Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan gestikuliert, während er in Ankara eine Rede hält.
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Erdogan bei einer Rede. Das Vorgehen der Zentralbank steht im Gegensatz zum Interesse des türkischen Präsidenten.

Wirtschaftskrise

Türkische Zentralbank reagiert auf Talfahrt der Lira - zum Missfallen Erdogans

  • Lukas Rogalla
    vonLukas Rogalla
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Der rasante Fall der Lira in der Türkei sorgt für ein Eingreifen der Zentralbank. Ihr Vorgehen steht allerdings ganz im Gegensatz zum Interesse von Präsident Erdogan.

  • Die Lira befindet sich auf einem historischen Tiefstand.
  • Die türkische Notenbank reagiert mit Zinssenkungen - zum Missfallen von Präsident Erdogan.
  • Der Konflikt um Bergkarabach trägt zur negativen Entwicklung in der Türkei bei.

Ankara - Die Lira verliert weiter an Wert. Mittlerweile befindet sich die Währung der Türkei im Vergleich zum Euro und Dollar auf einem historischen Tiefstand. Die türkische Notenbank hat entsprechend auf die Talfahrt reagiert - und setzt sich damit über die Interessen von Präsident und selbsterklärtem „Zinsfeind“ Recep Tayyip Erdoğan hinweg.

Wirtschaftskrise in der Türkei: Notenbank reagiert auf fallende Lira - zum Missfallen von Erdogan

Die Lira musste in diesem Jahr 23 Prozent an Wert gegenüber dem US-Dollar einbüßen. Die Ratingagentur hatte die Kreditwürdigkeit der Türkei zuletzt herabgestuft und mit weiteren Maßnahmen gedroht. Um die Talfahrt der Lira zu bremsen, hatte die türkische Zentralbank den Leitzins letzten Donnerstag (24.09.2020) überraschend um zwei Prozentpunkte angehoben. Damit liegt er nun bei 10,25 Prozent, teilte die Zentralbank in Ankara mit. Nach dem bereits lange währenden Abwärtstrend und einer Inflationsrate von fast 12 Prozent war eine Zinserhöhung längst überfällig, sagen Wirtschaftsexperten. Dennoch habe kaum jemand mit der Anhebung gerechnet. Damit wurden die Zinsen zum ersten Mal seit rund zwei Jahren angehoben.

Präsident Erdogan dürfte diese Entscheidung jedoch missfallen. Er hatte sich wiederholt gegen eine Erhöhung des Leitzinses ausgesprochen. Mit billigen Krediten solle die Konjunktur angekurbelt und die Wirtschaft unterstützt werden. Einen ehemaligen Leiter der Zentralbank entließ Erdogan, weil er sich weigerte, die Zinsen zu senken. Unter Murat Uysal kam die Notenbank dem Wunsch des Präsidenten allerdings nach. Eine politische Unabhängigkeit der Währungshüter wurde daher angezweifelt. Nun jedoch die Wende: „Die Inflation ist einem Pfad gefolgt, der höher als erwartet war“, zitiert der „Spiegel" ein Schreiben der Zentralbank. Die Maßnahmen zur Straffung der Währungspolitik müssten daher bestärkt werden.

Türkei unter Erdogan in der Wirtschaftskrise: Wert der Lira fällt weiter

Doch einem ersten, leicht positiven Effekt folgte wieder Ernüchterung. Zwar legte die Lira nach der Zinsanhebung deutlich zu. Die jüngsten Entwicklungen in der von Armenien und Aserbaidschan umstrittenen Region Bergkarabach sorgen jedoch dafür, dass die Währung erneut abstürzt. Die Türkei gilt als Schutzmacht und Verbündeter Aserbaidschans - Armenien als historischer Feind des Landes am Bosporus. (Von Lukas Rogalla)

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