Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Demo vorm Istanbuler US-Konsulat gegen Donald Trumps Nahostpolitik.
+
Demo vorm Istanbuler US-Konsulat gegen Donald Trumps Nahostpolitik.

Nahostpolitik

Wahl von Joe Biden beeinflusst Türkei: Jetzt streckt Erdogan seine Fühler nach Israel aus

Die Wahl von Joe Biden zum US-Präsidenten zwingt die Türkei zu einer Kurskorrektur ihrer Nahostpolitik. Doch es gibt einen großen Konfliktpunkt mit Israel.

Ankara – Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan muss etwas tun, das ihm eigentlich nicht gefällt: sein Verhältnis zu Israel verbessern. Doch es gibt eine große Hürde.

Seit dem Mai 2018 haben Israel und die Türkei keine Botschafter mehr im jeweils anderen Land. Damals setzte Ankara dem israelischen Botschafter den Stuhl vor die Tür, als Reaktion auf die blutige Niederschlagung der Palästinenserproteste in Gaza. Doch mit der Wahl von Joe Biden zum neuen US-Präsidenten scheint sich ein Tauwetter in der türkisch-israelischen Eiszeit anzukündigen.

Beziehung zwischen der Türkei und Israel: Wahl von Joe Biden sorgt für Wandel

Gleich nach Bidens Wahl knüpfte der türkische Geheimdienstchef und Erdogan-Vertraute Hakan Fidan noch im November erste Kontakte zu Israel. Ziel der Bemühungen ist der Austausch von Botschaftern. Das wäre ein erster Schritt zur Wiederannäherung. Inzwischen bestätigen türkische Offizielle die anfangs geheim gehaltenen Kontakte. Für beide Länder sei es wichtig, für „Frieden und Sicherheit in der Region“ zu arbeiten. Auch Erdogan bestätigte die Gespräche. „Wenn wir nicht diese Probleme auf höchster Ebene hätten, könnten die Beziehungen ganz anders aussehen“, sagte er am vergangenen Freitag (01.01.2021) vor Reportern.

Das war eine Anspielung auf das vergiftete persönliche Verhältnis des türkischen Präsidenten zu dem israelischen Premier Benjamin Netanjahu. Die beiden Politiker haben sich in den vergangenen Jahren wenig geschenkt: Erdogan warf Netanjahu „Massaker an Frauen und Kindern“ vor, der wiederum nannte Erdogan einen „antisemitischen Diktator“.

Türkei und Israel: Erdogan versucht bei Joe Biden in Washington Punkte zu sammeln

Israel und die Türkei waren in den 90er Jahren enge militärische Verbündete. Aber seit Erdogans Regierungsantritt 2003 verschlechterten sich die Beziehungen kontinuierlich.

Die Wiederannäherung an Israel ist Teil einer außenpolitischen Kurskorrektur. Erdogan versucht, in Washington Punkte zu sammeln und weitere Sanktionen abzuwenden, die der Türkei wegen ihrer Rüstungsgeschäfte mit Russland nach Bidens Amtsübernahme drohen könnten. Er hofft auch, die wachsende Isolation zu überwinden, in die sein Land geraten ist, nachdem immer mehr arabische Staaten ihre Beziehungen zu Israel normalisieren.

Israel und die Türkei haben überdies einige gemeinsame Interessen. Dazu gehört, den wachsenden Einfluss des Iran in der Region zurückzudrängen. Auch als Waffenlieferant könnte Israel für die Türkei größere Bedeutung gewinnen. Das eröffnet nicht nur neue Exportchancen für die israelischen Rüstungsfirmen. Es ist auch interessant für die Türkei. Sie wird beim Aufbau ihrer eigenen Rüstungsindustrie jetzt durch die Sanktionen zurückgeworfen, mit denen die USA das Land für die Beschaffung russischer Luftabwehrraketen bestrafen.

Konfliktpunkte zwischen Türkei und Israel: Erdogans Beziehung zur Hamas

Ein weiteres mögliches Kooperationsfeld ist die Energiepolitik. Seit Jahren wirbt die Türkei in Israel für den Bau einer Pipeline, die Erdgas aus den israelischen Fördergebieten im östlichen Mittelmeer zur türkischen Küste bringen soll. Dort könnte das Gas ins bestehende Leitungsnetz eingespeist und nach Westeuropa gepumpt werden. Aus israelischer Sicht wäre das die direkteste Exportroute. Die Türkei würde damit ihre Rolle als Energiedrehscheibe stärken.

Es gibt aber auch Konflikte. Dazu gehört vor allem Erdogans Rolle als Patron radikalislamischer Bewegungen wie der Muslimbruderschaft und ihres Ablegers, der Hamas, die von der EU, den USA und zahlreichen anderen Staaten als Terrororganisation eingestuft wird. Israel wirft der Türkei vor, dass sie 2020 ein Dutzend führende Hamas-Funktionäre eingebürgert habe. Die USA kritisierten, dass Erdogan „einer Terrororganisation die Hand ausstreckt“. Erklärtes Ziel der Hamas ist die militärische Zerstörung Israels.

Wenn der türkische Staatschef weiter seine schützende Hand über die Terrororganisation hält, könnte die Annäherung mit Israel schnell an ihre Grenzen geraten. (Gerd Hohler)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare