei gilt daher als sicher, so Dogan. „Bei einer Abschiebung würde Zafer Yilmaz verhaftet und wegen Terrorismus angeklagt werden,“ sagt Dogan. Dazu reiche es schon aus, dass er Mitglied von Free Journalists ist und für Kronos News arbeitet.

Zafer Yilmaz: Anklage in Türkei gilt als sicher

Yilmaz hat in der Vergangenheit auch für die internationale Hilfsorganisation „Kimse Yok Mu“ („Ist dort jemand?“) gearbeitet, die der Bewegung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen nahesteht. 2016 wurde die Organisation in der Türkei verboten. Viele der Mitarbeiter wurden nach dem Putschversuch wegen Terrordelikte und Putschversuchs verhaftet. Der türkische Präsident hatte damals die sog. Gülen-Bewegung zur Terrororganisation erklärt.

Dogan Ertugrul, Exiljournalist und Chefredakteur von Kronos News
Dogan Ertugrul, Exiljournalist und Chefredakteur von Kronos News © Dogan Ertugrul

Zafer Yilmaz ist derzeit beunruhigt, erklärt uns Dogan Ertugrul. Alleine, dass er für Kronos News gearbeitet hat, würde ausreichen, um ihn hinter Gitter zu bringen. Dennoch habe Yilmaz die Hoffnung, nicht in die Türkei abgeschoben zu werden. „Zafer ist kein Tourist, er will nur Schutz“, so Ertugrul.

Türkei: 63 Journalist:innen im Gefängnis

Nach Angaben von Veysel Ok, dem Rechtsanwalt des zuvor in der Türkei verhafteten deutschen Journalisten Deniz Yücel, wurden nach dem Putschversuch 2016 mindestens 600 Journalist:innen verhaftet. Wie die Plattform Jailed Journos mitteilt, sitzen derzeit 63 Journalist:innen in türkischer Haft, fünf von ihnen wurden sogar zu lebenslanger Haft verurteilt. In der aktuellen Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen kommt die Türkei unter Präsident Recep Tayyip Erdogan auf Platz 149 unter 180 Staaten. „Dutzende (Journalist:innen, Anm. d. Redaktion) wurden aufgrund ihrer Berichterstattung zu teils langjähriger Haft verurteilt, viele warten seit Jahren auf ihre Urteile oder wehren sich in Berufungsinstanzen gegen Haftstrafen,“ schreibt die Organisation auf ihrer Internetseite. (Erkan Pehlivan)

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