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Wirtschaft in der Türkei am Boden: Auch Landwirte schwer betroffen

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Von: Erkan Pehlivan

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Um Kredite zu bekommen, haben Landwirte in der Türkei 1,3 Millionen Äcker den Banken als Sicherheit vermacht
Um Kredite zu bekommen, haben Landwirte in der Türkei 1,3 Millionen Äcker den Banken als Sicherheit vermacht. (Symbolbild) © dpa

Um Kredite zu bekommen, haben die Landwirte in der Türkei den Banken über 1,3 Millionen landwirtschaftliche Flächen als Sicherheit überschrieben. Die Lage könnte sich verschlimmern.

Ankara – Die Wirtschaftskrise in der Türkei macht sich auch unter den Landwirten bemerkbar. In der vergangenen fünf Jahren sollen den Banken insgesamt 1.366.172 landwirtschaftliche Flächen als Sicherheiten übertragen worden sein. Das geht aus einer Antwort auf die parlamentarische Anfrage des Abgeordneten Ömer Fethi Gürer (CHP) an Landwirtschaftsminister Murat Kurum hervor.

Gürer zufolge kämpfen die Landwirte in dem Land mittlerweile mit denselben Problemen. Derzeit liegen den Gerichtsvollziehern rund 24 Millionen Fälle vor, kritisiert der Abgeordnete. Alles sei teurer geworden: Kraftstoff, Dünger, Pestizide, Saatgut und Bewässerungsanlagen, das zu einer Verschuldung der Landwirte führe. Alleine Dünger sei innerhalb eines Jahres um 342 Prozent teurer geworden.

Türkei: 24 Millionen Fälle liegen Gerichtsvollziehern vor

Die Lage der Landwirte beschreibt Gürer so: „Die Landwirte bestellen ihr Land, ernten, verkaufen die Ernte und nehmen erneute einen Kredit auf“, sagte der Oppositionelle in einer Pressekonferenz. Die Schulden an die Banken hätten inzwischen unerträgliche Ausmaße angenommen.

Finanzminister Nureddin Nebati sieht keine Schuld bei der AKP-Regierung. Derzeit gäbe es eine weltweite Inflation. „Wir werden das gemeinsam bekämpfen“, sagte der Minister bei einem Treffen mit Landwirten im vergangenen Mai. „In der kommenden Periode wird die Inflation einstellig sein“, so Nebati. Derzeit leidet das Land unter einer Inflation von 80 Prozent. Unabhängige Fachleute sehen die tatsächliche Inflation in der Türkei beim Doppelten und mehr. Die globale Inflation liegt dagegen bei 7,4 Prozent.

Türkei: Finanzminister fordert „nicht weinen, nicht klagen“

Die AKP verglich Nebati mit den türkischen Landwirten: „Seit 20 Jahren machen wir Fortschritte durch Glauben und Schweiß. Wir erreichen jedes Mal die Ziele, an die wir geglaubt haben. Wir weinen nicht, wir klagen nicht und verfallen nicht in Pessimismus“. Die Regierung werde die Inflation mit demselben Glauben bekämpfen. Er sei auf der Seite der Landwirte, sagte Nebati.

Türkei: Inflation und Währungsverfall erreichen riesige Dimensionen

Mit Glauben und Schweiß scheinen sich derzeit die Probleme der Türkei und ihrer Landwirte nicht lösen zu lassen. Bei der Inflation gehört die Türkei zu den Spitzenreitern in der Welt. Zudem verliert die Türkische Lira zunehmend an Wert. Der US-Dollar kostet inzwischen knapp 18 TL, ein Jahr zuvor lag der Preis bei 8,30 TL. Eine Anhebung des Leitzinses, so wie es Fachleute fordern, lehnt Präsident Recep Tayyip Erdogan bislang vehement ab. (Erkan Pehlivan)

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