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Türkei und Israel: Annäherung mit Hindernissen

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Von: Erkan Pehlivan

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Israels Präsident Herzog und Präsident Erdogan in der Türkei
Israels Präsident Herzog in der Türkei. © Haim Zach/dpa

Israel will einen Botschafter nach Ankara entsenden. Doch es gibt auch Probleme: Die Hamas hat ein Büro in Istanbul.

Ankara - Zwischen der Türkei und Israel kommt es erneut zu einer Annäherung. Israel wolle binnen Wochen einen Botschafter nach Ankara entsenden, sagte die Geschäftsträgerin der israelischen Botschaft in der Türkei, Irit Lillian, bei einem Treffen mit der Presse. Allerdings gebe auch Hindernisse für eine Normalisierung der Beziehung zwischen beiden Staaten. Dafür müsse die Türkei allerdings auf Israel zukommen. Erste Schritte der Annäherung gab es bereits im März 2022, als der israelische Präsident Izchak Ankara besuchte.

Türkei: Israel verlangt Schließung von Hamas-Büro in Istanbul

Israel wünsche sich die Schließung des Hamas-Büros in Istanbul, wie die Botschaftsangestellte sagte. Die Hamas sei das größte Hindernis für eine Annäherung und werde von Israel als Terrororganisation eingestuft. „Es ist kein Geheimnis, dass Israel sich von der Türkei wünscht, Hamas-Mitglieder wegzuschicken“, zitiert die Zeitung Sözcü die Botschaftsangestellte.

Lillian erhoffe sich auch, dass die Türkei ihre Botschaft nach Jerusalem verlegt. „Es sei aber unrealitisch davon auszugehen, dass die Türkei zu den ersten Ländern gehöre, die das macht“, so Lillian. „Ich hoffe, dass die Türkei in Zukunft ihre Botschaft nach Jerusalem verlegt.“ Die türkische Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan hat derzeit keine Pläne für einen Botschaftsumzug.

Türkei: Eiszeit erreicht Höhepunkt mit „Gaza-Flotille“

Die Eiszeit zwischen Israel und der Türkei erreichte vor zwölf Jahren mit der internationalen Gaza-Hilfsflotille, die von der israelischen Marine gestoppt wurde, ihren Höhepunkt. Am 31. Mai 2010 hatten israelische Sicherheitskräfte das türkische Schiff „Mavi Marmara“ erstürmt und dabei neun türkische Aktivisten getötet.

Ein UN-Bericht hatte später festgestellt, die israelischen Soldaten seien auf dem türkischen Schiff auf den „organisierten und gewalttätigen Widerstand einer Gruppe von Passagieren gestoßen“. Der Verlust von Menschenleben sei aber dennoch inakzeptabel. Im selben Jahr hatte der damalige Außenminister Ahmet Davutoglu den israelischen Botschafter ausgewiesen.

Bereits ein Jahr zuvor war es auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos zum Eklat gekommen. Auf einem Podium hatte der damalige israelische Präsident rund 20 Minuten über den Gaza-Krieg gesprochen und versucht, ihn zu rechtfertigen. Israel wolle „Frieden, keinen Krieg“, müsse sich aber verteidigen. „Wir haben nie als erste geschossen“, sagte Peres bei seiner Rede.

Türkei: Erdogans „One-Minute-Rede“ in Davos

Als Erdogan an der Reihe war, hatte der Moderator, der Journalist David Ignatius von der Washington Post, darauf hingewiesen, dass die Zeit für die Diskussionsrunde nun abgelaufen sei. Erdogan akzeptierte dies aber nicht und wiederholte immer wieder „One Minute“. „Ihr wisst sehr gut, wie man tötet. Ich weiß, wie ihr Kinder an den Stränden getötet habt“, sagte Erdogan damals und verließ das Podium in Rage. Außer in der Türkei hatte Erdogan mit dieser Rede viel Beifall in der arabischen Welt bekommen. (Erkan Pehlivan)

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