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Türkei: Neuer Umschlagplatz für Kokain – Welche Rolle spielt Erdogan?

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Immer wieder wurde in den vergangenen Jahren weltweit Kokain in großen Mengen sichergestellt. Das Ziel der Drogen ist immer häufiger die Türkei.

Ankara - Die Türkei scheint immer mehr zum neuen Drogenumschlagplatz zu verkommen. In den vergangenen zwei Jahren wurden weltweit immer wieder große Mengen Drogen sichergestellt, die an die Türkei adressiert waren.

Zuletzt hatte die spanischen Küstenwache am 13. April 2022 ein Fischerboot in der Nähe der Kanarischen Inseln festgesetzt und dabei rund 2,9 Tonnen Kokain beschlagnahmt. Die Drogen haben einen Verkehrswert von 72 Millionen Euro. Vier der fünf Besatzungsmitglieder sind türkische Staatsbürger gewesen. Anfang April hatte die Polizei im Hafen von Malte bei einer Durchsuchung von Containern 800 kg Kokain mit einem Verkehrswert von 108 Millionen Euro sichergestellt. Der Container war an den Hafen von Mersin in der Türkei adressiert.

Türkei: Auch vorher Kokainfunde weltweit

Ähnliche Drogenfunde dür die Türkei hatte es auch vorher gegeben. Fünf Tonnen Kokain im Wert von 265 Millionen Dollar wurden im Juni 2020 im kolombianischen Hafen von Buenaventura sichergestellt. Das Verteidigungsministerium von Kolumbien hatte damals offiziell bekannt gegeben, dass die Drogen auf dem Weg in die Türkei seien.

Erdogan und Soylu
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (links) und sein Innenminister Süleyman Soylu (rechts). (Archivfoto) © Depo Photos/Imago Images

Im August 2021 wurde ein türkischer Privatjet in Brasilien durchsucht. Das Flugzeug sollte von São Paulo nach Brüssel fliegen und hatte rund 1,3 Tonnen Kokain geladen. Die Maschine war auf die türkische Firma ACM Air zugelassen. Der Fall hatte in der Türkei für Furore gesorgt. Das Flugzeug stand zuvor im Dienste von Präsident Recep Tayyip Erdogan. Der Jet wurde beschlagnahmt und wird jetzt von der brasilianischen Polizei genutzt.

Türkei: Vermutlich auch Regierungsmitglieder in Drogengeschäfte involviert

Der ins Exil in Dubai geflohene ehemalige Mafiapate und Nationalist Sedat Peker hatte über Twitter und in seinen Videos auf Youtube immer wieder Innenminister Süleyman Soylu verdächtigt, an den Drogengeschäften beteiligt zu sein. Es gäbe Fotos, auf denen Innenminister Süleyman Soylu und sein Sohn mit Drogenhändlern zu sehen seien, die mit ihnen befreundet seien.

Sedat Peker
Ex-Mafiapate Sedat Peker in einer seiner Youtube-Botschaften. (Screenshot) © Youtube/„REİS SEDAT PEKER“

Peker hatte es bislang vermieden, Präsident Recep Tayyip Erdogan direkt anzugreifen. Seinen Regierungsmitgliedern hingegen warf er mehrfach Drogengeschäfte, Vergewaltigungen und Auftragsmorde vor. Peker galt bis vor zwei Jahren als Anhänger von Erdogan. Der ehemalige Mafiapate drohte nach dem Putschversuch von 2016 Erdogan-Gegnern, sie an Laternenmasten aufzuhängen, sollte der türkischen Staatschef zu Tode kommen.

Türkei: Teil des weltweiten Kokain-Schmuggels

Salim Cevik vom Zentrum für angewandte Türkeistudien (CATS) bei der Stiftung Wissenschaft und Politik
Salim Cevik vom Zentrum für angewandte Türkeistudien (CATS) bei der Stiftung Wissenschaft und Politik © Privat

Salim Cevik vom Zentrum für angewandte Türkeistudien (CATS) bei der Stiftung Wissenschaft und Politik sieht die Türkei auf einem gefährlichen Weg. „Die Türkei ist Teil des weltweiten Kokain-Schmuggels geworden“, sagt der Türkeiexperte. Besonderes Augenmerk gelte dabei Innenminister Süleyman Soylu. Es gäbe kaum noch Mafigrößen, die nicht mit Soylu ein gemeinsames Foto hätten.

Auch Erdogan ist auf Fotos mit Peker zu sehen. Cevik gibt zu bedenken, dass die Erdogan-Regierung durch eine Amnestie die Mafiagröße Alaattin Cakici aus dem Gefängnis entlassen haben. Mit Leuten wie Cakici könne Erdogan unliebsame Personen auf Linie bringen. (Erkan Pehlivan)

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