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Türkei: Inflation offiziell 79,6 Prozent, inoffiziell 176 Prozent

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Von: Erkan Pehlivan

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Inflation in der Türkei macht sich auch in Wochenmärkten bemerkbar
Wochenmarkt in Istanbul © Diego Cupolo/IMAGO

Offiziell liegt die Inflation in der Türkei bei 79,6 Prozent. Unabhängige Wirtschaftsexperten sehen die tatsächliche Teuerungsrate bei mehr als das Doppelte.

Ankara - Erneut haben sich die Wirtschaftszahlen in der Türkei verschlechtert. Wie das staatliche Statistikinstitut „TÜIK“ mitteilte, ist die jährliche Inflation im Juli auf 79,60 Prozent gestiegen. Einen Monat zuvor lag die Teuerungsrate noch bei 78,62 Prozent. Unabhängige Wirtschaftsinstitute gehen von weitaus höheren Zahlen aus.

Türkei: Lebensmittel verteuern sich in einem Monat zweistellig

Das unabhängige Wirtschaftsinstitut „EnaGrup“ hat für Juli dagegen eine jährliche Inflation von 176,04 Prozent berechnet. Nach Angaben des Instituts habe sich Wasser alleine im Juli um 37,77 Prozent verteuert. Hohe Preisanstiege gab es im vergangenen Monat auch für andere Lebensmittel wie Butter (+ 23,48 Prozent), Brot (+ 10,68 Prozent) und Gemüse (+10,40 Prozent).

Türkei: Experten und Opposition kritisieren AKP-Regierung

Auf seinem Blog kritisiert der Wirtschaftsexperte Mahfi Egilmez die Finanzpolitik der AKP-Regierung von Präsident Recep Tayyip Erdogan. Der Leitzins sei in der Türkei viel zu niedrig. Banken bekämen Kredite zu einem Zinssatz von 16,5 Prozent, dass sie zu einem Zinssatz von 35 Prozent verliehen, während die Inflation bei 80 % liegt, kritisiert Egilmez. Erdogan lehnt bislang eine Anhebung des Leitzinses ab.

Kritik an den Inflationszahlen kommt auch von der Opposition. „Weil die Wirtschaft schlecht gelenkt wird, werden unsere Bürger ärmer“, schreibt der AbgeordneteSezgin Tanrikulu (CHP). Auch der Abgeordnete Faik Öztirak gibt der falschen Wirtschaftspolitik der Regierung die Schuld: „In der gesamten Geschichte des Landes ist die Inflation nicht in so einem Tempo in die Höhe geschnellt.“

Türkei: Zentralbank verkauft 55 Milliarden Dollar

Gleichzeitig hatte die Zeitung „Cumhuriyet“ kürzlich unter Berufung auf einen nicht veröffentlichten Bericht der CHP mitgeteilt, dass die türkische Zentralbank „TCMB“ 55 Mrd. Dollar ihrer Devisenreserven verkauft habe. Ihr Präsident Sahap Kavcioglu hat bislang den Dollar-Verkauf nicht dementiert. (Erkan Pehlivan)

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